Begleitung auf dem letzten Weg
Doris und Karin vom Hospizverein Pfaffenwinkel
In unserer Serie „Ehrensache“ stellen wir Menschen aus dem Oberland vor, die sich mit Herz und Hingabe ehrenamtlich engagieren. Heute widmen wir uns einem Thema, das oft im Schatten liegt – und doch jeden von uns betrifft, dem Lebensende. Doris und Karin vom „Hospizverein Pfaffenwinkel“ schenken in dieser schweren Zeit das Wertvollste, was man geben kann: Nähe, Zeit und Mitgefühl.
Da sein, wenn das Leben leiser wird
Sterben ist ein Teil des Lebens – und dennoch fällt es vielen schwer, darüber zu sprechen. Genau hier setzen Doris und Karin mit ihrer Arbeit beim Hospizverein Pfaffenwinkel an. Karin ist eine der hauptamtlichen Koordinatorinnen, Doris engagiert sich seit vielen Jahren als ehrenamtliche Hospizbegleiterin. „Wir sind acht Koordinatoren, so heißen wir als Hauptamtliche bei uns beim ambulanten Hospizdienst. Wir begleiten schwerkranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu Hause, in Heimen, in Krankenhäusern, aber auch in unserem stationären Hospiz in Polling“, erklärt Karin. Ihre Aufgabe ist es, den Kontakt herzustellen, ein Netzwerk für die Familie aufzubauen – und dann gemeinsam mit den Ehrenamtlichen wie Doris die Begleitung zu gestalten.
Ein Impuls, der das Leben verändert hat
Für Doris war es kein langer Plan, der sie zu ihrem Ehrenamt führte – sondern ein spontaner, tiefgreifender Impuls. „Ich habe mich damals mit einer Koordinatorin vom Hospizverein unterhalten, die habe ich aber noch gar nicht gekannt. Sie hat mir ein bisschen was erzählt von ihrer Tätigkeit und, dass demnächst ein neuer Ausbildungskurs zur Hospizbegleiterin, zum Hospizbegleiter beginnt. Und spontan, irgendwie, ohne drüber nachzudenken, habe ich sofort gesagt: ja, da will ich mitmachen.“ Was sie damals noch nicht wusste: Dieser Schritt sollte ihr Leben verändern. „Ich habe weder gewusst, was der Hospizverein ist, noch was in dem Ehrenamt auf mich zukommt – geschweige denn, was es eigentlich mit meinem ganzen Leben anstellt. Dieses Ehrenamt hat grundsätzlich vieles verändert.“

Ein Ehrenamt, das tiefer geht
Wer als Hospizbegleiter(in) arbeitet, stellt sich einer der größten Fragen des Lebens: der eigenen Endlichkeit. Doris erinnert sich: „Beim Ausbildungskurs muss man sich sehr über die eigene Endlichkeit Gedanken machen und damit beschäftigen. Über den Sinn des Lebens, über Trauer, übers Sterben, über schwere Krankheiten. Und das macht was mit einem.“
Diese Auseinandersetzung verändere, sagt sie. „Man setzt andere Prioritäten. Vieles relativiert sich. Man sieht einfach viele Sachen anders. Aus einem ganz anderen Blickwinkel, aus einer ganz anderen Perspektive.“
Nächte im Hospiz – und die kleinen großen Aufgaben des Alltags
Doris begleitet Menschen zu Hause oder im stationären Hospiz in Polling – tagsüber, aber auch nachts. Sie übernimmt dort regelmäßig die zweite Nachtwache neben einer Pflegekraft. Doch was bedeutet Hospizbegleitung konkret? „Da sein – das ist ein großes Wort und vielleicht auch mit so die Hauptüberschrift.“ Manchmal, sagt Doris, ist sie mehr für die Angehörigen da als für die sterbende Person. „Weil die Angehörigen oft hilflos, überfordert sind, Auszeiten brauchen und manchmal einfach die ganze Situation nicht mehr alleine aushalten. Und dann heißt es einfach da zu sein und miteinander auszuhalten.“ Das kann auch bedeuten, ganz praktische Hilfe zu leisten: „Das kann auch manchmal sein, dass der Hund Gassi geführt werden muss und ich dann schaue, dass der Hund versorgt ist. Auch das ist dann in dem Moment meine Hospizbegleitung.“
Ein Engagement, das berührt – aber nicht belastet
Natürlich gehen diese Begegnungen nahe. Doch Doris betont: „Ich nehme meine Schützlinge, die ganzen Situationen, klar mit heim – die kann man nicht einfach abstreifen. Aber mich belastet es nicht.“ Die Gedanken seien da – oft frage sie sich: „Wie geht es den Menschen, ihren Familien jetzt wohl? Kommen sie zurecht? Soll ich vielleicht noch mal anrufen?“ Karin findet in der Bewegung ihren Ausgleich: „Ich bin einfach viel draußen – ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, auf dem Berg, mit den Skiern. Das tut mir einfach gut. Am besten kein Telefon dabei haben. Und tatsächlich einfach der Rückhalt der Familie.“
Dankbarkeit, Lachen und wertvolle Zeit
Wer glaubt, dass in einem Hospiz nur Tränen fließen, liegt falsch. Doris beschreibt das, was sie zurückbekommt, als unbezahlbar: „Mit jeder Begleitung kommt für mich ganz viel zurück – von den Familien, von den Betroffenen selbst. Ich habe immer Dankbarkeit erlebt und finde es für mich einfach so bereichernd.“ Auch Karin unterstreicht das: „Ich glaube, das hört sich immer so an – wir sprechen über Sterben, Tod. Aber es ist nicht immer eine Schwere dabei. Wir lachen auch ganz viel. Wir sind schon ein ganz lustiger Haufen – und ich glaube, sonst könnte man das auch gar nicht länger machen.“

Wünsche für die Zukunft – mehr Offenheit und Sichtbarkeit
Der Bedarf ist hoch, das Angebot begrenzt: Nur zehn Betten gibt es aktuell im stationären Hospiz in Polling – bald sollen es 16 sein. Zusätzlich entsteht ein Kinderhospiz, um auch Familien mit schwerkranken Kindern helfen zu können. Karin wünscht sich für die Zukunft vor allem eines: mehr Sichtbarkeit. „Natürlich wünsche ich mir noch mehr Mitglieder... Dass wir einfach doch noch bekannter werden und dass man einfach weiß: Bei uns kann man einfach anrufen und irgendwie wird jedem geholfen.“ Und sie spricht einen gesellschaftlichen Wunsch aus: „Dass das Thema Tod und Sterben wieder ein bisschen normaler wird in unserer Gesellschaft. Ich denke, dass es früher einfach selbstverständlicher war, darüber zu sprechen als heutzutage.“
Ein Vorbild für gelebte Menschlichkeit
Seit 14 Jahren begleitet Doris sterbende Menschen – immer ehrenamtlich. „Ich habe 2011 den Ausbildungskurs gemacht. Und ja, jetzt sind es schon 14 Jahre.“ Beruflich arbeitet sie heute auf einer Palliativstation. Der Tod, sagt sie, sei wohl einfach ihr Thema. Und trotzdem – oder gerade deshalb – begegnet sie ihm mit großer Lebensfreude. Karin ist seit fünf Jahren hauptamtlich im Einsatz – und brennt für ihren Beruf: „Es ist einfach eine schöne Aufgabe, auch sehr vielfältig.“
Ehrensache mit Herz – und offenem Ohr für alle
Der Hospizverein Pfaffenwinkel zeigt eindrucksvoll, wie wichtig das Ehrenamt für unsere Gesellschaft ist. Doris und Karin stehen für gelebte Mitmenschlichkeit – leise, stark und tief berührend. Wer mehr erfahren oder sich selbst engagieren möchte, kann sich jederzeit melden – auch am Wochenende, denn: „Wir haben eine 24-Stunden-Rufbereitschaft. Es kommt auch oft vor, dass Familien einfach am Wochenende zusammensitzen und dann überlegen: Was machen wir jetzt? Dann kommt der Anruf – und wir helfen.“
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