Wenn Jugend die Jugend leitet
Emi Albrecht und die Pfadfinder vom VCP – „Stamm Lechrain“
Im Rahmen unserer Serie „Ehrensache – engagiert im Oberland“ stellen wir jede Woche Menschen vor, die unsere Region mit ihrem Ehrenamt ein Stückchen wärmer, bunter und menschlicher machen. Heute geht es um eine junge Frau, die schon früh gelernt hat, Verantwortung zu übernehmen – Emi Albrecht vom Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) Stamm Lechrain aus Epfach bei Landsberg am Lech.
„Pfadfinder – das ist viel mehr als Kekse verkaufen“
Wenn man Emi zuhört, wird schnell klar: Das klassische Bild von Pfadfindern hat mit der Realität wenig zu tun: „Ich glaube, das Bild der Pfadfinder ist oft etwas amerikanisch geprägt. Vielleicht wie Tick, Trick und Track, die irgendwie Kekse verkaufen und Abzeichen sammeln oder so, das ist aber ein sehr falsches Bild.“
Tatsächlich steckt dahinter etwas ganz anderes – nämlich Gemeinschaft, Zusammenhalt und Selbstverantwortung. Emi erklärt: „Pfadfinderei kommt eigentlich daher, dass man viel in der Gemeinschaft zusammen macht. Das berühmte Sprichwort 'Learning by doing' kommt daher, dass man sich in einem sicheren Rahmen ausprobieren kann.“
Schon mit 15 hat sie angefangen, Gruppenstunden zu leiten. Heute, mit 19, betreut sie regelmäßig Kinder und Jugendliche und bringt ihnen spielerisch Werte wie Teamgeist und Verantwortung bei.
Jugend leitet Jugend – und das mit Begeisterung
„Ich bin gerade mal 19 Jahre alt und mache seit nun schon vier Jahren Gruppenleitung. Und das ist bei uns ganz normal, dass Jugendliche für Jugendliche Gruppenstunden machen, Verantwortung übernehmen.“, sagt sie. Dieses Prinzip ist Kern des Pfadfinder-Gedankens – und Emi lebt es mit Leidenschaft.
Jeden Freitag von 15:30 bis 17:00 Uhr trifft sie sich mit ihrer Gruppe: „Wir machen dort viele Spiele, bauen irgendwas, basteln irgendwas, machen einfach alles, worauf die Gruppe Lust hat.“
Diese Leichtigkeit, gepaart mit Verantwortung, ist das Besondere an der Pfadfinderarbeit – hier können Kinder und Jugendliche wachsen, ausprobieren und Vertrauen lernen.
„Ich war mit 50.000 Pfadfindern in Südkorea“ – Freundschaft kennt keine Grenzen
Pfadfinderei bedeutet für Emi weit mehr als Gruppennachmittage und Lagerfeuer. Es ist eine Bewegung, die Menschen auf der ganzen Welt verbindet: „Ich war vor zwei Jahren in Südkorea auf dem Weltpfadfinderlager, gemeinsam mit über 50.000 Pfadfindern auf einem Zeltplatz und habe dort viele Menschen aus anderen Ländern kennengelernt.“ – inklusive natürlich deren Kulturkreisen und Lebensart.
Was sie daran so fasziniert? „Ich glaube, das ist eine der tollsten Sachen an den Pfadfindern, dass man eben wirklich Freunde auf der ganzen Welt hat.“, sagt sie.
Diese Begegnungen, erzählt sie, haben sie geprägt – sie haben ihr gezeigt, wie selbstverständlich Frieden, Respekt und Freundschaft gelebt werden können, wenn man offen aufeinander zugeht.
Alles ehrenamtlich – und alles mit Herz
„Unser Engagement ist komplett ehrenamtlich. Ich bin auch noch Kassier bei uns im Stamm. Mein Bruder ist Teil des Vorstands bei uns im Verein. Das läuft alles komplett ehrenamtlich. Und wir haben alle sehr viel Spaß dabei.“, erklärt sie. Ob Gruppenstunden, Freizeiten oder Ferienaktionen – hinter allem steckt Engagement, Organisation und unzählige Stunden freiwilliger Arbeit.
Doch für Emi ist es keine Last, sondern eine Bereicherung: „Ich bin der tiefen Überzeugung, dass Pfadfinderarbeit eine der tollsten Jugendarbeiten ist, weil man ohne Druck sich selbst austesten, Verantwortung übernehmen kann und extrem viele Möglichkeiten bekommt.“
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„Es ist ein tolles Gefühl, wenn man den Kindern was mitgeben kann“
Besonders stolz ist Emi auf ihre Schützlinge: „Es ist immer ein tolles Gefühl, wenn man den Kindern und Jugendlichen etwas mitgeben kann für die Zukunft und sie irgendwie daraus lernen.“
Sie erzählt, wie sie miterlebt, wie „ihre“ Kinder: „immer älter werden, immer mehr Verantwortung tragen und total darin aufgehen.“ Für sie ist das der schönste Lohn ihrer Arbeit: zu sehen, wie junge Menschen über sich hinauswachsen – so wie sie selbst es einst getan hat.
Werte, die bleiben – und eine Bitte an die Gesellschaft
Die Pfadfinderinnen und Pfadfinder setzen auf Werte, die in unserer hektischen Zeit oft in den Hintergrund geraten: Gemeinschaft, Verantwortung, Freundschaft, Frieden. Emis Wünsche für die Zukunft sind ganz einfach:
„Ich würde mir definitiv wünschen, dass mehr Leute davon erfahren, mehr Leute das mitbekommen, weil ich glaube, dass es eine der tollsten Jugendarbeiten überhaupt ist. Das Pfadfindertum ist eine der wertvollsten Friedensarbeiten.“ Und sie fügt hinzu: „Ich hoffe, dass dieser Friedensgedanke immer weitergegeben werden kann.“
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Mitmachen? Ganz einfach!
Wer jetzt Lust bekommen hat sich selbst zu engagieren, oder die eigenen Kinder auf den Weg der Pfadfinder schicken möchte, kann sich direkt melden:
„Wir haben eine Website, sind unter www.vcp-lechrain.de erreichbar. Alternativ kann man auch einfach direkt eine Email an info@vcp-lechrain.de schicken. Und wir sind auch auf Instagram und Facebook aktiv.“ – also einfach vorbeischauen.
Ein Beispiel für gelebtes Miteinander
Emi Albrecht zeigt, wie lebendig Ehrenamt sein kann – jung, fröhlich, verantwortungsvoll und zutiefst menschlich. Mit ihrem Engagement bei den Pfadfindern schenkt sie nicht nur Kindern unvergessliche Momente, sondern lebt auch vor, was Gemeinschaft wirklich bedeutet. Denn Ehrensache – das ist nicht nur ein Wort. Es ist eine Haltung. Und Menschen wie Emi Albrecht füllen sie mit Leben.
Dieser Artikel wurde erstellt mit freundlicher Unterstüzung von
