Wirkt sich der Hitzesommer auf die Pilzsaison im Oberland aus? Die Einschätzung eines Experten
Leere Körbe statt voller Schwammerl-Ausbeute: Die Pilzsaison im Oberland ist nach dem heißen und trockenen Sommer bislang ziemlich mager angelaufen. Auch die jüngsten Regenfälle haben die Lage kaum verbessert. Viele Waldböden sind weiter zu trocken, entsprechend wenig Pilze sind zu finden. Ob sich die Saison in den nächsten Wochen noch erholen kann, wo die Chancen auf Steinpilze, Pfifferlinge und Co. derzeit am besten stehen und warum sich die Pilzsaison künftig immer weiter nach hinten verschieben könnte, darüber sprechen wir mit Christoph Hahn von der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft aus Dießen.
Wie wirkt sich die anhaltende Trockenheit auf die Pilzsaison aus?
Christoph Hahn, Vorsitzender der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft aus Dießen:
„Meine Prognose ist, dass es eine Art Mosaik wird in den Wäldern. Also in einigen Wäldern werden viele Fruchtkörper vorkommen, und in anderen Wäldern sieht es wie ausgestorben aus und es sind nur wenig Pilze zu finden. Das führt dann manchmal über die sozialen Medien zu Frust, weil man auf den entsprechenden Kanälen Pilzfunde von anderen Personen sieht, die eine reichliche Ernte haben, während im eigenen Wald gar nichts vorhanden ist“.
Wie würden Sie die aktuelle Lage im Oberland bezeichnen?
Christoph Hahn, Vorsitzender der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft aus Dießen:
„Jetzt aktuell gibt es eigentlich kaum größere Pilzvorkommen im Oberland, jedenfalls nicht im Alpenvorland. Am Alpenrand selber, also vor allem in den Nordhangbereichen, sieht es besser aus. Da gab es mehr Niederschlag, auch durch Tau in der Nacht in den Trockenphasen. Dort ist es auch schattig. Das heißt, am meisten Pilze sind dort zu erwarten, wo der Boden ein bisschen lehmig ist, also das Wasser nicht abgeflossen ist, sondern im Boden gehalten werden konnte und zudem alles beschattet war und nicht so ausgetrocknet, ausgedörrt ist und nicht von der Hitze so betroffen war, wie zum Beispiel am gesamten Alpenrand“.
Haben die jüngsten Regenfälle etwas an der Situation geändert?
Christoph Hahn, Vorsitzender der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft aus Dießen:
„Der Regen hat fast nichts geändert, weil es erst mal ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Das heißt, noch ist leider nicht viel passiert, bis auf Champignons, die ich beim Autofahren öfter auf den Wiesen sehe. Aber dort ist eben Vorsicht sehr wichtig, weil es giftige Champignon-Arten gibt und eben auch Neuzuwanderer aus dem Mittelmeergebiet, die genau solche Dürre- und Hitzephasen sehr gut vertragen und sich dann gegenüber den Konkurrenten sogar durchsetzen können und deswegen heuer gehäuft zu erwarten sind“.
Was bräuchte es jetzt, damit es noch eine gute Pilzsaison wird?
Christoph Hahn, Vorsitzender der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft aus Dießen:
„Zunächst mal wäre es wichtig, dass der Boden wirklich durchfeuchtet wird und das Wasserdefizit aufgehoben wird. Das heißt im Klartext, ideal wären wirklich zwei Wochen durchgehender Landregen. Nicht mehr diese Hitzetage, in denen es wieder vorkommt, dass es dann über 30 Grad ist. Kühle Nächte, das heißt tagsüber, wie es halt im Herbst üblich ist, so um die 20 Grad, vielleicht knapp drüber, wenn wir Glück haben. Nachts dann deutlich kälter, vielleicht 5, 6 Grad. Viel Regen, dann könnte es noch etwas werden. Aber auch da kann es eben sein, dass in manchen Bereichen die Schäden an den Pilzgeflechten so groß sind, dass die Pilze dort erstmal in den Reparaturmodus gehen, sich praktisch erholen und deswegen keine Fruchtkörper bilden“.
Wo können Pilzsammler aktuell noch die größte Ausbeute machen?
Christoph Hahn, Vorsitzender der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft aus Dießen:
„Generell rate ich dazu, die Spaziergänge wirklich als Spaziergänge zu nehmen und sich zu freuen, wenn man Pilze findet, aber nicht darauf angewiesen zu sein. Denn zurzeit ist es wirklich eher frustrierend, wenn man Speisepilze suchen möchte. Das heißt, man braucht ein bisschen Geduld und sollte bitte jetzt nicht anfangen, jedes letzte Eck des Waldes zu durchstöbern. Wenn man aufgrund der geringeren Ausbeute den Wald großflächig durchgeht, haben die Wildtiere keine Möglichkeit mehr, sich zurückzuziehen. Man sollte immer auf die Umwelt achten und auch an die Wildtiere denken“.
Was bedeutet es für die Pilzsaison, wenn die Sommer in Zukunft noch trockener werden?
Christoph Hahn, Vorsitzender der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft aus Dießen:
„Wenn sich das Klima in Richtung mediterranes Klima verschiebt, was ja passiert, dann wird es im Sommer längere Dürre- und Trockenphasen geben und im Winterhalbjahr dafür mehr Niederschlag. Das bedeutet, die Pilzsaison würde sich verschieben. Also im Prinzip ähnlich aussehen, wie sie jetzt aktuell südlich der Alpen aussieht. Es wird dann nicht im August oder Anfang September losgehen, sondern eher im Oktober oder November, eventuell dann auch im Dezember. Aber bis es soweit ist, dass wir dann eine Saison im Dezember oder Januar haben, wird es natürlich noch dauern, weil sich auch entsprechende Baumarten neu ansiedeln müssten. Das heißt, wir würden dann die mediterranen Eichenarten beispielsweise als Waldarten bekommen“.