Ein Herz für Wildtiere und Findelkätzchen
Heidi Rothwinkler aus Paterzell
Eine Frau. Ein Garten. Und ganz viel Herz.
Heidi Rothwinkler lebt in Paterzell. Wer an ihrem Haus vorbeigeht, ahnt nicht sofort, was sich hinter der Gartentür abspielt. Doch hier, auf diesem liebevoll gestalteten Grundstück mit zwei kleinen Hütten und einem separaten Raum für Katzen, passiert Tag für Tag etwas ganz Besonderes: Heidi nimmt Tiere auf, die niemanden mehr haben. Findelkätzchen, verletzte Vögel, mutterlose Rehkitze – und sogar eine kleine Hirschkuh war schon dabei.
„Ich bin die Heidi Rothwinkler, ehrenamtlich engagiert für Wildtiere und Katzen, die man so findet, um sie aufzupäppeln oder Katzen wieder an ihren Ort zu bringen, wenn sie sich verlaufen haben“, erzählt sie im Gespräch mit Radio Oberland. Ihre Stimme ist ruhig, klar – aber was sie sagt, geht unter die Haut.
Kein Tierheim. Sondern ein Zuhause auf Zeit.
Was Heidi macht, ist kein offizieller Tierheimbetrieb – es ist gelebte Tierliebe. Ganz privat, ganz persönlich. „Ich bin kein Tierheim, sondern einfach nur am Helfen interessiert. Ich habe eine Wohnung mit einem großen Garten und zwei Hütten, wo ich die Tiere unterbringen kann und die Kätzchen kommen in einen separaten Raum.“ Ihr Handy klingelt fast täglich – irgendjemand hat ein verletztes Tier gefunden und weiß: Heidi hilft.

Hochsaison im Sommer
Gerade in den wärmeren Monaten ist viel los. Stürme fegen durch die Bäume, Jungvögel fallen aus dem Nest, Wildunfälle reißen Mütter von ihren Kitzen. Dann schlägt Heidis Stunde. Aktuell leben bei ihr vier Rehkitze und einige Vögel. „Mei, ein kleiner Vogel braucht nicht viel Platz. Da habe ich so kleine Behälter und auch eine Voliere, wo sie dann raus dürfen, wenn sie flattern können.“
Von Kindheit an tierverliebt
Dass Tiere einen so großen Platz in ihrem Leben einnehmen würden, war Heidi schon als Kind klar.
„Das habe ich schon als Kind gehabt, dass ich in den Kuhstall gegangen bin, um zu sehen, was da gemacht wird, wenn Kälbchen da waren. Ich fand es schon immer faszinierend, wenn kleine Kätzchen plötzlich im Heu lagen.“ Sogar die Mäuse im Hühnerstall rührten sie: „Das war so putzig und mein Herz war von Anfang an für die Tiere weit und groß.“
Liebe kostet – auch finanziell
Ehrenamt bedeutet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Die Versorgung der Tiere ist aufwändig – Futter, Tierarzt, Medikamente. Anfangs kam Hilfe selten: „Am Anfang haben die Leute nur die Tiere gebracht, abgegeben, Dankeschön und auf Wiedersehen.“
Doch das hat sich geändert: „Mittlerweile haben die Menschen mitbekommen, dass das ja was kostet und dann fragen sie schon manchmal, ob sie was spenden dürfen.“
Wie viel sie monatlich ausgibt? Das lässt sich kaum sagen. „Ich kauf die Sachen immer schon vorher ein, damit ich die da habe, denn die Tiere haben ja unterschiedliche Bedürfnisse.“
Ziegenmilch für Rehkitze
Ein Rehkitz großzuziehen ist eine Kunst – und keine ungefährliche: „Man kann ein Rehkitz mit falschem Futter tatsächlich umbringen. Man darf z.B. keine kalte Milch geben, die braucht eine ganz bestimmte Temperatur.“
Deshalb friert Heidi Ziegenmilch ein – zur Sicherheit, falls wieder eines dieser zarten Wesen (nachts) gebracht wird.
Wenn es dann trinkt, ist das für Heidi ein Gänsehaut-Moment:
„Das ist wie Gänsehaut, die man bei guter Musik hat, um zu entspannen. Einfach herzerwärmend, wenn sie einen dann mit großen Äuglein anschauen und ich merke: Schluck für Schluck geht jetzt was rein.“
Berufliche Erfahrung hilft
Heidi ist keine Tierärztin – aber sie hat viel gelernt:
„Ich habe sehr lange als Quereinsteigerin bei zwei verschiedenen Tierärzten gearbeitet und da konnte ich auch alles, was ich für Tiere empfinde, freilegen.“
Diese Erfahrung hilft ihr bis heute – bei der Einschätzung von Krankheiten, beim Umgang mit verängstigten Tieren und bei der Pflege.
Unvergessliche Momente
Ein Erlebnis hat sich besonders eingebrannt: „Da bekam ich aus Garmisch tatsächlich mal ein kleines Hirschlein, eine Hirschkuh. Die war wahnsinnig anhänglich, wie ein Hund neben mir.“ Die gute Nachricht: Sie lebt heute sicher und hat sogar schon gekalbt. Wo? „Ich weiß, wo sie ist. Aber ich sage es nicht, denn der Besitzer ihres neuen Zuhauses möchte natürlich keine Besucher haben.“
Abschied mit Weitblick
Die Tiere bleiben nicht ewig – das ist die Regel. Und Heidi weiß: Sie müssen wieder zurück in die Natur:
„Zum Beispiel die Rehe, denen zeige ich den Wald, der ist gleich angrenzend bei mir. Und wenn ich zurückgehe mit ihnen, dann mache ich deren Mutterstimme nach, dann kommen sie auch, gehen wirklich fast bei Fuß.“
Der Abschied geschieht langsam – so, wie die Tiere es brauchen.
Bei Katzen hingegen fällt der Abschied manchmal schwerer: „Die kuscheln halt mit einem! Man hat einfach mehr Beziehung, vor allen Dingen, wenn sie dann auch noch schwer krank waren. Da kann es schon sein, dass man so ein bisschen Stimmungsschwankungen hat.“, gibt Heidi zu.
Unterstützung ist willkommen
Zum Glück ist Heidi nicht ganz allein: „Ich werde von der Tierhilfe Oberland unterstützt. Den Rest muss ich selbst aufbringen.“
Futterspenden? Sehr willkommen! „Zurzeit habe ich einen kleinen Schwan zu Hause, der nicht mehr laufen kann. Für ihn habe ich extra Futterpellets gekauft.“, Hunde- und Katzenfutter, Milch für Rehkitze, Vogelfutter. Heidi braucht viel Verschiedenes.
Ein Wunsch für die Zukunft
Heidis Engagement endet nicht morgen, auch nicht übermorgen. „Solange ich gehen und atmen kann, solange werde ich das machen.“
Und wenn sie sich etwas wünschen könnte? Dann das: „Mehr Respekt vor Menschen und vor Tieren. Dann kann eigentlich nichts mehr passieren.“
Was das konkret heißt? „Dass man die Tiere da lässt, wo sie sich wohlfühlen. Dass man sie nicht überall vertreibt und schon den Kindern beibringt, dass man nicht überall drauf treten muss, was am Boden ist.“, sagt sie.
Heidi Rothwinkler: Ein Leben für Tiere
Was Heidi in Paterzell und für das Oberland leistet, ist still, unsichtbar – und doch von unschätzbarem Wert. Sie steht stellvertretend für viele Ehrenamtliche im Oberland, die sich nicht in den Vordergrund drängen, sondern einfach machen.
Für sie ist es keine Arbeit, sondern Herzenssache. Oder, wie sie selbst sagt:
„Das ist herzerwärmend.“
Kontakt & Unterstützung:
Wer Heidi Rothwinkler unterstützen möchte – mit Futter, Sachspenden oder durch einfaches Weitersagen – findet sie in Paterzell oder über die Tierhilfe Oberland. Ihre Telefonnummer ist im Ort bekannt und sie freut sich über jede helfende Hand.
Dieser Artikel wurde erstellt mit freundlicher Unterstüzung von
