Mit Herzblut für das kulturelle Erbe
Hanne Wittermann – Hüterin des Bibliotheksaals in Polling
In unserer Serie „Ehrensache“ stellen wir Menschen aus dem Oberland vor, die sich mit Leidenschaft und Hingabe ehrenamtlich engagieren. Menschen, die ihre Freizeit, ihr Wissen und ihr Herz investieren, damit unsere Region lebendig bleibt. Eine von ihnen ist Hanne Wittermann. Seit einem halben Jahrhundert widmet sie ihr Leben einem ganz besonderen Ort: dem Bibliotheksaal in Polling – einem der schönsten Konzertsäle Bayerns.

Ein Konzertsaal mit Geschichte
Der Saal, einst Klosterbibliothek, wurde nach seiner Restaurierung 1975 zu einem Konzertort von Weltruf. Und seitdem sorgt Hanne mit unermüdlichem Einsatz dafür, dass dieser Ort nicht nur erhalten bleibt, sondern lebt: „Wegen seiner wunderbaren, weltberühmt guten Akustik ist er zu einem spitzen Konzertsaal geworden. Und diesen betreue ich jetzt schon, im September ist es ein halbes Jahrhundert. 50 Jahre. Ehrenamtlich.“
Ein Erbe aus der Familie
Wie kommt man zu einer so besonderen Aufgabe? Bei Hanne war es fast ein Stück Familiengeschichte: „Es ist mir ein Herzensanliegen, das ich sozusagen geerbt habe.“
Ihr Schwiegervater gründete Anfang der 1970er Jahre den Verein Freunde des Pollinger Bibliotheksaals e.V., um das historische Juwel vor dem Verfall zu retten. Später stieg auch ihr Mann mit ein – bis Hanne nach dessen Tod die Verantwortung alleine übernahm.

Verantwortung, die das Leben prägt
Ein Konzertsaal, das klingt romantisch – doch in Wahrheit steckt dahinter viel Arbeit: „Man muss ganz ehrlich sagen: der Bibliotheksaal ist ein Wirtschaftsbetrieb geworden… Es ist ein Wirtschaftsbetrieb, es läuft alles über mich.“
Von Terminabsprachen über Künstlerkontakte bis hin zur Organisation von Aufnahmen – Hanne hält alle Fäden in der Hand. „Danach richtet sich eigentlich seit 20 Jahren mein ganzes Leben. Ich kann nicht einfach so locker mal in den Urlaub fahren… Wir stehen auf eigenen Füßen, und ich muss sozusagen für die Erhaltung dieses wunderbaren Objekts das Geld verdienen.“
Freude am Glanz des Saales
Doch die Mühe lohnt sich. Jeder Besuch im Bibliotheksaal, jede Rückmeldung der Gäste zeigt ihr, dass es richtig ist: „Man weiß, wofür man es tut und freut sich, wenn dann so ein positives Feedback kommt… Die sagen auch: das ist ja grandios, wie schön der aussieht. Und dann sage ich ihnen, dass er zuletzt vor 50 Jahren restauriert wurde. Das glaubt immer keiner.“
Kleine Details mit großer Wirkung
Hanne kümmert sich nicht nur um das Große und Ganze, sondern auch um die kleinen Dinge, die Atmosphäre schaffen: „Die Besucher merken auch, dass da ein schöner Blumenschmuck auf der Bühne steht. So kleine Details - das mach ich gerne.“
Und wenn das Publikum nach einem Konzert mit leuchtenden Augen und einem Lächeln die Treppe hinunterkommt, weiß sie: All die Arbeit hat sich gelohnt: „Wenn das Konzert aus ist und die Leute mir dann entweder zunicken oder den Daumen heben und sagen: 'Das war wieder so ein wunderbares Konzert' - dann denk ich mir: Ja, so soll es sein.“

Große Namen in Polling
Dass der Saal Musiker aus aller Welt anzieht, ist kein Geheimnis. Künstler wie Gidon Kremer, Anne-Sophie Mutter, Jonas Kaufmann oder Hélène Grimaud haben hier schon gespielt oder Aufnahmen gemacht. Polling wurde so zu einem Ort, der Klassikgeschichte mitschreibt – auch dank Hannes stiller Arbeit im Hintergrund.
Blick in die Zukunft
Und die Reise geht weiter. 2025 feiert der Bibliotheksaal sein 50-jähriges Jubiläum als Konzertsaal – ein Ereignis, das Hanne schon jetzt voller Vorfreude plant. Ihre Hoffnung für die kommenden Jahrzehnte bringt sie in einem Satz auf den Punkt: „Dass der Saal so gut erhalten bleibt in dem wunderbaren Zustand, in dem er sich befindet.“
Ein Herz, das für Kultur schlägt
Hanne Wittermann ist mehr als nur die Verwalterin eines Konzertsaals. Sie ist die Hüterin eines kulturellen Schatzes. Ihr Einsatz zeigt, wie viel ein einzelner Mensch mit Leidenschaft bewegen kann – und wie wertvoll Ehrenamt für unsere Gemeinschaft ist.
Ihr Engagement macht deutlich: Das Herz des Saales schlägt weiter – dank ihr.
Dieser Artikel wurde erstellt mit freundlicher Unterstüzung von
