Mit Herz und Händen für die Republik Moldau
Eva Wiesendanger vom Verein Menschen helfen e.V.
Ein halbes Leben für den guten Zweck
Eva Wiesendanger ist 27 Jahre alt. Die Grundschullehrerin aus Seehausen engagiert sich bereits seit ihrer Kindheit für den Verein Menschen helfen e.V. – ein Herzensprojekt, das weit über das Oberland hinauswirkt. Seit sie 13 war, arbeitet sie offiziell mit – doch ihre Verbindung zum Ehrenamt reicht noch weiter zurück.
„Eigentlich bin ich schon seit meiner Geburt dabei, weil ich über meine Eltern zum Verein gekommen bin, welche auch schon mitgearbeitet haben und ich somit seit klein auf immer auf dem Gelände des Kulturknall-Festivals war, welches ja von Menschen helfen e.V. organisiert wird“, erzählt Eva mit einem Lächeln.
Familie, Festival, Fürsorge
Der Verein Menschen helfen e.V. steht nicht nur für (internationale) Hilfe, sondern auch für gelebte Gemeinschaft. Das Herzstück ist das jährlich stattfindende Kulturknall-Festival – ein Benefizevent, das durch Musik, Kunst, Kulinarik und ein buntes Kinderprogramm Spenden sammelt.
„Ich liebe den Kulturknall und ich denke, es geht jedem so. Also Menschen helfen e.V. ist nicht nur ein Verein, wo man mitmacht. Es ist irgendwie eine kleine Familie“, beschreibt Eva die Atmosphäre. „Alle, die mitmachen, mögen sich, verstehen sich untereinander. Wir haben von klein bis groß alle dabei. So kann ich sagen, meine Kinder sind dabei und immer mit auf dem Gelände. Genauso wie meine Oma, die sich mit ums Helfer-Catering kümmert.“

Vom Bierkasten zur Bildung
Die Spendenerlöse des Festivals fließen in lokale Hilfsprojekte – etwa wenn in der Nachbarschaft jemand schnell Hilfe braucht – aber auch in ein Kinderzentrum in der Republik Moldau. Dort wird Bildung ermöglicht, Lebensqualität verbessert und Hoffnung geschenkt.
„Ich war erst im Mai in Moldawien. Es war wirklich beeindruckend. Also die Kinder, die Eltern, die Großeltern, die man getroffen hat, die sich bei einem bedankt haben, was man für sie tut. Da ist es gleich noch mal was anderes. Wenn man dann auf einem Festival einen Bierkasten von einem Ende zum anderen schleppt, weil der von der einen Bar zur anderen muss und man sich in dem Moment denkt: Oh, warum tue ich das? Dann weiß man das in dem Moment wieder ganz genau, dass jede Arbeit, ob Toilettenputzen oder Bierkisten tragen, eindeutig die Mühe wert ist.“
Eine Brücke zwischen zwei Welten
Dank eines Partnervereins vor Ort – Pro Humidas in der Hauptstadt Chișinău – kann die Hilfe gezielt ankommen. Eva und ihre Mitstreiter besuchen das Kinderzentrum regelmäßig, um nicht nur zu sehen, was aus den Spenden geworden ist, sondern vor allem, um Beziehungen aufzubauen.
„Man hat wirklich gesehen, dass das Geld da ankommt wo es gebraucht wird und auch, dass die Leute dankbar sind und sich freuen: Hey, da kommt auch wirklich jemand vorbei. Also nicht nur dieses: Wow, wir haben Spenden bekommen, wir haben jetzt einen Sportplatz, die Kinder können wirklich was erreichen irgendwann – sondern auch dieses: Wow, da ist wirklich einfach mal jemand gekommen, der uns sehen wollte, der Interesse an uns hat.“
Dankbarkeit, die unter die Haut geht
Das Kinderzentrum bietet weit mehr als einen sicheren Ort. Die Kinder lernen Englisch, arbeiten mit Holz, nähen eigene Taschen – sogar ein Musical wurde für die Besucher aus dem Oberland einstudiert.
„Es war wirklich toll. Wir haben die Klassenräume sehen dürfen, man konnte sehen, was es den Kindern bringt. Wir durften bei Unterrichtsstunden reinschnuppern, wo die Kids lernen mit Holz zu arbeiten. Oder wir haben von den Kindern kleine Taschen geschenkt bekommen, die sie selber genäht haben – mit den Nähmaschinen, die wir gespendet hatten.“
Wenn Fußballtrikots zu Schätzen werden
Die Wünsche der Kinder in Moldawien unterscheiden sich deutlich von denen hierzulande, wie Eva betont. Als Lehrerin kennt sie die Wunschlisten kurz vor Weihnachten. „Hier sind das dann iPads und Handys, große Spielsachen“, sagt sie. „Und dort freuen sich die Kinder, dass es einen Fußballplatz gibt, dass sie ein schon mal getragenes Fußballtrikot tragen dürfen, dass sie die Möglichkeit haben, was zu basteln, Englisch zu lernen, dass wir Lehrer bezahlen.“
Die Kinder begegnen den Helferinnen und Helfern mit Respekt, Offenheit und berührender Dankbarkeit.
Was Ehrenamt wirklich bedeutet
Ehrenamt bedeutet Zeit. Und davon investiert Eva viel – bis zu 40 Stunden pro Woche in der heißen Phase vor dem Kulturknall - Festival. Neben ihrem Vollzeitjob als Lehrerin ist das eine enorme Leistung. Trotz aller Herausforderungen empfindet Eva ihre Arbeit nicht als Belastung. Im Gegenteil: „Ich habe es immer schon gerne gemacht, aber wenn man entsprechende Wertschätzung spürt, dann weiß man ganz genau: Also bei Menschen helfen e.V. bleibe ich noch viel viel länger. Und das Kulturfestival organisiere ich auch noch ein paar Jahrzehnte.“, lacht sie.
Ein Wunsch für die Zukunft
Am Ende unseres Gesprächs haben wir Eva nach ihren Wünschen für die Zukunft gefragt. Ihre Antwort ist so bescheiden wie kraftvoll:
„Ich wünsche mir, glaube ich, einfach, dass es so bleibt, wie es ist. Also nicht, dass alles stagniert, sondern dass es gerne noch wächst. Aber dass es weiterhin so ein Miteinander bleibt mit den Helfern und einfach unser einzigartiges Kulturknall - Festival. Und ja, dass wir noch viele weitere Leute dafür gewinnen können, die sich freuen, dabei zu sein, sich ehrenamtlich zu engagieren damit wir weiter Menschen helfen können.“
Nachwuchs gesucht: Mithelfen erwünscht
Natürlich ist Nachwuchsgewinnung ein wichtiges Thema – auch beim Kulturknall und Menschen helfen e.V. „Wir haben allerdings das Glück, dass viele natürlich ihre Freunde oder Geschwister mitbringen, die dann wiederum Freunde anschleppen. Aber dadurch, dass das Festival immer größer wird, wäre es einfach super wichtig, dass noch Leute dazukommen.“
Wer Lust hat, sich beim Festival oder im Verein zu engagieren, ist herzlich willkommen:
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