"Girls and Boys Day" im Oberland - Was ihr zum Aktionstag wissen müsst
Jungs, die sich für die Arbeit in der Kita interessieren, und Mädchen, die Informatikerin werden wollen – das ist noch immer eher selten. Genau deshalb gibt es heute den „Girls and Boys Day“. In vielen Betrieben im Oberland können Jugendliche in Berufe hineinschnuppern, in denen sie bislang unterrepräsentiert sind. Warum das aus Sicht der IHK weiterhin nötig ist, wie solche Aktionstage die Berufswahl beeinflussen können und ob Rollenbilder tatsächlich kleiner werden, erfahrt ihr im Interview mit Andreas Korn, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Weilheim.
Es ist 2026, jeder und jede kann das lernen, was er will. Warum braucht es diesen Tag überhaupt noch?
Andreas Korn, Leiter IHK-Geschäftsstelle Weilheim:
„Die meisten Mädchen haben noch immer Berührungsängste; sie trauen sich das Handwerkliche nicht so richtig zu. Das wird deutlich, wenn man sich die beliebtesten Ausbildungsberufe von jungen Frauen in Oberbayern anschaut. Letztes Jahr waren das zum Beispiel die Kauffrau für Büromanagement und die Verkäuferin. Erst auf Platz 11 hatten wir einen technischen Beruf, nämlich die Fachinformatikerin“.
Inwiefern können solche Aktionstage einen positiven Effekt auf die spätere Berufswahl haben?
Andreas Korn, Leiter IHK-Geschäftsstelle Weilheim:
„Das haben sie auf alle Fälle, denn wenn die Chemie stimmt zwischen dem Unternehmen, der Schülerin und natürlich muss auch der Beruf passen, werden häufig Praktika vereinbart. Und das ist der erste Schritt. Das sind Kontakte, die bestenfalls in einen Ausbildungsvertrag münden“.
Welche Beobachtungen machen Sie bei der IHK: sind klassische Rollenbilder in den letzten Jahren tatsächlich kleiner geworden? Und wenn ja, in welchen Berufen?
Andreas Korn, Leiter IHK-Geschäftsstelle Weilheim:
„2004 lag der Frauenanteil in der Ausbildung zur Fachinformatikerin z. B. bundesweit bei 7 %, 2014 waren es bereits 11 %. Andersherum beobachten wir wiederum, dass in den zurückliegenden Jahrzehnten der Anteil der Jungen in den kaufmännischen Ausbildungsberufen zugenommen hat“.
Warum ist es Ihrer Ansicht nach wichtig, dass der Aktionstag auch in Zukunft stattfindet?
Andreas Korn, Leiter IHK-Geschäftsstelle Weilheim:
„Einfach, weil solche Tage helfen, bei den Jugendlichen die Wahrnehmung für die Welt der Ausbildung und der Ausbildungsberufe zu schärfen. An solchen Berufsorientierungstagen, die direkt in den Betrieben gemeinsam mit den Azubis und den Ausbilderinnen und Ausbildern stattfinden, können sich Schülerinnen und Schüler unmittelbar ausprobieren. Das sind praktische Erfahrungen pur“.
Hier gibt es weitere Infos zum Girlsday und zum Boysday.