Wenn Engel im Verborgenen wirken
Angelika Flock und Sabine Hermann von den „Verborgenen Engel“ aus Weilheim
Es sind oft nicht die großen Schlagzeilen, die unsere Region zusammenhalten. Es sind die stillen Taten, die leisen Gesten – und Menschen, die helfen, ohne gesehen werden zu wollen. Genau diesen Menschen widmet Radio Oberland seine Serie „Ehrensache“. Heute erzählen wir die Geschichte von zwei Frauen, die seit vielen Jahren genau das tun: helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Angelika Flock und Sabine Hermann aus Weilheim – die „Verborgenen Engel“.
![]()
Zwei Frauen, ein großes Herz
Seit über 20 Jahren engagieren sich Angelika Flock – von allen nur Angie genannt – und Sabine Hermann ehrenamtlich für Kinder und Familien, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Ihr Engagement ist leise und zutiefst menschlich. „Also eigentlich sind es zum Großteil wirklich wir beide“, sagt Sabine ganz nüchtern – und doch steckt hinter diesen Worten eine Leistung, die kaum zu fassen ist.
Hilfe, die ankommt – das ganze Jahr über
Was machen die Verborgenen Engel (Weilheim) eigentlich? In einfachen Worten: Sie helfen dort, wo andere Hilfssysteme nicht mehr greifen. Sabine beschreibt ihre Herzensangelegenheit so:
„Sie, also die verborgenen Engel arbeiten schon seit 20 Jahren und sie wollen einfach ganz besonders zu Weihnachten etwas Freude in Familien bringen, zu Kindern, zu Eltern eben, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Das ist eben unser Antrieb, unser Herzblut.“ – natürlich gibt es in Deutschland soziale Sicherungen, aber es gibt auch Fälle, wo diese schlicht nicht greifen. Und da kommen die „Verborgenen Engel“ ins Spiel. Sie machen Dinge möglich, die wegen eines zu schmalen Geldbeutels nicht möglich wären. Speziell zu Weihnachten ist die Arbeit viel und facettenreich. Da schaffen es Angie und Sabine auch nicht mehr nur zu zweit, da steht ihnen die „Engelarmada“ helfend zur Seite. Doch ihre Arbeit beschränkt sich nicht nur auf die Weihnachtszeit. Angie erklärt: „Wir helfen das ganze Jahr über. Also nicht nur an Weihnachten, sondern wir haben das ganze Jahr Aktionen. Unsere Schulranzenaktion zum Beispiel. Wir helfen auch wenn Kinder z.B. Therapiestunden brauchen, die nicht bezahlt werden und und und.“ – die Möglichkeiten sind vielfältig, genau wie die Wunschzettel, die bei den Beiden ankommen. Besonders am Herzen liegen ihnen Familien, „die durch‘s soziale Netz rauschen“. Angie bringt es auf den Punkt: „Familien, die im sozialen Netz aufgefangen wurden, bekommen ja schon etliches an Unterstützung. Aber wenn die jetzt z.B. 50 € mehr verdienen und über Bürgergeld und alles drüber sind, dann wird es in diesen Familien trotzdem schwer mit Geschenken. Und da kommen dann wir sehr gerne und versuchen dort ein bisschen schwierige Situationen zu lindern.“ – das deutsche soziale Netz passt eben nicht für jeden Einzelfall. Und wo es Lücken hat, da fangen die verborgenen Engel die Menschen, die Kinder auf. Still, meist anonym, aus Herzenswärme engagiert.
Wie alles begann – 18 Kinder und eine klare Entscheidung
Der Anfang der verborgenen Engel war unspektakulär – und genau deshalb so bewegend. Angie erinnert sich: „Damals, das war vor 20 Jahren, kam eine Leitung eines großen Kindergartens in Weilheim auf uns zu und meinte, es gäbe immer wieder mal Kinder, die zu Weihnachten so gut wie gar nichts bekommen, verbunden mit der Frage, ob wir da helfen könnten.“ Damals waren es 18 Kinder. „Und dann haben wir gesagt: Na klar, machen wir doch“, erzählt Angie. „Und so ist es einfach entstanden. Es kam auf uns zu. Wir haben Handlungsbedarf gesehen und zugepackt – mittlerweile schon seit 20 Jahren.“
Freundschaft als Fundament
Angelika und Sabine verbindet nicht nur ihr Ehrenamt, sondern eine jahrzehntelange Freundschaft. Sabine sagt: „Wir kennen uns jetzt schon über 30 Jahre, sind sehr gute Freundinnen und auch bei den verborgenen Engeln einfach ein eingespieltes Team.“ Diese Verbundenheit macht ihre Arbeit so besonders – und so effektiv. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, auf Augenhöhe, mit Vertrauen, Respekt und jeder Menge Erfahrung.
Wenn Kinderwünsche Herzen berühren
Besonders zur Weihnachtszeit wird ihre Arbeit sichtbar. Über 220 Wunschzettel von Kindern landen jedes Jahr bei den verborgenen Engeln. Geschrieben und liebevoll gemalt von Kindern u.a. aus Weilheimer Kindergärten. Diese Wunschzettel werden dort gesammelt und gehen dann an Sabine und Angie. Die Mädchen und Buben wissen dabei nicht, wer die verborgenen Engel wirklich sind. Was drin steht, ist oft bescheiden – und gerade deshalb so berührend: Barbiepuppen, Glitzerstifte, ein Puppenwagen oder Schlittschuhe. Wünsche, die für viele selbstverständlich sind, für andere unerreichbar. Und keiner dieser Wünsche bleibt unerfüllt. Sabine sagt klar: „Alle Wünsche werden ernst genommen.“ Und weiter: „Bei uns wird kein Kind irgendwo stehen gelassen!“ – der Hintergrund ist oft ein Alltag, der Familien an die Armutsgrenze treibt. Das eigene Budget reicht gerade so, um für Essen, Kleidung und weitere Dinge des täglichen Bedarfs zu sorgen. Aber mehr ist dank der steigenden Lebenshaltungskosten nicht möglich. Ein Problem, dessen Entwicklung Angie und Sabine mit Sorge betrachten. Miete, Lebenshaltungskosten und dann?
Mehr als Geschenke – es geht um Würde und Chancengleichheit
Ein besonderes Projekt ist die Schulranzen-Aktion. Sabine erklärt: „Also ein neuer Schulranzen mit einem Federmäppchen und einem Sportbeutel kostet an die 300 €. Aber da sind wir noch nicht fertig. Hefte, Blöcke, Mappen, Stifte – eine notwendige Grundausstattung zum Schulstart kostet eine Menge Geld.“ Am Ende kommen nicht selten rund 400 € zusammen – eine Summe, die viele Familien nicht stemmen können. Umso wichtiger ist den verborgenen Engeln eines: „Die betroffenen Kinder sollen sich auch einen Schulranzen aussuchen können, der ihnen gefällt. Wir haben da keine Resterampe mit alten Schulranzen, es geht um Chancengleichheit um Würde. Uns liegt unglaublich am Herzen, dass der Start passt. Denn wenn ein Kind in die Schule kommt, ist das ja ein ganz neuer und besonderer Start ins Leben hinein.“

Leuchtende Augen – das, was trägt
Was gibt ihnen die Kraft, all das seit zwei Jahrzehnten zu stemmen? Angie findet dafür klare Worte: „Es ist natürlich genau das, was trägt: Also es ist das Schönste, wenn wir Kinderaugen leuchten sehen dürfen.“ Oft erleben sie die Dankbarkeit nur indirekt – über gemalte Bilder oder Briefe. „Und das sind natürlich dann Highlights. Das freut uns dann wahnsinnig“, erzählt Angie mit viel Freude in ihrer Stimme.
Ein Wunsch, der bleibt
Manche Wünsche vergisst man nie. Sabine erzählt von einem Mädchen, das sich „einen Fisch für ihr Aquarium und eine Rose für die Mama“ gewünscht hat. „Und dieser Wunsch der ist bei uns immer noch im Herzen. Es war einfach so schön.“ – auch wenn die Erfüllung richtig schnell gehen musste. Logischerweise mögen weder Fische noch Rosen die Kälte im Winter

Wünsche für die Zukunft
Was wünschen sich die Verborgenen Engel selbst? Sabine sagt: „Also, was wir uns wünschen würden ist, dass es so weitergeht, dass wir nächstes Jahr auch noch zusammen arbeiten und Kinder unterstützen können.“ Angie ergänzt – ehrlich und berührend: „Aber ganz ehrlich, ich würde mir auch wünschen, dass wir nächstes Jahr nicht mehr 220 Kinder beschenken (müssen), sondern vielleicht nur noch 50 oder noch weniger.“ – nicht, weil sie nicht gerne helfen, sondern weil das einen Rückgang an Armut bedeuten würde.
Ehrensache – und ein stiller Appell
Angelika Flock und Sabine Hermann zeigen, was Ehrenamt im Oberland bedeuten kann: Verantwortung übernehmen, hinschauen, handeln. Ohne großes Aufsehen. Ohne Eigennutz. Einfach aus vollem Herzen. Vielleicht ist genau das die größte Inspiration: Dass jede und jeder von uns ein „verborgener Engel“ sein kann.
Dieser Artikel wurde erstellt mit freundlicher Unterstüzung von
