Ein Zuhause auf Zeit  

Ein Zuhause auf Zeit
 

Petra und Angela vom Eltern-Kind-Haus in Garmisch-Partenkirchen

Ein Zuhause auf Zeit – für Menschen in schwierigen Situationen

Wer im „Haus Sankt Monika“ ankommt, bringt meist schwere Päckchen mit: Wohnungslosigkeit, eine ungewollte Schwangerschaft, Schulden oder das Gefühl, allein gelassen zu sein. Hier finden Schwangere ab 16 Jahren und (alleinerziehende) Eltern mit ihren Kindern einen geschützten Ort, an dem sie zur Ruhe kommen dürfen. Das bedeutet oft viel: Geborgenheit, ein Dach über dem Kopf, ein offenes Ohr – und vor allem Menschen, die mit Herz und Erfahrung begleiten.

Vom Zufall ins Engagement – und dort geblieben

Petra ist seit über 20 Jahren hauptamtlich im Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) tätig. Ihren Weg dorthin beschreibt sie so:
„Oft rutscht man in ein Ehrenamt einfach so hinein, wird einfach angesprochen. Kann ich bestätigen, war bei mir ähnlich. Meine ehemalige Kollegin war damals die Leitung von der Eltern – Kind – Einrichtung und hat gesagt, deine Kinder sind jetzt groß genug, du hast doch jetzt Kapazitäten wieder für ein bisschen mehr Job. Magst du nicht zu mir kommen. Ich suche eine Kollegin, trau dich. Und dann bin ich mit Teilzeit in diesen Beruf eingestiegen.“

Angela wiederum ist seit Jahrzehnten ehrenamtlich engagiert. Schon als Jugendliche hat sie den Weg in die Kirche gefunden:
„Ich bin als 15-Jährige mit großer Begeisterung für Kirche ins kirchliche Ehrenamt eingestiegen. Und irgendwann ist mir aufgefallen, dass wir eigentlich in der Kirche sehr viel Arbeit für uns selbst, füreinander machen, aber wenig für die, die bedürftig sind. Ich möchte etwas für Bedürftige tun und bin so auf den Sozialdienst katholischer Frauen gestoßen. Mittlerweile bin ich dort auch seit mehr als 25 Jahren Vorstandsmitglied.“

Hilfe, die von Herzen kommt

Beide Frauen teilen dasselbe Leitbild. Für Petra bedeutet es:
„Als christliche Menschen leben wir die Nächstenliebe. Der Mensch zählt, egal wer es ist und egal welche Probleme er gerade hat. Und das braucht unsere Welt heute mehr denn je, wo doch unsere Gesellschaft aktuell so gespalten ist.“

Diese Haltung prägt das Haus: Zehn Familien finden hier Platz, jede mit ihren eigenen Sorgen. Ehrenamtliche unterstützen beim Dolmetschen, beim Kochen, Basteln oder auch einfach beim Zuhören. „Mein Lieblingssatz ist immer: Wir begleiten vom Kreißsaal bis in den Gerichtssaal. Wir sind überall, wo wir gebraucht werden.“, sagt Petra Lang.

Kleine Momente, große Wirkung

Besonders berührend sind für Angela Altmiks die Rückmeldungen von Müttern, die im Haus ein Stück Heimat gefunden haben:
„Ich habe im Mutter – Kind – Haus eine Frau kennengelernt, die gesagt hat: Ja, mein Schicksal ist wirklich schwer und ich habe so viel Schlimmes erlebt. Und jetzt bin ich hier in Garmisch und jetzt ist alles gut. Ich bin endlich irgendwo angekommen und meine Kinder sagen, wenn wir spazieren waren, da sind wir zu Hause.“

Auch nach dem Auszug bleiben viele Familien in Kontakt. Petra erzählt von Nachrichten, die sie Jahre später noch erreichen – wenn ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner eine Ausbildung beginnen, schuldenfrei sind oder stolz den Führerschein nachholen konnten. „All diese Dinge, das sind die Momente, wofür wir wirklich dankbar sind. Da, wo wir brennen, wo wir uns freuen, dass wir diesen Job machen dürfen. Egal ob Ehrenamt oder Hauptamt.“

Wünsche für die Zukunft

Das größte Problem bleibt die Wohnungssuche. Angela und Petra formulieren es klar:
„Wohnraum ist ein riesiges Problem. Damit hängt ein großer Wunsch von mir zusammen: Bereitschaft an Menschen zu vermieten, Wohnraum zu teilen, damit nicht so viele von dieser großen Last erdrückt werden. Die Frage „Wo kann ich hin?“ quält. Diesen sicheren Ort, den vermissen so viele.“

Dazu kommt der Wunsch nach mehr helfenden Händen – egal ob haupt- oder ehrenamtlich. „Das ist der zweite Wunsch. Nicht nur Ehrenamtler, sondern auch motivierte, für den Beruf begeisterte Fachkräfte sind natürlich herzlich willkommen. Die suchen wir immer. Und ehrenamtliche Mitarbeitende, die ihr Know how teilen möchten.“

Was sie antreibt

Für Angela ist ihre Motivation biblisch verwurzelt:
„Meine Motivation für mein Ehrenamt ist der barmherzige Samariter. Wer auf meinem Weg liegt und ich das Gefühl habe, das ist jetzt meine Aufgabe zu helfen, dem helfe ich. Das ist meine Berufung.“

Petra wiederum beschreibt es so:
„Ich hatte mich immer schon geärgert, wenn es Ungleichheiten gab, wenn die Solidarität gefehlt hat. Es liegt mir einfach, verschiedene Menschen zusammenzubringen, die, die viel haben und die, die wenig haben. Und die, die teilen möchten.“

Ein Funken Hoffnung im Oberland

Petra Lang und Angela Altmiks sind zwei Gesichter einer Arbeit, die im Stillen geschieht – und doch das Leben vieler Menschen im Oberland nachhaltig verändert. Ihr Engagement ist nicht nur praktische Hilfe, sondern auch ein Signal: Niemand muss alleine sein.

Und vielleicht inspiriert ihre Geschichte auch andere, selbst aktiv zu werden. Denn wie sie zeigen, braucht es nicht immer große Gesten. Manchmal reicht es, einfach da zu sein – mit Zeit, Herz und offenen Armen.

Kontakt für Interessierte:
Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Garmisch-Partenkirchen:

Website


Haus St. Monika (Eltern-Kind-Haus):
Leitung: 
Frau Petra Lang (Dipl. Sozialpäd. (FH))

 Telefon E-Mail

Dieser Artikel wurde erstellt mit freundlicher Unterstüzung von