Wenn Mitgefühl Brücken baut
Luisa Kechele und die Müllstadtkinder von Kairo
Ein Engagement, das weit über Grenzen hinausreicht
In unserer Radio-Oberland-Serie „Ehrensache“ stellen wir Menschen vor, die sich mit Herz und Zeit für andere einsetzen – ohne Bezahlung, aber mit umso mehr Überzeugung. Menschen, die ihre Freizeit dafür nutzen, das Leben anderer ein Stück heller zu machen.
Eine von ihnen ist Luisa Kechele aus Hohenpeißenberg. Jung, sozial engagiert und voller Energie setzt sie sich für Kinder ein, deren Alltag mit unserem kaum vergleichbar ist: die Müllstadtkinder von Kairo.
Schon zu Beginn des Gesprächs sagt sie knapp und treffend: „Genau deswegen bin ich hier.“ Sie möchte Aufmerksamkeit schaffen – für Kinder, die sonst kaum jemand sieht.
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Hilfe für Kinder, die im Müll leben müssen
Der Name des Vereins klingt hart, aber genau das ist die Realität: In Kairo gibt es sogenannte Müllstädte, in denen Familien vom Sammeln und Sortieren von Abfall leben. Dort wachsen Kinder auf, die kaum eine Chance auf Bildung oder ein sicheres Leben haben.
Luisa beschreibt die Arbeit ihres Vereins so klar wie berührend: „Wir sind ein Verein, der sich ehrenamtlich engagiert für die Kinder in Kairo. Vor allem für die Kinder, die einfach kaum oder keinen Zugang zu Bildung haben und hauptsächlich in den Müllstädten leben.“
Es gibt Patenschaften, Schulbetreuung und sogar einen Kindergarten im vereinseigenen Community Center. Menschen aus Deutschland – und mittlerweile sogar aus Österreich – unterstützen einzelne Kinder oder ganze Familien langfristig.
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Wie alles begann: Eine schulische Reise, die ihr Leben verändert hat
Der Weg nach Kairo begann für Luisa ausgerechnet in Rottenbuch – an der Fachakademie, an der sie ihre Ausbildung zur Erzieherin machte: „Über die Schule damals. Ich war in der Fachakademie in Rottenbuch. Und so sind wir 2020 dann nach Kairo geflogen im Fach Interkulturelle Pädagogik als Wahlpflichtfach.“
Was als schulisches Projekt startete, wurde zu einer Herzensangelegenheit. Luisa übernahm eine Patenschaft – und blieb. „Relativ bald, also ein Jahr später, habe ich dann gesagt, es ist mir eigentlich egal, wen oder welches Kind ich finanziere, ich möchte einfach Teil des Vereins sein.“, erzählt sie.
Ein Ehrenamt voller Hingabe
Wenn Luisa über ihr Engagement spricht, spürt man sofort, wie viel Gefühl und Verantwortung darin steckt: „Meine ehrenamtliche Tätigkeit ist wirklich Herzblut.“
Mindestens einmal pro Jahr reist sie nach Ägypten, besucht die Familien, trifft die Kinder und sieht, was ihre Arbeit bewirkt.
Der Kontakt bleibt persönlich, warm und direkt – und Kairo ist für sie längst mehr als ein Projekt: „Ägypten, Kairo, die Menschen dort sind meine zweite Heimat, meine Familie.“
Ein Einblick in eine Welt, die kaum vorstellbar ist
Was Luisa vor Ort erlebt hat, lässt kaum jemanden kalt: „Mein erstes Mal in Kairo war wild. Es war sehr laut und es liegt überall irgendwo Müll.“
Sie beschreibt eine Realität, die wir uns in Mitteleuropa kaum vorstellen können: „Der Verkehr ist chaotisch, kreuz und quer. Dazu der Müll und zum Teil liegen auch Kadaver irgendwo am Straßenrand.“ Und inmitten dieser Bedingungen leben Kinder: „Man sieht alle Generationen von klein auf bis zu den Großeltern.“ Gesundheitliche Risiken gehören dort zum Alltag: „Das ist auf jeden Fall nicht gesund. Man merkt auch, dass die Lebensrate da nicht so hoch ist wie bei uns.“
Diese Einblicke haben Luisa geprägt – und sie bleiben der Motor ihres Engagements.
Warum sich die Mühe lohnt
Trotz der großen Not: Luisa sieht Veränderung. Sie sieht Fortschritte. Und es sind echte Chancen, nicht nur Tropfen auf den heißen Stein: „Wir haben zum Teil über längere Zeit Kinder oder auch Jugendliche begleitet, die jetzt studieren, die sehr gut Englisch oder auch sogar schon teilweise deutsch [können].“
Wenn man ihr zuhört, erkennt man schnell: Diese Hilfe wirkt nachhaltig. Sie schenkt Perspektiven, die über Generationen hinweg tragen können.
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Wünsche für die Zukunft – und ein Appell an uns alle
Natürlich hat Luisa auch Wünsche – und zwar solche, die vom Herzen kommen: „Auf jeden Fall würde ich mir wünschen, dass dieses Projekt weiterbestehen kann. Und natürlich würde ich mir wünschen, dass wir auf unser Projekt den Verein Müllstadtkinder Kairo e.V. aufmerksam machen können.“
Und für alle, die über ein Ehrenamt nachdenken oder den Verein unterstützen möchten, hat sie eine klare Einladung: „Am besten sind wir über unsere Homepage erreichbar, über das Kontaktformular, aber natürlich auch über Instagram oder Facebook.“
Ein Schlusswort voller Wertschätzung
Luisa Kechele zeigt, was ein einzelner Mensch bewirken kann, wenn Mitgefühl auf Tatkraft trifft. Sie steht für ein Ehrenamt, das Grenzen überwindet – geografisch, sozial und emotional.
Sie beweist, dass Engagement nicht immer vor der eigenen Haustüre beginnt. Manchmal beginnt es mit einem Blick über den Tellerrand, einem Funken Empathie und der Entscheidung, Verantwortung zu übernehmen.
Ihr Einsatz für die Müllstadtkinder von Kairo ist eine Einladung an uns alle, groß zu denken – und klein anzufangen. Denn Veränderung beginnt oft mit einem Menschen, der sagt: Ich mache das. Ich helfe.
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Dieser Artikel wurde erstellt mit freundlicher Unterstüzung von
