Lebensretter aus Leidenschaft  

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Hubert Heimisch und Klaus Heidl von der Wasserwacht Kochel

Miteinander stark – das Herz schlägt für das Ehrenamt

Wenn Hubert Heimisch über seine Arbeit bei der Wasserwacht Kochel spricht, dann klingt da vor allem eines mit: Leidenschaft. Gemeinsam mit seinem langjährigen Mitstreiter Klaus Heidl engagiert er sich ehrenamtlich für die Sicherheit am und im Wasser – am Kochelsee und weit darüber hinaus. Und das mit einer Begeisterung, die ansteckt. Im Gespräch geben die beiden Einblicke in ihre Welt zwischen Rettungseinsätzen, Nachwuchsarbeit und Teamgeist.

Handwerker und IT-Profi – im Herzen Wasserwachtler

Hubert ist 43 Jahre alt und beruflich selbstständig: „Ich baue für große Schreinereien Villen aus.“ Trotzdem investiert er unzählige Stunden in das Ehrenamt. Warum? „Das ist eine Herzensangelegenheit.“ Ähnlich bei Klaus, der hauptberuflich als freiberuflicher IT-Berater für einen großen Finanzdienstleister arbeitet. Die Wasserwacht ist für beide mehr als ein Hobby. Es ist Berufung.

Über 200 Mitglieder – und jeder zählt

„Insgesamt sind wir aktuell knapp 200 Mitglieder. Davon sind aktiv um die 33 bis 36 und insgesamt 58 Jugendliche haben wir, im Alter von 8 bis 16 Jahre“, erzählt Hubert. Aktive Wasserwachtler – das sind diejenigen, „die zu Einsätzen fahren, die beim Seedienst dabei sind, die Ausbildungen und Veranstaltungen begleiten und eigentlich immer kommen.“

Der Mittelpunkt ihres Einsatzes: die moderne Rettungsstation in der Seestraße 2, „direkt am Trimini. [...] Die Wachstation ist ein riesengroßer Neubau aus Lärchenholz. Das fällt auf.“

Von Kindesbeinen ans Wasser gewöhnt

Hubert kam über den Schwimmverein zur Wasserwacht. Nach einem Umzug nach Penzberg legte sich das Engagement – vorübergehend. Doch dann war da diese eine Jahreshauptversammlung in Kochel. „Sehr spontan“, lacht er. Und ehe er sich versah, war er wieder mittendrin: „Plötzlich war ich stellvertretender technischer Leiter.“

Klaus’ Weg begann noch früher – mit acht Jahren im Jugendrotkreuz. „Mit zwölf dann in die Wasserwacht. Natürlich. Mit 16 Jahren zur Bereitschaft, mit 18 Jahren Ersatzdienstleistender.“ Seit 1986 bekleidete er immer wieder Vorstandsposten – unter anderem 18 Jahre als Ortsvorsitzender. 

Der Tag beginnt mit der Fahne – und endet selten pünktlich

Ein Tag im Seedienst startet um 10 Uhr mit Routine: „Die Hütte startklar machen, wir hissen die Fahne, lassen das Boot zu Wasser. [...] Es gibt in den Schichten Wachleiter, quasi der Chef, der anschafft. Dann gibt es u.a. Bootsführer und einen Rettungsschwimmer.“

Klingt ruhig? Ist es selten: „Kein Tag ist gleich, es gibt immer irgendeine Überraschung.“, sind sich Hubert und Klaus einig. Dienstende wäre eigentlich um 18 Uhr – „allerdings wenn schönes Wetter ist und der See voll, dann kann sich das auch bis 20 oder 21 Uhr ziehen.“

Von Baywatch weit entfernt – und doch mit Fernglas

Fahne hissen, Wachstation besetzen, Bootsführer und Rettungsschwimmer… Klingt irgendwie nach der Kultserie aus den 90ern mit David Hasselhoff, „Baywatch“. „Das kann man allerdings kaum mit unserer Arbeit vergleichen!“, sagt Klaus lachend. „Aber tatsächlich machen wir das auch“, ergänzt Hubert. Die meiste Zeit wird vom Ufer aus beobachtet, aber auch Boots- und Fußpatrouillen gehören zum Alltag. Und wenn dann doch ein Notruf kommt, zählt jede Sekunde – denn: „Man unterschätzt das. Ganz schnell wird es speziell in Seen auf einem Schlag tief und dann stellt man fest, ich kann ja gar nicht mehr stehen oder (richtig) schwimmen. Dann ist es aber schon zu spät.“

Ernstfall Ertrinken – wenn Sekunden entscheiden

Der Eindruck aus dem Fernsehen täuscht: „Dieses Winken und Schreien, das wir von Baywatch kennen, das ist de facto nicht der Fall. [...] Man spricht vom leisen Ertrinken.“ Klaus ergänzt: „Der typische Schwimmer, der einen Ertrinkungstod erleidet, der ist, wie der Hubert sagt, ein stiller.“ – im Wasser geht einem die Kondition aus, der Kreislauf streikt, man kann egal aus welchen Gründen einfach nicht mehr. Und plötzlich geht man unter, von einer Sekunde auf die andere – ohne Lärm oder Geschrei.

Erfahrungsgemäß ist die Zahl der Einsätze zwar „mit 33 letztes Jahr“ überschaubar – aber steigend. „Das liegt halt einfach daran, dass viele Leute nicht mehr (sicher) schwimmen können.“

Ausbildung mit Tiefgang – vom Erste-Hilfe-Kurs bis zur Luftrettung

Schon die Jüngsten fangen früh an – mit Schwimmabzeichen und Erster Hilfe. Die Erwachsenen erwartet ein volles Programm: „Sanitätskurs über sechs Wochenenden [...] und dann eben in die speziellere Ausbildung wie Bootsführer, Truppführer, Wachleiter oder Rettungstaucher.“ Und ja, auch Flugretter gibt es – „die Coolsten natürlich“, wie Hubert schmunzelnd sagt. „Die werden im Hubschrauber aufgenommen [...] und am See über den Verunfallten per Seilwinde abgelassen.“



 

Gemeinsam für den Ernstfall trainieren

Training ist das A und O. „Rausschwimmen zu dem, der Hilfe braucht, dann möglicherweise der Befreiungsgriff, wenn jemand in Panik ist. Dann schleppst du den an Land, ziehst ihn raus und machst gegebenenfalls eine Herz-Lungen-Wiederbelebung“, beschreibt Klaus die kombinierte Prüfung für das Rettungsschwimmabzeichen. Ein körperlich und mental forderndes Programm – aber eines, das Leben rettet.

Appell an die Kommunalpolitik: Schwimmen muss bleiben

Zum Schluss wird es ernst: Das Ehrenamt braucht Unterstützung. „Wenn die Seen und die Berge nicht von uns oder der Bergwacht überwacht werden, oder Feuer nicht gelöscht werden, weil die Feuerwehr nicht kommt, wäre das tragisch.“ Und Hubert Heimisch wird deutlich: „Schwimmbäder werden immer weniger, damit auch die Möglichkeiten für Schwimmkurse  – das ist das größte Problem.“

Klaus Heidl ergänzt aus Sicht der Wasserwacht: „Wir sind angewiesen auf Trainingszeiten in einem Schwimmbad. Aber wo bekommt man Trainingszeiten zugesagt – und das am besten auch kostenlos, wenn die Bäder weniger werden?“ – ein strukturelles Problem nicht nur für das Oberland. 

Ein Dank von Herzen

Zum Abschluss richten Hubert und Klaus ihren Dank an alle, die sich engagieren: „Ein herzliches Dankeschön an alle Ehrenamtlichen, die in unserem Land tätig sind. Spitze. Ihr macht einen super Job.“

Das finden wir auch. Und sagen: Danke, Hubert. Danke, Klaus. Danke, Wasserwacht Kochel.

Teamgeist, der bleibt – und willkommen heißt

Das Miteinander ist das Rückgrat der Wasserwacht Kochel. „Wir sind ein echt cooler Haufen und halten alle brutal zusammen“, sagt Hubert. Und sie freuen sich über Verstärkung: „Wer Lust hat. Meldet‘s euch bei uns.“ Wie? „Gerne bei der Wachstation vorbeikommen oder ihr schaut online. Einfach Wasserwacht Kochel googlen, fertig.“

Kontakt: 

Hubert Heimisch

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Klaus Heidl

E-Mail

Mehr über die Wasserwacht Kochel:

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