Murnau liest gegen das Vergessen
Ein Gedenktag, der bewegt – und verbindet
Murnau setzt ein kraftvolles Zeichen für Erinnerung, Menschlichkeit und Meinungsfreiheit: Am 10. Mai 2026, dem Jahrestag der Bücherverbrennungen von 1933, verwandelt sich die Murnauer Fußgängerzone von 11 bis 16 Uhr in einen Ort des Zuhörens, des Innehaltens – und der lebendigen Erinnerung.
Unter dem Titel „Murnau liest gegen das Vergessen“ erheben rund 40 Bürgerinnen und Bürger ihre Stimmen für jene Autorinnen und Autoren, deren Werke einst verfolgt, verboten und verbrannt wurden. Bekannte Namen wie Heinrich Heine, Erich Kästner, Bertolt Brecht und Kurt Tucholsky stehen dabei neben vielen zu Unrecht Vergessenen – gemeinsam holen sie die Vielfalt der Stimmen zurück ins öffentliche Bewusstsein.
Bereits zum dritten Mal findet die Veranstaltung in Murnau statt – und hat sich längst als eindrucksvolles Zeichen gelebter Erinnerungskultur etabliert. Initiator ist erneut Christian Jungwirth, der mit großem Engagement die Auswahl der Texte verantwortet und dem Format seine besondere Tiefe verleiht. Der Markt Murnau, insbesondere das Referat Tourismus & Kultur, übernimmt auch in diesem Jahr gerne die Organisation und schafft den Rahmen für dieses besondere Gemeinschaftsprojekt.
Worte, die nicht verstummen
Was einst zum Schweigen gebracht werden sollte, wird in Murnau hörbar gemacht: In kurzen, eindringlichen Lesebeiträgen von jeweils sechs Minuten entsteht ein literarischer Dialog über Freiheit, Mut und Zivilcourage. Musikalische Zwischenspiele schaffen Raum zum Nachdenken und Nachklingen.
Ein besonders bewegender Moment: Bücher werden symbolisch aus einer Feuerschale entnommen – „aus der Asche gehoben“ – und zurück ins Licht getragen. Ein stilles, aber starkes Zeichen dafür, dass Gedanken nicht verbrannt werden können.
Ein Ort der Begegnung – für alle
Die Veranstaltung findet unter freiem Himmel vor dem Rathaus statt (bei schlechtem Wetter im Foyer). Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, jederzeit dazuzukommen – für einen kurzen Moment oder mehrere Stunden.
Eröffnet wird der Gedenktag um 11 Uhr von Bürgermeister Rolf Beuting.
Erinnerung, die in die Zukunft wirkt
„Murnau liest gegen das Vergessen“ ist mehr als ein Rückblick. Die Lesung versteht sich als Einladung, sich mit der Bedeutung von Meinungsfreiheit, Toleranz und Menschlichkeit heute auseinanderzusetzen. Gerade in einer Zeit, in der diese Werte weltweit unter Druck stehen, setzt Murnau ein sichtbares und hörbares Zeichen.
Jede Stimme zählt. Jeder Text wirkt. Jeder Zuhörende macht den Unterschied.
Eintritt frei