Warnstufe "gelb": Borkenkäfer-Situation im Oberland bleibt angespannt
Der Borkenkäfer könnte nach diesem Sommer wieder stärker zum Thema werden. Die aktuelle Lage im Oberland ist zwar vergleichsweise gut: Die Befallsmengen liegen rund 90 Prozent unter dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Forstämter stufen die Situation trotzdem als „gelb“ ein. Das bedeutet, dass mit einer Ausbreitung des Befalls zu rechnen sei.
Wir haben für euch ausführlich mit Cornelia Triebenbacher von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft über das Thema gesprochen:
Wie ist die aktuelle Borkenkäfersituation, gerade bei uns im Oberland?
Nach den Einschätzungen der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Miesbach und Holzkirchen ist die aktuelle Borkenkäfersituation im „gelben“ Bereich. Gelb bedeutet „Warnstufe“. Die Gefahr ist noch nicht gebannt – mit einer weiteren Ausweitung ist weiterhin zu rechnen.
Die derzeitigen Fangzahlen sind in weiten Teilen Bayerns verhältnismäßig jedoch gering – auch in den Amtsbereichen Holzkirchen und Miesbach. Die gemeldeten Schadholzmengen durch Borkenkäfer sind auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau (bayernweit ca. 67 % geringer als im selben Zeitraum 2025 – Meldungen zum Ende des 2. Quartals, Zahlen aus dem Oberlandrevieren sind es 90% weniger Befall als im selben Zeitraum 2025 ). Zuletzt stiegen im Süden Bayerns (insbes. Westliches Schwaben) die Schadholzmengen jedoch kontinuierlich an und die Auswirkungen der Trockenheit und Hitze des Sommers sind derzeit noch nicht abschätzbar. Es gibt also trotz des positiven Trends noch keinen Anlass zur Entwarnung.
Insgesamt gehen wir in diesem Jahr von einem weiteren Rückgang der Borkenkäferschäden aus. Inwieweit es aufgrund der Hitze und Trockenheit dieses Sommers Nachwirkungen gibt, lässt sich noch nicht abschätzen. Nach 2003 folgte eine Massenvermehrung – und der Sommer 2026 folgt als 2. heißester und trockenster Sommer. Gerade aufgrund dieser Ausgangssituation ist es entscheidend, die Ausgangspopulation für 2027 zu reduzieren, indem der aktuelle Befall gefunden und zeitnah aufgearbeitet wird.
Wie groß ist die Gefahr das es in diesem Jahr noch einen starken Befall gibt?
Die Hauptgefahr geht aktuell eher von den bereits angelegten Bruten aus: Diese Befallsbäume sollten gefunden werden, bevor die fertigen Jungkäfer ausfliegen und bevor sich die Rinde durch erste Fröste abzulösen beginnt. Denn dann verbleiben die Käfer für die Waldbesitzer unerreichbar im Waldboden oder in den Rindenstücken und schwärmen im Frühjahr 2027 aus. Der Bestand an Käfern kann daher am besten im Winter abgesenkt werden. Ganz nach dem Motto: „Sauber in den Winter!“
Ist die zweite Jungkäfergeneration bereits ausgeflogen oder wann ist damit zu rechnen?
Die 2. Generation ist in den tieferen bis mittleren Lagen Bayerns (bis ca. 600 m NN) seit etwa Mitte August fertig entwickelt und teilweise ausgeflogen. In den höheren Lagen befindet sie sich überwiegend im Jungkäferstadium ohne Reifungsfraß. Ein Ausflug ist bei weiterhin höheren Temperaturen möglich.“
Könnte es in diesem Jahr sogar eine Dritte geben?
In den tieferen bis mittleren Lagen rechnen wir vereinzelt mit einer Anlage der dritten Generation. Es wird aber regionale Unterschiede geben, die abhängig von der lokalen Witterung und Ausgangssituation ist. In den oberen Lagen ab ca. 800 Metern ist die Anlage einer dritten Generation in diesem Jahr eher unwahrscheinlich.