Wir haben es noch keinen Tag bereut!
Marion und Marie vom Frauenhaus Murnau
Ein Ehrenamt, das Leben verändern kann
Es ist ein Engagement, das Leben rettet, Hoffnung schenkt – und das oft im Verborgenen stattfindet. Marion ist eine von derzeit rund 13 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen – den sogenannten „Ehmas“ – im Frauenhaus Murnau. Seit sieben Jahren engagiert sie sich in ihrer Freizeit für Frauen, die unter häuslicher Gewalt leiden. Ohne großes Aufsehen, aber mit umso mehr Herzblut.
„Ich bin eigentlich Pädagogin, Psychologin und Kriminologin […] arbeite jetzt aber in einem ganz anderen Bereich, Innendienst bei einer schweizer Firma“, erzählt Marion im Gespräch bei Radio Oberland. „Aber deswegen arbeite ich so gern ehrenamtlich fürs Frauenhaus. Da kann ich eben meine soziale Seite ausleben und es macht unheimlich viel Freude.“
Ein Schutzraum – dringend gebraucht
Das Frauenhaus Murnau ist ein geschützter Ort für Frauen, die Gewalt erfahren haben – körperlich, psychisch oder emotional. Häusliche Gewalt habe „viele Gesichter“, erklärt Marie, eine von Marions Kolleginnen. Sie koordiniert das Team hauptamtlich. Das reiche von Schlägen bis hin zu Kontrolle, finanzieller Abhängigkeit oder Stalking: „Wenn eine Frau in einer Beziehung nicht das tun darf, was sie möchte […] dann ist das Gewalt.“
Die Statistik ist erschreckend: „Neueste Zahlen sagen, dass jede dritte Frau betroffen ist“, machen Marie und Marion deutlich. Frauenhäuser wie das in Murnau seien deshalb eine zentrale Anlaufstelle. Leider ist es meist voll belegt. „Wir haben insgesamt fünf Plätze für Frauen mit beziehungsweise auch ohne Kinder.“
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Rund um die Uhr erreichbar – dank Ehrenamt
Was viele nicht wissen: Das Nottelefon des Frauenhauses ist 24/7 erreichbar – auch nachts, an Feiertagen oder am Wochenende. Dahinter steckt das Team der Ehrenamtlichen, wie Marion eine ist: „Wir sind in der Rufbereitschaft. […] Oft reicht es schon, wenn man einfach zuhört und ein offenes Ohr hat.“
Die Anrufe seien emotional, aufgewühlt, verzweifelt: Oft braucht es sogar Polizei oder Rettungsdienste. Aber mitunter geht es auch „nur“ darum, dass die anrufenden Frauen wissen möchten: ‚Was kann ich denn machen? Mir geht es so schlecht.‘“
„Ein schöner Zusammenhalt – echte Frauenpower“
Was Marion (und Marie) antreibt, ist neben der sinnvollen Aufgabe auch das starke Miteinander. „Der Kontakt zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlern ist wirklich grandios. Das ist so ein schöner Zusammenhalt, so eine Frauenpower unter uns“, sagt sie. Dass sie in ihrer Freizeit anderen hilft, empfindet sie nicht als Last, sondern als Geschenk: „Ich habe es noch nicht einen Tag bereut, weil es wirklich so sinnvoll ist und man der Gesellschaft auch ein bisschen was zurückgeben kann.“
Tagsüber arbeitet Marion im Innendienst bei einer schweizer Firma. Und wenn andere Wochenende machen? „Dann machst du Frauenhaus Murnau“, wie Moderator Simon (Fritzenschaft) anerkennend zusammenfasst. „Ganz genau“, sagt Marion lachend – und meint es ernst.
„Es ist traurig, dass man es braucht“
So erfüllend das Ehrenamt auch ist – es bleibt ein Engagement, das nur deshalb notwendig ist, weil Frauen in ihrer eigenen Wohnung, in ihrem Umfeld nicht (mehr) sicher sind. „Einerseits ist es toll, dass wir die Möglichkeit haben, diesen Schutzraum zu bieten“, sagt Marie. „Aber andererseits ist es auch traurig, dass man es überhaupt braucht.“
Der Bedarf ist groß – und wächst. Deshalb sei jede neue Unterstützerin willkommen. „Auf 20 Ehrenamtliche aufzustocken wäre ideal“, sagt Marion. Gesucht werden Frauen über 21, mit Führerschein und möglichst Wohnortnähe. Ein Smartphone für die Telefonumleitung sei wichtig, aber alles andere werde gestellt – inklusive gründlicher Einarbeitung.
Ein Appell an Politik und Gesellschaft
Trotz aller Kraft, die in der täglichen Arbeit steckt, bleibt der Wunsch nach struktureller Verbesserung. Marie hofft auf die schnelle Umsetzung des sogenannten „Gewalthilfegesetzes“, das unter anderem mehr Frauenhaus-Plätze schaffen und deren Finanzierung sichern soll: „Es wäre natürlich ein großer Wunsch von mir, dass wir in Zukunft einfach besser aufgestellt sind.“
Marion formuliert es so: „Das Thema Gewalt gegen Frauen und Frauenhäuser braucht noch mehr Bewusstsein in der Öffentlichkeit. Viele haben hier nach wie vor Fragezeichen über den Köpfen.“
„Wir haben alles – und es ist an der Zeit, etwas zurückzugeben“
Marion ist Ehrenamtliche – mit Überzeugung. Sie schenkt Zeit, gibt Stabilität, schafft Sicherheit. Warum sie das macht? Ihre Antwort ist einfach – und tief berührend:
„Mir selber geht es gut. Wir sind gesund, wir haben einen Job, wir haben ein Dach über dem Kopf, wir haben alles, was wir brauchen. Und Zeit. Davon möchten wir etwas zurückgeben.“
Du möchtest mithelfen?
Das Frauenhaus Murnau freut sich über neue Ehrenamtliche. Melde dich telefonisch unter 08841 5711 oder per E-Mail an frauenhaus@skf-garmisch.de. Du bekommst eine fundierte Einarbeitung, Fortbildungen, Fahrtkostenerstattung – und das gute Gefühl, wirklich etwas zu bewegen.
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Dieser Artikel wurde erstellt mit freundlicher Unterstüzung von
