Heimat schützen statt zuschauen  

Heimat schützen statt zuschauen
 

Markus Layritz und Clemens Krafft von der Schutzgemeinschaft Ammersee

„Ehrensache“ – das ist bei Radio Oberland die Rubrik für Menschen, die unsere Heimat mitgestalten. Menschen, die Verantwortung übernehmen, Zeit schenken und dranbleiben, auch wenn es anstrengend wird. Zwei von ihnen sind Markus Layritz und Clemens Krafft von der Schutzgemeinschaft Ammersee. Was sie verbindet: die tiefe Liebe zur Natur – und der feste Wille, diese einzigartige Landschaft für kommende Generationen zu bewahren.

Ein Verein, der seit Jahrzehnten Verantwortung trägt

Die Schutzgemeinschaft Ammersee ist kein junger Verein. Gegründet 1977, blickt sie auf fast fünf Jahrzehnte Naturschutzgeschichte zurück. Heute betreut der Verein rund 510 Hektar wertvoller Landschaft – Wiesen, Moore, Brutgebiete. Eine Aufgabe, die man kaum ermessen kann.

Was bedeutet dieses Ehrenamt eigentlich?

Die Arbeit der Schutzgemeinschaft Ammersee ist bodenständig – und gleichzeitig hochkomplex. Markus Layritz erklärt: „Ziel des Vereins ist unter anderem der Erhalt bayerischer Kulturlandschaft, sowie Artenschutz und Wiesenbrüterschutz.“ Ganz konkret heißt das: Wiesen mähen, Moore pflegen, Lebensräume erhalten. Oft in Zusammenarbeit mit Landwirten, oft mit viel Muskelkraft. „Der Verein managt oder pflegt Flächen. Es sind Gebiete, die wir bewirtschaften im Sinne des Natur- und des Artenschutzes.“ 510 Hektar – das ist keine romantische Zahl, sondern eine tägliche Verpflichtung.

Wie alles begann – und warum sie geblieben sind

Bei Clemens Krafft ist die Motivation tief verwurzelt. Sein Herz schlägt seit Jahrzehnten für einen ganz bestimmten Vogel: „Ganz wichtig ist natürlich unser Wappenvogel, der bei uns im Vereinswappen abgebildet ist, das ist die Flussseeschwalbe.“ Seit 1982 betreut er deren Kolonie am Ammersee. Eine Aufgabe, die Geduld, Fachwissen und Durchhaltevermögen verlangt. Markus Layritz kam über seinen Beruf zum Ehrenamt: „Ich hab ja Landschaftspflege studiert… und hab dann später partiell an Naturschutzbehörden gearbeitet.“ Der entscheidende Moment: „Das Ammerhochwasser 1999, da bin ich mit dem Verein in Kontakt gekommen. Die Schutzgemeinschaft hat da sehr konkret an der Umsetzung von Maßnahmen gearbeitet.“ Nicht reden, sondern machen – das ist sein Antrieb.

Zwischen Gänsehaut und Gaudi: Warum sie das alles tun

Es sind die besonderen Momente draußen, die Kraft geben. Markus Layritz beschreibt sie mit spürbarer Begeisterung: „Wenn du einfach in den Flächen drin stehst, das ist einfach irre.“ Und er wird ganz ehrlich: „Es macht einfach total Spaß.“ Clemens Krafft findet seinen Ausgleich in der Stille der Landschaft: „Wir haben Grundstücke, da bist du ganz alleine und da kannst du die frische Luft einatmen und genießen.“ Für ihn ist klar: „Ohne unsere Hilfe würde das alles über den Jordan gehen und das wollen wir einfach nicht.“

Der Fischadler – Hoffnung, Stolz und Rückschläge

Ein emotionaler Höhepunkt der letzten Jahre war die Rückkehr des Fischadlers. Clemens Krafft erinnert sich: „Das war wirklich was ganz Besonderes.“ Nach über 150 Jahren brütete der Fischadler wieder erfolgreich am Ammersee. Zwei Jungtiere – ein Naturwunder. Doch die Freude war zerbrechlich. Wassersport, Störungen, fehlende Rücksicht. „Einige sehen nur ihren eigenen Erholungswert und da interessiert ein Fischadler nicht.“ Trotzdem geben sie nicht auf. „Wir wollen unbedingt verhindern, dass die Bruttradition mal abreißt.“

Gemeinschaft statt Einzelkämpfer

Eines wird im Gespräch immer wieder deutlich: Dieses Ehrenamt funktioniert nur gemeinsam. Clemens Krafft sagt klar: „Wenn du kein funktionierendes Team hast wird’s schwierig… alleine könnten wir die Flächen gar nicht bewirtschaften.“ Auch die stillen Helfer im Hintergrund werden nicht vergessen: „Karl Bregler. Das ist unser Obermähspezialist, unser Traktorist… das ist wirklich einmalig, was der Karl leistet.“

Zwischen Bürokratie und Idealismus

Natürlich ist nicht alles idyllisch. Förderanträge, Regularien, Papierberge. Markus Layritz spricht offen aus, was viele Ehrenamtliche fühlen: „Manchmal denke ich mir schon, ein bisschen unkomplizierter könnte es eigentlich schon sein.“ Aber aufhören ist keine Option. Bei der Schutzgemeinschaft Ammersee bleibt der Fokus auf dem Machbaren – und auf den kleinen Erfolgen.

 

 

Ein Blick nach vorne: Hoffnung braucht Menschen

Die größte Sorge: der Nachwuchs. „Das ist mäßig, das ist einfach grundsätzlich schwierig.“, sagt Markus Layritz ehrlich. Doch es gibt neue Wege: Social Media, Mitmachaktionen, persönliche Ansprache. Und einen ganz konkreten Aufruf: „Wir würden uns freuen, wenn sich jemand meldet.“

Ehrensache Ammersee – ein stilles Versprechen

Was Markus Layritz, Clemens Krafft und ihre Kollegen leisten, ist mehr als Naturschutz. Es ist ein Versprechen an die Zukunft. Ein Beweis dafür, dass Engagement zählt – auch im Kleinen. Oder, wie Clemens Krafft es selbst sagt: „Nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern anpacken und schauen, dass man was erhält.“ Eine echte Ehrensache. Und vielleicht eine Einladung an uns alle, darüber nachzudenken, wo wir selbst anpacken könnten.

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