Mückenplage im Sommer 2026? - So schätzt ein Experte die Lage im Oberland ein
Die ersten Mücken sind im Oberland schon unterwegs – und viele fragen sich: Wird das wieder ein richtig nerviger Mückensommer? Noch ist die Lage laut Experten entspannt, vor allem weil es bisher eher trocken war. Entscheidend werden aber die nächsten Wochen: Regen, Hochwasser und stehendes Wasser können schnell dafür sorgen, dass sich die Tiere stark vermehren. Rainer Jünger vom Verein „Mückenplage? Nein, danke!“ erklärt im Interview, worauf es jetzt ankommt, was jeder im eigenen Garten tun kann – und wie groß die Sorge vor der Asiatischen Tigermücke wirklich ist.
Viele melden uns derzeit, dass bereits zahlreiche Mücken unterwegs sind. Wie ist die aktuelle Lage im Oberland?
Rainer Jünger vom Verein „Mückenplage? Nein, danke!“:
„Das ist also nicht ungewöhnlich für die Jahreszeit, dass es schon ein paar Mücken gibt. Es sollten allerdings jetzt noch keine wirklichen Plagen sein. Dafür war es bisher ja tatsächlich auch noch recht trocken. Wenn jemand wirklich große Mückenprobleme bereits hat, empfehlen wir in dem Fall immer: Schaut mal in eurer Regentonne oder in eurem Gartenteich nach. Sind irgendwelche Gefäße mit Wasser stehen geblieben und bilden sich dort muntere Eier? Dann bekommt ihr dort lokale Mücken einfach her. Schaut dort selber, dann könnt ihr das Problem wahrscheinlich selbst in den Griff bekommen“.
Welche Faktoren sind jetzt entscheidend dafür, ob es in diesem Sommer zur einer Mückenplage kommt?
Rainer Jünger vom Verein „Mückenplage? Nein, danke!“:
„Die großen Mückenplagen haben wir immer dann, wenn es Überschwemmungen gibt, großflächige Überschwemmungen. Die Eier liegen ja bekanntermaßen von den Überschwemmungsmücken in den Wiesen, die können dort warten, sehr, sehr lange warten und nützen dann die Gelegenheit, zu schlüpfen, wenn es über 15 Grad hat und wenn es schön nass ist, und treten dann in sehr, sehr, sehr großer Zahl auf. Dieses Jahr ist eine Besonderheit bisher, dass es recht trocken ist. Das dämpft quasi ein bisschen die Überschwemmungssituation weg. Das müsste sich also jetzt in der Ammerseeregion erstmal ein bisschen auffüllen, der Wasserstand, sodass es dann überhaupt zur Pfützenbildung kommt“.
Was können wir tun, damit im Garten keine zusätzlichen Brutstätten entstehen?
Rainer Jünger vom Verein „Mückenplage? Nein, danke!“:
„Lasst kein Wasser stehen: keine Wassergläser, die sich dann mit Wasser füllen, keine Blumentöpfe, keinen Schubkarren, der sich dann mit Wasser füllt, wo dann die Eier reingelegt werden. Wenn ihr allerdings eine Regentonne habt, die ihr jetzt nicht ohne weiteres ablassen wollt, nehmt BTI-Tabletten. Die gibt es im Baumarkt. Tut das in die Tonne rein. Das ist ein Eiweißpräparat, das macht eurem Bio-Gemüse überhaupt nichts aus. Aber ihr habt dann damit keine Mücken“.
Der Winter war relativ kalt – welche Folgen hat das für die Mücken?
Rainer Jünger vom Verein „Mückenplage? Nein, danke!“:
„Die allermeisten Arten kommen mit großer Kälte ganz hervorragend zurecht, besonders die Überschwemmungsmücken, deren Eier ja auf den Wiesen liegen. Bei anderen Mückenarten kann es jedoch dazu führen, dass sie dezimiert werden“.
Die Asiatische Tigermücke wurde bereits im Landkreis Bad Tölz – Wolfratshausen nachgewiesen. Breitet sie sich weiter aus?
Rainer Jünger vom Verein „Mückenplage? Nein, danke!“:
„Es ist zu erwarten, natürlich im Zuge des Klimawandels, dass sich die Tigermücke ausbreiten wird. Aber die große Gefahr entsteht dann, wenn Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Viren unterwegs sind und die Mücke tatsächlich als Überträger dieser Krankheiten von Mensch zu Mensch auftreten kann. Da diese Krankheiten bei uns bislang nicht vorkommen, gibt es aber keinen Grund zur großen Sorge“.
Wie groß ist die Gefahr, dass wir die Tigermücke aus dem Urlaub ins Oberland einschleppen?
Rainer Jünger vom Verein „Mückenplage? Nein, danke!“:
„Das passiert immer wieder: Die Mücke geht sozusagen als blinder Passagier ins Auto, fährt dann zu uns mit und tritt dann hier auf. So findet tatsächlich auch die Ausbreitung meistens statt“.