Ein Lächeln, das bleibt
Bernadette Lingg und ihr Ehrenamt im Krankenhausbesuchsdienst
Montagnachmittag, kurz nach halb drei.
Während für viele das Wochenende noch nachklingt oder der Alltag seinen gewohnten Lauf nimmt, beginnt für Bernadette Lingg aus Partenkirchen eine der wichtigsten Stunden der Woche. Gemeinsam mit sechs weiteren Damen ist sie unterwegs im Klinikum Garmisch-Partenkirchen – nicht mit Rezeptblock oder Spritze, sondern mit offenen Ohren, einem mitfühlenden Herzen und einem Lächeln. Sie ist Teil des ehrenamtlichen Krankenhausbesuchsdienstes, getragen vom Sozialdienst katholischer Frauen (SKF). Und das schon seit über 15 Jahren: „Wir besuchen jeden Montagnachmittag, ehrenamtlich natürlich – ist klar – die Patienten im Klinikum in Garmisch-Partenkirchen.“
„Es gibt viele Menschen, die alleine sind“
Was banal klingt – jemandem Gesellschaft leisten – kann für Patientinnen und Patienten den Unterschied ausmachen zwischen Einsamkeit und Trost, zwischen Überforderung und Hilfe. Denn Bernadette und ihr Team tun weit mehr als „nur“ reden. Sie hören zu. Sie erkennen Bedürfnisse. Und sie handeln: „Es gibt leider viele Menschen, die sich alleine fühlen, die alleingelassen sind oder sogar Hilfe brauchen im Sinne von organisatorischer Unterstützung.“, sagt sie. Ein Gespräch über die Sorgen, ein paar Minuten lachen, einen Fernseher erklären oder eine Zeitung besorgen – oft sind es kleine Dinge, die Großes bewirken.

Wie alles begann: Von der Sportartikelindustrie ins Ehrenamt
Mehr als 40 Jahre lang arbeitete Bernadette Lingg in der Sportartikelindustrie. Als sie in Rente ging, wollte sie sich anderweitig engagieren: „Ich wollte der Gesellschaft etwas zurückgeben, weil es mir gut ging. Ich hab‘ viel Glück gehabt.“ Durch Zufall traf sie auf eine Mitarbeiterin des SKF – und landete beim Krankenhausbesuchsdienst. Anfangs konnte sie sich darunter wenig vorstellen: „Ich habe schlicht nicht gewusst, dass es so was gibt.“ Ein Probenachmittag – und sie war überzeugt. Seither ist sie jeden Montag da. Und mit ihr viele Geschichten.
„Ich bin da – was kann ich für Sie tun?“
Bernadette besucht die Station 6, die sogenannte „EndoGAP“, wo viele Patienten nach Hüft- oder Knieoperationen liegen. Oft beginnt der Besuch mit einer einfachen Begrüßung: „Ich gehe einfach in die Patientenzimmer rein und sage dann, was ich anbieten kann oder ob es irgendwas gibt, was ihr Herz begehrt.“ Und dann geht’s los. Hilfe beim Einstellen des Fernsehers, der Wunsch nach einer Zeitschrift, der Kauf einer Telefonkarte – oder in seltenen Fällen sogar mehr: „Ein Patient kürzlich zu mir: ‚Ich bräuchte dringend was von zu Hause. Ich habe keine Unterwäsche da, ich habe kein T-Shirt da, meine Brille habe ich auch nicht dabei.‘“
In diesem Fall, erzählt Bernadette, ging sie – natürlich zu zweit – in die Wohnung des Patienten, um das Nötigste zu holen. Eine Ausnahmesituation, aber ein Beispiel für die Hingabe und das Vertrauen, das ihr entgegengebracht wird.
Ein Team mit Herz – und Platz für mehr
Das Team besteht aktuell aus sieben Frauen. Männer sind herzlich willkommen – aber noch nicht dabei: „Es gibt nur Kolleginnen, die Kollegen fehlen noch.“ Insgesamt könnten es mehr Ehrenamtliche sein, wie Bernadette betont. Denn Urlaub oder Krankheit bringen den Dienst schnell an seine Grenzen. Wer sich engagieren will, ist willkommen: „Wir suchen dringend Leute. Die Voraussetzung ist einfach: „Montagnachmittag Zeit haben und sich nicht scheuen auf Menschen zuzugehen.“
Interessierte können über das Freiwilligenzentrum „Auf geht’s“ (GAP) oder direkt beim SKF Kontakt aufnehmen.
Geben und Nehmen: Was Ehrenamt wirklich bedeutet
Warum tut sie das alles? Woraus schöpft sie ihre Motivation? „Wenn ich am Abend da rausgehe und ich habe das Gefühl, dass ich jemandem eine Freude gemacht habe – das tut so gut. Das ist die Motivation. Man will jemandem helfen und bekommt extrem viel zurück.“ Jährlich führt sie rund 240 Gespräche mit Patientinnen und Patienten, erledigt Besorgungen. In der ganzen Gruppe sind es hunderte Stunden gelebte Mitmenschlichkeit. Eine Zahl, die hinter jeder Statistik leise leuchtet: ein Lächeln, das bleibt.
„Es sind die kleinen Dinge, die es schön machen“ Ein Krankenhausaufenthalt ist selten schön – aber er kann erträglicher sein, wärmer, menschlicher. Menschen wie Bernadette Lingg helfen dabei – mit ihrer Zeit, ihrer Aufmerksamkeit, ihrem Herz: „Wir machen den Krankenhausalltag einfach a bisserl schöner.“

Mitmachen? Sehr gerne!
Du möchtest selbst mithelfen? Du hast Zeit, Lust und den Mut, Menschen ein Stück Nähe zu schenken? Dann melde dich beim SKF Garmisch-Partenkirchen oder beim Freiwilligenzentrum „Auf geht’s“. Bernadette und ihr Team freuen sich!
Auf geht's! Das Freiwilligen-Zentrum
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