Kommunalwahl 2026 - in genau einem halben Jahr wird es ernst
In sechs Monaten wird gewählt im Oberland. Am 8. März 2026 entscheidet sich, wer künftig im Rathaus sitzt und wer auf dem Chef-Sessel im Landratsamt. Ein halbes Jahr vor der Kommunalwahl haben wir für euch mit Politikwissenschaftlerin Dr. Ursula Münch gesprochen, der Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing. Was den Parteien vor der Wahl zu schaffen macht, wann der Wahlkampf an Fahrt aufnehmen dürfte und warum die Kommunalwahl immer für Überraschungen gut ist, erfahrt ihr im Interview.
Die Kommunalwahl ist aktuell noch kaum Thema in der Region – woran liegt das?
Politikwissenschaftlerin Dr. Ursula Münch:
„Die Parteien haben zum Teil noch nicht mal alle Kandidatinnen und Kandidaten aufgestellt. Und ich gehe davon aus, dass das im Grunde erst im Januar dann wirklich bei uns allen im Bewusstsein ankommt, dass diese Kommunalwahlen stattfinden werden“.
Besonders dann, wenn die ersten Plakate hängen oder?
Politikwissenschaftlerin Dr. Ursula Münch:
„Weil man eben mit Namen vertraut wird, weil man Namen Gesichter zuordnen kann, und dann kommt es so langsam ins Bewusstsein, wer für welche Partei antritt. Und das zu wissen, ist ja gerade für die Kommunalwahl etwas ganz Wichtiges, wo es ja ganz stark um Personen und um Persönlichkeiten geht“.
Welche Themen werden den Wahlkampf am stärksten prägen?
Politikwissenschaftlerin Dr. Ursula Münch:
„Da spielen Verkehrs- und Infrastrukturthemen eine wichtige Rolle, durchaus auch die Schulpolitik. Und dann geht es auch um die Frage, naja, wie klappt eigentlich die Integration von Flüchtlingen vor Ort, wenn überall das Geld fehlt? Die Knappheit der Finanzen, das wird schon ein Thema sein“.
Kommunalwahlen bieten immer wieder Überraschungen – warum ist das so?
Politikwissenschaftlerin Dr. Ursula Münch:
„Weil die Leute ein neues Gesicht sehen wollen, ohne eine inhaltlich wirkliche Begründung zu haben, warum sie eigentlich mit dem Amtsinhaber unzufrieden sind. Also insofern, in Sicherheit kann sich heutzutage niemand mehr wiegen, weil da ganz schnell dann womöglich auch etwas in den digitalen Netzwerken skandalisiert wird“.
Parteien haben teilweise Schwierigkeiten Kandidierende zu finden – woran liegt das?
Politikwissenschaftlerin Dr. Ursula Münch:
„Wenn wir womöglich nicht mal zur Wahl gehen, uns nicht für die Kommunalpolitik interessieren, aber trotzdem ganz gern jemanden beschimpfen, sei es online oder manchmal auch persönlich, dann brauchen wir uns nicht wundern, wenn es irgendwann mal keine guten Stadträte, Gemeinderäte, Bürgermeister und Landräte mehr gibt“.
Wird es bei der Kommunalwahl ein ähnliches Ergebnis geben wie bei der Bundestagswahl oder greifen da andere Mechanismen?
Politikwissenschaftlerin Dr. Ursula Münch:
„Auf kommunaler Ebene sind andere Mechanismen wichtig. Also, da ist dann das Ausprobieren nicht nur mit Blick auf Personen etwas größer, sondern da wählt man unter Umständen eine ganz winzige neue Partei, eine Wählervereinigung, die es ja auf Landes- oder auf Bundesebene überhaupt nicht gibt“.