Wie ein Christkindlmarkt ein ganzes Dorf verbindet  

Wie ein Christkindlmarkt ein ganzes Dorf verbindet
 

Klemens Reindl und Herbert Stotter vom Christkindlmarkt Bad Kohlgrub

50 Jahre Engagement, Herzblut und Gemeinschaft in Bad Kohlgrub

Es gibt Geschichten, die uns zur Weihnachtszeit besonders tief berühren. Geschichten von Menschen, die ihre Zeit, ihre Kraft und ihre Leidenschaft schenken – ohne etwas dafür zu verlangen. Genau um solche Menschen geht es in unserer Reihe „Ehrensache“, in der wir diejenigen ins Licht rücken, die im Stillen Großes leisten. Heute führt uns diese Reise nach Bad Kohlgrub – zu einem Christkindlmarkt, der viel mehr ist als ein Nachmittag voller Lichter, Düfte und Musik. Und zu zwei Menschen, die seit Jahrzehnten neben vielen anderen dafür sorgen, dass er jedes Jahr aufs Neue ein Ort der Wärme, der Menschlichkeit und der gelebten Nächstenliebe wird: Klemens Reindl und Herbert Stotter.

Ein Dorfplatz voller Magie – und 50 Jahre Ehrenamt

Wenn am zweiten Adventssonntag gegen Nachmittag die ersten Lichter rund um den Maibaum aufleuchten, beginnt in Bad Kohlgrub ein Zauber, der seit einem halben Jahrhundert Bestand hat. Klemens (Reindl) erinnert sich an seine Anfänge – es war 1974, er war 16 Jahre alt und eigentlich nur „der Junge von der Bergwacht“. Doch dann wurde daraus eine Lebensaufgabe. „Bei mir werden es jetzt heuer 50 Jahre und wenn man es einmal gemacht hat, lässt es einen nicht mehr los.“ Seine Stimme verrät, dass der Zauber dieses Ehrenamts nicht kleiner wird – im Gegenteil. Der Christkindlmarkt ist jedes Jahr nur einen einzigen Nachmittag geöffnet. Doch die Arbeit dahinter – die ist ein ganzes Jahr lang spürbar.

Zuckerduft, Schneeflocken und ein Kupferkessel: Herbert und seine Mandeln

Auch Herbert Stotter hat eine ganz eigene Geschichte mit dem Markt. 1977 kam er als Konditor und Patissier aus Tirol nach Bad Kohlgrub – und wurde sofort gefragt, ob er nicht Mandeln brennen wolle. „Sie bräuchten noch jemanden, der was Mandeln macht vor den Leuten.“ Herbert sagte ja. Natürlich sagte er ja. Er stand mit seinem Kupferkessel am Rathaus, während die ersten Schneeflocken fielen. „Da hab ich dann Mandeln gebrutzelt und die Leute, die haben gewartet. Das war natürlich wunderschön, ein Zimt - Vanillegeruch hing in der Luft.“ Die Menschen kamen, blieben stehen, schauten zu. Und Herbert rührte – 50 Minuten lang – bis die Mandeln „zu knacken anfangen“. Es ist eine weihnachtliche Szene wie aus einem alten Heimatfilm. Aber sie war echt. Und sie ist es heute noch.

Wie viel Arbeit steckt dahinter? Eine ganze Dorfgemeinschaft.

Wer durch Bad Kohlgrub schlendert, sieht vielleicht „nur“ rund 40 Stände. Doch die Wahrheit ist: Das ganze Dorf arbeitet dafür. „Wir bereiten uns das ganze Jahr vor.“ Es wird gestrickt, gestickt, gebastelt, gekocht. Vom ersten Handgriff am Morgen des Marktes bis zum Abbau am Abend stehen rund 250 Ehrenamtliche zusammen. „Es ist für das Dorf, für die Zusammengehörigkeit, für das Miteinander, für das soziale Engagement eine ganz wichtige Geschichte.“Und das spürt man. In jedem Detail. In jedem Lächeln. Bei jeder Bratwurst oder Fischsemmel, in jeder Tasse Brennsuppe – einem alten Armeleute-Gericht, das heute ein warmes Stück Heimat geworden ist. Und natürlich an den Ständen, die kein Essen anbieten, dafür aber Basteleien und kleine Kunstwerke.

Nicht nur ein Markt – sondern ein Zeichen der Menschlichkeit

Hinter dem Christkindlmarkt steckt ein tieferer Sinn. Klemens sagt das ohne Pathos, aber mit Nachdruck: „Wir wollen auch das Verständnis für Menschen wecken, die Behinderungen haben, die unter Beeinträchtigungen leiden. Dass man diese Menschen in der Gesellschaft sichtbar macht, sie mit einbindet – darum geht es uns.“ Ein Markt, der Brücken baut. Ein Markt, der Barrieren abbaut. Ein Markt, der zeigt, wie eine Gemeinschaft aussieht, in der jeder seinen Platz hat.

Herbert: Dankbarkeit als Antrieb

Für Herbert ist sein Ehrenamt kein Hobby. Es ist eine Herzenssache – geboren aus Dankbarkeit. „Ich habe einen schweren Reitunfall gehabt in Afrika und meine Tochter ebenfalls. (…) Und aus Dankbarkeit mache ich jetzt da in Bad Kohlgrub mit.“ Er bäckt Kletzenbrote nach dem Rezept seiner Mutter, verschickt sie mittlerweile sogar weit über den Landkreis hinaus – und spendet den Erlös. „Ich bin jedes Mal glücklich, wenn wir wieder etwas Gutes geschafft haben!“ Es ist diese Mischung aus Bescheidenheit und Leidenschaft, die ihn zu einem unverzichtbaren Teil des Marktes macht.

Was wünschen sich die beiden für die Zukunft?

Wenn man Ehrenamtliche fragt, was sie sich wünschen, kommt selten etwas für sich selbst. So auch hier. Klemens (Reindl) sagt: „Ich wünsche mir, dass es weitergeht. Dass sich immer wieder Menschen finden, die bereit sind, Zeit, Energie, Know how reinzustecken.“ Herbert nickt – und ergänzt: „Ganz wichtig ist, dass auch junge Leute weitermachen.“ Es ist ein leiser Wunsch. Aber ein wichtiger.

42.000 Euro – und ein halbes Jahrhundert Nächstenliebe

Der Markt ist klein, kaum drei Stunden lang geöffnet. Und doch erzielt er Großes. „Wir waren letztes Jahr im Erlös über 42.000 € und haben jetzt in diesen 54 Christkindlmärkten über 1,5 Millionen € verteilt.“ – an integrative Einrichtungen im gesamten Oberland. Geld, das bleibt. Geld, das hilft. Geld, das Leben verändert.

Ein herzliches Schlusswort – und eine Einladung

Am Ende hält Klemens es ganz einfach: „Wir freuen uns auf jeden, der kommt, der mit uns Weihnachtsgefühl erleben will, der nebenbei etwas Gutes tun möchte.“ Der Christkindlmarkt in Bad Kohlgrub ist mehr als ein Termin im Kalender.
Er ist ein Geschenk – an die Besucher, an die Gemeinschaft, an all jene, die Unterstützung brauchen. Und er ist ein Beweis: Wenn viele zusammenhelfen, kann aus einem einzigen Nachmittag ein halbes Jahrhundert Nächstenliebe werden.

Der Christkindlmarkt in Bad Kohlgrub findet am Sonntag, den 7. Dezember 2025, von 15:30 bis 18:00 Uhr statt.

 

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