Gerissene Rehe im Oberland: PETA fordert Hundeführerschein, Jäger sind skeptisch
In Gauting beißt am Montag ein Hund ein Rehkitz tot, in Egling wurde vor wenigen Tagen ein trächtiges Reh von einem Hund gerissen. Im Oberland häufen sich die Fälle mit wildernden Hunden. Die Tierrechtsorganisation PETA fordert deshalb in Bayern erneut einen Hundeführerschein. Dazu Sprecher Björn Thun:
„Wer seinen Hund nicht entsprechend zurückhalten und kontrollieren kann, wer ihn durch die Wälder streunen lässt und damit in den Lebensraum der Wildtiere eindringen lässt, ist durchaus Teil des Problems. Die im Hundeführerschein vermittelten Mittel und Herangehensweisen sollen den Menschen dabei helfen, solche Situationen richtig einzuschätzen.“
Jäger sehen den Hundeführerschein dagegen skeptisch. Hartwig Görtler, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Starnberg:
„Ich halte das für relativ wenig sinnvoll, um das klarzumachen. Ich halte es natürlich für sinnvoll, dass ein Hund hört und funktioniert. Aber wenn wir jetzt einen Führerschein einführen, ist die erste Frage, die ich stellen möchte: Wer soll das denn bitte kontrollieren? Oder wird die Haltung an den Führerschein gekoppelt?“
Wildernde Hunde sind laut Görtler aber keine Einzelfälle:
„Allein den Hund mal kurz in die Wiese reinzulassen, ist für das Wild kompletter Mist. Es ist übrigens verboten. In der Vegetationsperiode gilt für alles, was irgendwie Landschaft ist, ein Betretungsverbot. Aber es vergeht kein Jahr, in dem wir nicht eine Häufung von gerissenen Rehen haben.“
Das Problem liege oft auch in der Selbstüberschätzung der Hundehalter, sagt Görtler:
„Ich glaube, da ist ein bisschen Selbstreflexion angebracht. Man sollte auch mal ausprobieren: Wenn ich es nicht schaffe, den Hund unter normalen Umständen vom Ball zurückzurufen, oder wenn ich einen Stock werfe und sage: ‚Aus, komm‘, und er das nicht schafft, dann wird er es beim höchsten Reiz, den ich einem Hund bieten kann, auch nicht schaffen: einem weglaufenden Wildtier. Da werden beim Hund alle Urinstinkte geweckt. Dann werde ich ihn auch nicht abrufen können.“
Er appelliert daher an den gesunden Menschenverstand: Hunde nicht permanent frei laufen zu lassen, sondern sie an die Leine zu gewöhnen. Freilaufende Hunde können ihre Besitzer schnell zu Wilderern machen – und das ist eine Straftat.