Was wir wissen: Gewalttat am Welfen-Gymnasium in Schongau
Schongau (dpa) - «Meine Beine sind ganz schwach geworden», sagt die 13-Jährige. «Ich habe gar nicht mehr gewusst, wie ich jetzt reagieren soll, ob ich irgendwie kurz nach Hilfe rufen soll oder einfach mich ganz leise verhalten soll.» Sie habe sich mit zwei Freunden für die zweite Variante entschieden. «Wir haben dann einfach weggeschaut und gehofft, dass der uns nicht bemerkt.»
Zwei gleichaltrige Mädchen haben nicht so viel Glück an diesem Tag. Die beiden Schülerinnen, die, wie die 13-Jährige sagt, in ihre Parallelklasse gehen, werden schwer verletzt an diesem Tag in der Schule - offenbar von einem mit Messer und Pistole bewaffneten 16-Jährigen.
Drohte der mutmaßliche Täter schon früher?
Die mutmaßliche Amoktat erschüttert das oberbayerische Schongau. Der Teenager, möglicherweise ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums, wird unter Tatverdacht festgenommen. Laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wird geprüft, ob er womöglich früher schon einmal Drohungen ausgesprochen hat.
Es ist 12.50 Uhr am Mittwochmittag, als ein Notruf über eine Gewalttat am Welfen-Gymnasium die Polizei erreicht. Kurz darauf ist sie mit einem Großaufgebot vor Ort - und findet die beiden schwer verletzten, 13 Jahre alten Mädchen. Wo, das sagen die Ermittler zunächst nicht. Weil die Polizisten so schnell vor Ort sind, können sie den mutmaßlichen Täter festnehmen.
Nach ersten Erkenntnissen war der mutmaßliche Täter laut Polizei mit einem Messer und auch einer Schusswaffe, einer Pistole, bewaffnet. Die Tatwaffe sei das Messer gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Wie Herrmann sagt, war der 16 Jahre alte Kroate, der den Angaben zufolge bei seinen Eltern lebte, in der Vergangenheit in psychiatrischer Behandlung.
Während Polizisten das Schulgelände weiter durchsuchen, um auszuschließen, dass es weitere Täter geben könnte, kommt aus der Klink eine gute Nachricht: Die beiden schwer verletzten Mädchen, von denen eines mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gekommen war, schweben am Nachmittag nicht mehr in Lebensgefahr.
Was ist das Motiv?
Das Motiv für die Tat bleibt zunächst jedoch unklar. Die Polizei prüft, ob es zwischen dem Jugendlichen und den beiden verletzten Mädchen eine Vorbeziehung gegeben haben könnte. Es müsse nun geklärt werden, ob es da «irgendeinen besonderen Bezug gegeben hat zu den Opfern oder ob das eher zufällig diejenigen waren, die ihm da begegnet sind», sagt Innenminister Herrmann.
Die Polizei ermittelt zum Motiv - wie ein Sprecher betont - in alle Richtungen. Laut Polizei bekamen viele Schüler die Tat hautnah mit. Sie werden - wie auch Lehrer und später auch Einsatzkräfte - psychologisch betreut.