40 Jahre Artenhilfsprogramm Fledermaus - wie die Lage im Oberland ist
Seit mittlerweile 40 Jahren läuft in Bayern eine der erfolgreichsten Naturschutzmaßnahmen des Freistaats: das Artenhilfsprogramm Fledermäuse. In den 1980er-Jahren standen viele der 25 heimischen Fledermausarten kurz vor dem Aussterben. Wie die Lage im Oberland ist – haben wir für euch bei Simon Ripperger vom Landesamt für Umwelt in Erfahrung gebracht. Der Experte spricht von einer Sondersituation:
Simon Ripperger, Biologe am Landesamt für Umwelt:
„Im Oberland haben wir ja einen großen Anteil an Grünland, das heißt: es wurden eigentlich nie im großen Stil Pestizide ausgebracht und davon haben tatsächlich die Fledermäuse profitiert. Arten wie die kleine Hufeisennase oder die Wimperfledermaus konnten deswegen hier überdauern, beispielsweise in der Jachenau im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.“
Hier gibt es laut Ripperger noch eine große Kolonie der kleinen einst vom Aussterben bedrohten Hufeisennase. Sie leidet allerdings unter Sanierungen an Quartiergebäuden. Ein Positivbeispiel, wie Baupraxis und Artenschutz miteinander vereint werden kann gibt es in unserer Heimat aber auch:
Simon Ripperger, Biologe am Landesamt für Umwelt:
„Die Venus Grotte im Park vom Schloss Linderhof wurde kürzlich aufwendig saniert, gleichzeitig war das immer ein Paarungs- und Winterquartier der kleinen Hufeisennase. Der Fall hat hier jetzt gezeigt, dass auch nach der Sanierung immer noch kleine Hufeisennasen anwesend sind, es hat also alles wunderbar funktioniert.“
Im Oberland sind neben der Hufeisennase noch weitere besondere Arten heimisch:
Simon Ripperger, Biologe am Landesamt für Umwelt:
„Beispielsweise haben wir im Oberland größere Fledermausquartiere in Straßenbrücken. Bei Epfach gibt es ja die Lechbrücke und hier haben wir die größte Kolonie der Wasserfledermaus in ganz Bayern und auch die Echelsbacher Brücke über der Ammerschlucht ist ganz besonders, denn hier gibt es ein großes Vorkommen vom großen Mausohr.“
Im Webangebot des Landesamts für Umwelt sind die Verbreitungskarten für alle Arten frei einsehbar.
Simon Ripperger, Biologe am Landesamt für Umwelt:
„Da kann man sich einfach mal durch die unterschiedlichen Arten durchklicken, aber es kann natürlich auch jeder mitmachen bei unseren Monitorings. Beispielsweise wenn ihr ein Quartier von Fledermäusen an ihrem Gebäude habt, könnt ihr uns kontaktieren und uns das melden. Ihr könnt euch dann tatsächlich auch für eine Plakette für die „Fledermaus willkommen“ Aktion in Bayern bewerben. Dann bekommt ihr für euer Gebäude eine entsprechende Plakette und eine unterschriebene Urkunde von unserem Umweltminister.“
Wie können wir denn noch selbst aktiv werden, um beim Fledermaus-Artenschutz mitwirken zu können?
Simon Ripperger, Biologe am Landesamt für Umwelt:
„Am besten ist es, wenn man sich mal um Bildungsangebote von lokalen Naturschutzverbänden bemüht. Da gibt es eigentlich relativ viel. Man kann einfach mal bei einer Fledermausführung mitgehen und wenn das Thema einen besonders interessiert und man sich auch dauerhaft engagieren will, könnte man beispielsweise die Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Südbayern kontaktieren und schauen, was es hier für Möglichkeiten gibt, sich einzubringen.
Aktuell machen wir ein großes Monitoring in den Alpen. Das heißt, wenn unter den Hörerinnen und Hörern Bergsteiger dabei sind, dann könnt ihr euch gern bei uns unter Fledermaus-alpin@lfu.bayern.de melden und wir versorgen die Leute dann mit so kleinen Sammelboxen und wir würden uns total freuen, wenn von Hütten oder von Stadln im alpinen Bereich Fledermauskotproben zu uns eingesandt werden und wir bestimmen können, um was für Arten es sich handelt.“