Die Hüterinnen der Kunst
Ingrid Klemm-Beyer und Julia Compagnon und ihr Herz für die Bernrieder Kunstausstellung
Wer im Oberland unterwegs ist, begegnet ihnen überall: Menschen, die ihre Zeit, ihre Energie und oft auch ihr Herz verschenken – für andere, für die Gemeinschaft, für das, was ihnen wichtig ist. In unserer Serie „Ehrensache“ erzählen wir ihre Geschichten. Heute begleiten wir zwei Frauen aus Bernried, die seit Jahren eine der bedeutendsten Kunstausstellungen der Region am Leben halten: Ingrid Klemm-Beyer und Julia Compagnon.
Ihre Geschichte ist eine Geschichte von Verantwortung, Leidenschaft und der Überzeugung, dass Kunst ein Dorf verbinden kann.
Ein Ehrenamt für die Kunst – und für ein ganzes Dorf
Die Bernrieder Kunstausstellung ist längst ein kultureller Leuchtturm. Doch was heute selbstverständlich wirkt, hat eine lange und bewegte Geschichte. Ingrid Klemm-Beyer beschreibt sie schlicht und eindrucksvoll: „Die Bernrieder Kunstausstellung gibt es nächstes Jahr 50 Jahre. Sie wurde in Bernried gestartet mit wenigen Künstlern und hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer sehr großen, sehr bekannten Ausstellung im ganzen Oberland entwickelt.“
Was damals klein begann, ist heute eine feste Institution. Die Ausstellung verteilt sich auf vier außergewöhnliche Orte – vom historischen Sommerkeller über die Torbogenhalle und das Buchheim Museum bis zum denkmalgeschützten Salettl. Julia Compagnon erinnert sich daran, wie sie die Ausstellung zum ersten Mal wahrnahm: „Weshalb ich aufmerksam geworden bin auf die Bernrieder Kunstausstellung, war zum einen, dass ich eben nach Bernried gezogen bin und geschaut habe, was es da an künstlerischen Angeboten gibt.“
Die Vielfalt, die Kombination aus lokalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern – all das zog sie hinein in eine Welt, die sie bis heute fasziniert.

Wie alles begann – und wie das Ehrenamt in ihr Leben kam
Manchmal sind es Zufälle, manchmal Begegnungen, manchmal wächst man einfach hinein: das Ehrenamt. Bei Ingrid war es genau so: „Ich habe vorher schon mitgemacht bei der Ausstellung und die Organisatoren wurden auch immer älter oder es wurde ihnen zu viel und dann fällt einem das sozusagen sprichwörtlich in den Schoß. Und dann ergreift man es oder er ergreift es nicht.“
Ingrid ergriff es – und blieb. Seit über 40 Jahren lebt sie in Bernried, kennt die Menschen, die Gemeinde, die Bedürfnisse des Ortes. Bei Julia war es ein Ausnahmejahr, das sie nochmal ganz besonders mit der Bernrieder Kunstausstellung verbunden hat – 2020. Das Jahr, das der Kunstszene große Steine in den Weg gelegt hat: „…da war es dann wirklich so, dass ich dachte, Mensch, jetzt ist Corona, jetzt kann diese Ausstellung, die es schon so lange gibt, die so etabliert ist, nicht stattfinden… Und so ist dann dieser Bernrieder Kunstspaziergang entstanden…“
Gemeinsam mit vielen Unterstützenden hängten sie Kunstbanner an Hausfassaden im ganzen Dorf auf – ein sichtbares Zeichen dafür, dass Kunst auch Krisenzeiten übersteht.
Warum sie das tun – und was es ihnen bedeutet
Ehrenamt ist selten nur eine Aufgabe. Oft ist es Verbundenheit. Ein Zuhause. Für Julia bedeutet es genau das: „Für mich ist, dass ich in Bernried leben darf, ein Geschenk… Und es ist so meine Art, was zurückzugeben, danke zu sagen, sozusagen.“
Auch Ingrid sieht ihre Arbeit tief verwurzelt im eigenen Lebensweg: „Wir sind auch vor 40 Jahren nach Bernried gezogen und fühlten uns auch sofort angenommen… Und wenn man kein geborener Bernrieder ist, ist das die beste Möglichkeit, sich in den Ort zu integrieren.“
Vielleicht ist das der schönste Aspekt des Ehrenamts: Es verbindet. Es schafft Gemeinschaft, wo vorher nur Nachbarschaft war.
Ein Ehrenamt, das wächst – und manchmal über sich hinaus
Dass die Bernrieder Kunstausstellung längst weit über die Ortsgrenzen hinaus wirkt, spüren beide Frauen deutlich. Julia erzählt: „Es kommen Bewerbungen aus Kanada, Italien, der Schweiz… es ist jetzt wirklich international geworden…“
Doch mit dem Wachstum steigt auch die Verantwortung. Das ehrenamtliche Team muss jedes Jahr rund 100 Bewerbungen sichten. Es diskutiert, wägt ab, entscheidet – oft stundenlang. Ingrid beschreibt diese Momente mit einem Lächeln: „Die Sichtung der Künstler, der einzelnen Werke und die Auswahl ist immer sehr heiter… Es ist sehr abwechslungsreich…“
Gemeinsam sitzen sie zusammen, diskutieren mit einem Gläschen Wein in der Hand, verhandeln unterschiedliche künstlerische Sichtweisen. Und am Ende entsteht jedes Jahr ein neues Gesamtkunstwerk: die Ausstellung selbst.
Kunst als Herzensangelegenheit
Ob es ein Hobby sei? Ingrid hat darauf eine klare Antwort: „Ich würd es nicht als Hobby bezeichnen. Nee, es ist 'ne Herzensangelegenheit.“
Es ist das Gefühl, etwas bewahren zu wollen. Etwas weiterzuführen, das viele vor ihnen aufgebaut haben. Julia formuliert es eindringlich: „Ich möchte nicht die sein, die dann sagt, ich mach das nicht und damit geht dann diese seit 50 Jahren etablierte Kunstausstellung irgendwie nicht mehr weiter.“
Dieses Verantwortungsgefühl – gegenüber der Tradition, der Kunst, den Menschen im Ort – trägt beide.
Wünsche, Zukunft und ein lebendiges Dorf
Der Zusammenhalt in Bernried ist etwas, das beide immer wieder betonen. Ingrid sagt: „Es ist eigentlich ein optimales Zusammenspiel der Ehrenämter und dafür ist Bernried auch bekannt…“
Genau diese Gemeinschaft ist es, die sie erhalten wollen – auch für die nächsten Generationen. Darum schaffen sie Platz für Neues, integrieren moderne Kanäle wie Social Media, holen junge Menschen ins Team und suchen Wege, die Ausstellung zeitgemäß weiterzuführen.
Ein Ausklang voller Wertschätzung
Was bleibt von einem Gespräch mit Ingrid Klemm-Beyer und Julia Compagnon? Vor allem eines: Respekt. Respekt vor der Energie, der Zeit und dem Mut, die beide seit Jahren investieren. Respekt vor ihrem Verantwortungsgefühl, vor der Liebe zur Kunst und vor der Überzeugung, dass ein Dorf nur dann blüht, wenn Menschen bereit sind, sich einzubringen.
Ihr Ehrenamt ist mehr als Organisation. Es ist Kulturarbeit. Gemeinschaftsarbeit. Herzarbeit.
Ehrenamt lebt von Menschen wie Ingrid und Julia – und davon, dass immer wieder neue dazukommen.
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