Interview

Marlene Nöhmeier über ihr Engagement für krebskranke Kinder

Sa. 19. September: 19.30 Uhr Volksmusik - Benefizkonzert

 

Sänger- und Musikantenhoagartn in der Bayernhalle. Marlene Nöhmeier moderiert den Abend mit bekannten Volksmusikgruppen aus dem Landkreis. Karten für 10 € gibt es beim Trachten- und Modehaus Grasegger in der Fußgängerzone Garmisch. Um Spenden für die Elterninitiative Intern 2 am Haunerschen Kinderspital in München wird gebeten.

Marlene Nöhmeier

Aus Verbundenheit wird eine Herzenssache

Wer im Oberland Volksmusik hört, kennt ihre Stimme. Seit fast drei Jahrzehnten ist Marlene Nöhmeier eng mit Radio Oberland verbunden. Ihre moderatorischen Anfänge liegen beim „Bayerischen Feierabend“. Schon dort standen Volksmusik, Brauchtum und Geschichten aus der Heimat im Mittelpunkt. Bis heute moderiert sie den „Bayerischen Frühschoppen“ und prägt damit eine Sendung, in der Volksmusik, Dialekt und regionale Kultur ihren festen Platz haben. Über viele Jahre hinweg hat sie die Volksmusiksendungen des Senders mitgeprägt und ist für viele Hörerinnen und Hörer eng mit diesem Teil des Programms verbunden. Auch heute gehört sie weiterhin zum Moderatorenteam des Frühschoppens.

Ihre Verbindung zur Volksmusik endet jedoch nicht an der Studiotür. Marlene Nöhmeier moderiert Veranstaltungen, bringt Musikgruppen und Kulturschaffende zusammen und engagiert sich für den Erhalt heimischer Traditionen. 2015 übernahm sie beispielsweise die Veranstaltungsreihe „Auf guat Boarisch“ in Garmisch-Partenkirchen. Dort treffen Volksmusik, Theater, Literatur und Kabarett aufeinander – und damit viele jener Themen, die auch ihre Arbeit im Radio seit Jahren begleiten. Doch hinter der bekannten Radiostimme steht noch eine andere Geschichte. Eine, die für Marlene Nöhmeier über viele Jahre zu einer persönlichen Herzenssache geworden ist – die Hilfe für krebskranke Kinder und ihre Familien.

Marlene Nöhmeier im Studio

 

Seit Jahrzehnten verbindet sie Volksmusik mit sozialem Engagement. Ein wichtiger Bestandteil ist der Musikanten-Hoagart’n in der Bayernhalle in Garmisch-Partenkirchen. Nöhmeier organisiert und moderiert den Benefizabend gemeinsam mit ihrer Familie. Bereits 2017 fand die Veranstaltung zum 21. Mal statt. Die beteiligten Sänger und Musikanten traten ohne Honorar auf, der Erlös ging an die Elterninitiative Intern 3 im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München. In jenem Jahr kamen 7.500 Euro zusammen.

Nur ein Jahr später wurde bereits der 24. Hoagart’n dokumentiert. Der Abend war schon Wochen zuvor ausverkauft. Gemeinsam mit zusätzlichen Spenden von Stiftungen, Vereinen und Unternehmen kamen mehr als 10.000 Euro für die Unterstützung krebskranker Kinder zusammen. Dabei liegt der besondere Charakter dieser Veranstaltungen nicht allein in der Spendensumme. Nöhmeier verbindet zwei Bereiche, die ihr wichtig sind. Auf der einen Seite stehen die Musik, das Brauchtum und die Menschen des Oberlands. Auf der anderen Seite Familien, deren Leben sich durch die Krebsdiagnose eines Kindes innerhalb kürzester Zeit grundlegend verändert.

 

 

Eine solche Erkrankung betrifft nie nur das Kind. Lange Klinikaufenthalte, Therapien und die Sorge um den Krankheitsverlauf bestimmen plötzlich den Alltag der gesamten Familie. Eltern müssen Beruf, Geschwisterkinder und Krankenhausbesuche miteinander vereinbaren. Hinzu kommen psychische und teilweise auch finanzielle Belastungen. Hilfsorganisationen unterstützen deshalb nicht nur die medizinische Versorgung, sondern unter anderem auch psychosoziale Begleitung, Familienhilfe, Elternunterkünfte, Nachsorge und Angebote, die Kindern während der Behandlung ein Stück Normalität ermöglichen.

Auch Radio Oberland wurde dabei immer wieder zur Plattform für die gute Sache. Im Advent 2020 moderierten Marlene Nöhmeier und Simon Sterzer einen sechsstündigen Frühschoppen-Spendenmarathon. Hörerinnen und Hörer aus dem gesamten Oberland konnten spenden und zugleich Musikwünsche abgeben. Unterstützt wurde erneut die Elterninitiative der Haunerschen Kinderklinik.

Damit wird das Radio zu mehr als einem Medium, das Musik und Nachrichten verbreitet. Es verbindet Menschen. Eine vertraute Stimme kann Aufmerksamkeit schaffen, Zuhörer mobilisieren und aus vielen kleinen Beiträgen konkrete Hilfe entstehen lassen.

Bei Marlene Nöhmeier zieht sich dieses Prinzip durch viele Jahre ihres Wirkens. Ihre Liebe zur Volksmusik schafft Gemeinschaft, und diese Gemeinschaft nutzt sie, um anderen etwas zurückzugeben. Dabei braucht es nicht immer große Inszenierungen. Musiker spielen ohne Gage, Besucher kaufen Eintrittskarten, Vereine und Unternehmen geben Spenden, Radiogäste wünschen sich ein Lied. Aus vielen einzelnen Gesten entsteht am Ende eine beträchtliche Unterstützung.

Vielleicht liegt darin das Besondere ihrer Herzenssache. Es geht nicht nur ums Spendensammeln. Es geht um die Überzeugung, dass Menschen füreinander Verantwortung übernehmen können – mit den Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen.

Für Marlene Nöhmeier sind diese Möglichkeiten seit vielen Jahren die Musik, das Mikrofon und ihre tiefe Verwurzelung im Oberland. Was als Engagement für krebskranke Kinder begann, ist längst Teil ihres Lebens geworden.

Und so verbindet ihre Geschichte zwei Dinge, die auf den ersten Blick weit auseinanderliegen. Einen gemütlichen Frühschoppen mit Volksmusik und die ernste Realität einer Kinderkrebsstation. Dazwischen steht eine Frau, die ihre Bekanntheit und ihre Leidenschaft dafür nutzt, Hilfe dorthin zu bringen, wo Familien sie besonders brauchen.