Folgen der Trockenheit: Wasserkraftwerke im Oberland produzieren weniger Strom
Wenig Regen und niedrige Pegelstände machen sich inzwischen auch bei der Stromerzeugung im Oberland bemerkbar. Sowohl am Isarkraftwerk in Bad Tölz als auch an den Uniper-Kraftwerken an Lech und Isar wird in diesem Sommer deutlich weniger Strom aus Wasserkraft erzeugt.
Wenig Regen und kaum Schneeschmelze
Bei Uniper sorgen vor allem die geringen Zuflüsse in Lech und Isar für Einbußen. Unternehmenssprecher Theodoros Reumschüssel erklärt, wie es zu der aktuellen Situation gekommen ist:
„Wir haben sehr wenig Niederschläge. Hinzu kommt, dass die Schneeschmelze dieses Jahr auch sehr gering ausgefallen ist. Also, wir sind in den frühen Sommer mit einem geringen Zufluss gestartet und dann kam auch diese Dürrephase und entsprechend deutlich ist der Einfluss auf die Stromerzeugung.“
Besonders betroffen sind die Laufwasserkraftwerke, die rund um die Uhr Strom produzieren. Weniger stark wirkt sich das Niedrigwasser dagegen auf das Spitzenlastkraftwerk Roßhaupten und das Walchenseekraftwerk aus. Beide werden nur wenige Stunden am Tag betrieben.
Bad Tölz produziert rund 50 Prozent weniger Strom
Auch das Isarkraftwerk der Stadtwerke Bad Tölz bekommt die Trockenheit deutlich zu spüren. Aktuell kann dort nur eine der beiden Turbinen betrieben werden. Welche Folgen das für die Stromerzeugung hat, erklärt Martina Geisberger von den Stadtwerken:
„Aufgrund der geringen Wasserführung erzeugen wir derzeit rund 50 Prozent weniger Strom aus Wasserkraft. Entsprechend geringer fallen momentan unsere Erlöse aus der Stromerzeugung aus. Die fehlende Strommenge muss am Strommarkt durch andere Erzeugungsanlagen wie zum Beispiel Gaskraftwerke ausgeglichen werden.“
Derzeit stehen dem Kraftwerk nach Angaben der Stadtwerke rund 14 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zur Verfügung. Um beide Turbinen betreiben zu können, wären etwa 15 Kubikmeter pro Sekunde mehr nötig.
Keine direkten Auswirkungen auf die Strompreise
Trotz der deutlich geringeren Wasserkraftproduktion rechnen die Stadtwerke Bad Tölz zunächst nicht mit unmittelbaren Folgen für ihre Kunden. Geisberger verweist allerdings darauf, dass die Hitze den europäischen Strommarkt auch auf anderen Wegen beeinflussen kann:
„Auf unsere Strompreise wirkt sich das für Endkunden nicht unmittelbar aus. Allerdings kann die Hitze die Preise am europäischen Strommarkt zusätzlich erhöhen. Wenn beispielsweise europäische Atomkraftwerke wegen fehlenden oder zu warmen Kühlwassers ihre Leistung reduzieren müssen, kommen häufiger Gaskraftwerke zum Einsatz.“
Auch Uniper sieht durch die geringere Wasserkraftproduktion allein keinen entscheidenden Einfluss auf die Strompreise. Wasserkraft macht dem Unternehmen zufolge rund 15 Prozent der Stromerzeugung in Bayern aus. Wie sich die Preise entwickeln, hängt deshalb von vielen weiteren Faktoren auf dem Strommarkt ab.