Verkehrschaos durch Elterntaxis? Welche Alternativen es gibt und was eine Expertin zum Thema sagt
Morgen startet im Oberland wieder die Schule – und damit rücken auch die sogenannten Elterntaxis wieder in den Fokus. Vor vielen Schulen sorgen sie morgens für Stau, unübersichtliche Situationen und zusätzliche Gefahren für Kinder. Warum es gerade kurz vor Unterrichtsbeginn schnell chaotisch wird, welche Alternativen es zum klassischen Elterntaxi gibt und wie Elternhaltestellen den Verkehr entzerren können, erfahrt ihr im Interview mit Ursula Hildebrand vom Auto Club Europa Region Bayern Süd.
Warum gibt es regelmäßig ein Verkehrschaos, wenn Elterntaxis vor die Schulen fahren?
Ursula Hildebrand, vom ACE Auto Club Europa Region Bayern Süd:
„Das Verkehrschaos vor den Schulen entsteht vor allem deshalb, weil der Bringverkehr der Eltern morgens in einem sehr kurzen Zeitraum stattfindet, meist zwischen 7.30 Uhr und 7.50 Uhr. Das bedeutet: In diesen 15 bis 20 Minuten ballt sich der Verkehr vor den Schulen. Alle Eltern kommen gleichzeitig an, und dadurch entsteht dann ein Verkehrschaos“.
Warum entstehen gerade durch das Halten und Parken vor Schulen so schnell gefährliche Situationen für Kinder?
Ursula Hildebrand, vom ACE Auto Club Europa Region Bayern Süd:
„Man muss bedenken, dass Kinder von der Körpergröße her einfach viel kleiner sind als Erwachsene. Das heißt, sie verschwinden manchmal hinter parkenden Fahrzeugen. Jemand, der im Auto vorbeifährt, sieht diese Kinder gar nicht. Und wenn sie dann plötzlich auf die Straße treten, kommt es eben zu gefährlichen Situationen. Gleichzeitig ist der Platz vor den Schulen oft sehr beengt, sehr begrenzt. Wenn dann viele Autos parken und Kinder aus- und einsteigen, kommt es zu gefährlichen Situationen. Wenn Kinder über die Straße laufen und dann noch Fahrradfahrer oder Fußgänger hinzukommen, sorgt das alles für gefährliche Situationen für die Kinder“.
Was kann an der Infrastruktur rund um die Schulen verbessert werden, um die Situation zu entschärfen?
Ursula Hildebrand, vom ACE Auto Club Europa Region Bayern Süd:
„Bei Schulen wäre es sinnvoll, eine sogenannte Elternhaltestelle einzurichten. Das bedeutet, in einer Entfernung von 200 bis 500 Metern von der Schule einen Parkplatz bereitzustellen, an dem die Eltern sicher anhalten und die Kinder sicher aussteigen können. Die Kinder können dann die letzten 200 bis 500 Meter zu Fuß zur Schule bewältigen. Diese Elternhaltestellen sorgen dafür, dass der Verkehr direkt am Schulgebäude selbst entzerrt wird, dass die Fahrzeuge gar nicht erst dorthin fahren und somit die Kinder nicht gefährden können. Gleichzeitig ist der Verkehrsfluss gewährleistet. Die Eltern können an diesen Elternhaltestellen sicher einparken und anschließend auch wieder sicher abfahren“.
Welche Alternativen gibt es zum klassischen Elterntaxi?
Ursula Hildebrand, vom ACE Auto Club Europa Region Bayern Süd:
„Am besten wäre es natürlich, wenn die Kinder zu Fuß zur Schule gehen könnten. Das ist in manchen Kommunen nicht möglich, weil die Schulwege doch etwas länger sind. Das heißt, sie fahren dann vielleicht mit dem Bus oder eben mit dem Elterntaxi. Sinnvoll wäre es hier, das Elterntaxi an einer Elternhaltestelle abzustellen, etwas weiter von der Schule entfernt, damit es nicht zu gefährlichen Situationen kommt. Am besten ist es, wenn die Kinder zu Fuß gehen können. Sie haben so sozialen Kontakt zu ihren Mitschülerinnen und Mitschülern, bekommen am Morgen frische Luft und haben natürlich auch ein bisschen Bewegung. Die Kinder sitzen dann in der Schule sehr viel im Unterricht, haben dort wenig Bewegung und werden vielleicht auch unruhig. Wenn man ihnen vor der Schule die Möglichkeit gibt, sich auf dem Schulweg ein bisschen auszupowern, dann ist das für den ganzen Schulalltag durchaus sinnvoll“.
Zum Schulstart gibt es regelmäßige Kontrollaktionen der Polizei, und auch Sie haben bereits Initiativen gestartet. Sehen Sie dadurch eine nachhaltige Verbesserung?
Ursula Hildebrand, vom ACE Auto Club Europa Region Bayern Süd:
„Kontrollaktionen der Polizei oder auch solche Aktionen, wie wir sie im vergangenen Jahr durchgeführt haben, sind sehr, sehr wichtig. Leider haben wir festgestellt, dass dieser Effekt der Verbesserung nur sehr, sehr kurz anhält. Meist schleichen sich nach drei, vier Wochen die alten Gewohnheiten wieder ein. Das heißt, man hat vielleicht tatsächlich ein bisschen weiter weg parkiert oder das Elterntaxi auch mal stehen lassen. Nach zwei, drei, vier Wochen kehrt das Ganze wieder in den alten Trott zurück. Die Eltern fahren doch wieder bis zur Schule und vergessen quasi, dass es eigentlich Alternativen gäbe“.
Welchen Appell richten Sie an die Eltern vor dem Schulstart?
Ursula Hildebrand, vom ACE Auto Club Europa Region Bayern Süd:
„Wir appellieren an alle Eltern, das Elterntaxi einfach auch mal stehen zu lassen. Trauen Sie Ihren Kindern etwas zu und üben Sie den Schulweg rechtzeitig mit ihnen, sodass Sie sicher sein können, dass sie ihn auch selbstständig bewältigen können. Wenn das Elterntaxi wirklich nötig ist, dann schauen Sie, dass Sie bereits 200 bis 500 Meter vor der Schule anhalten und Ihr Kind aussteigen kann, sodass es die letzten 200 bis 500 Meter gefahrlos zur Schule laufen kann“.