Freiwillige Feuerwehr Gilching geht auf Social Media viral - Was vom Hype geblieben ist

Lesedauer 4 Minuten
16.09.2026

Mehr als 14 Millionen Aufrufe, über 10.000 Follower und weitere Reels mit Millionenreichweite: Vor rund drei Monaten ist die Freiwillige Feuerwehr Gilching mit einem humorvollen Instagram-Video viral gegangen. Doch was ist vom Hype geblieben – und bringt so viel Aufmerksamkeit am Ende auch neue Mitglieder? Im Interview erklärt Nicolas Reis vom Social-Media-Team der Feuerwehr, wie sich der Erfolg auf das Ehrenamt ausgewirkt hat, warum ein virales Video allein noch keinen Nachwuchs bringt und was andere Feuerwehren beim Thema Social Media von Gilching lernen können.

Hat sich der Hype gelegt oder werdet ihr noch häufig darauf angesprochen?

Nicolas Reis, Freiwillige Feuerwehr Gilching:

„Das Video steht mittlerweile bei über 14 Millionen Aufrufen, es kommen sogar immer noch welche dazu. Die große Welle ist natürlich durch. Bei uns im Ort werden wir aber weiterhin regelmäßig darauf angesprochen. Und es ist nicht bei dem einen Video geblieben: Wir hatten seitdem weitere Reels mit über einer Million Aufrufen und stehen jetzt bei über 10.000 Followern“.

Ihr wolltet mit dem Video auf das Ehrenamt aufmerksam machen. Ist das gelungen?

Nicolas Reis, Freiwillige Feuerwehr Gilching:

„Ja. Die Feuerwehr ist bei uns im Ort sichtbarer und positiver besetzt als vorher. Was aber wirklich bleibt, ist nicht das eine Video, sondern der Kanal dahinter. Wir haben jetzt über 10.000 Leute, die mitbekommen, was wir Woche für Woche tatsächlich machen. Das ist der Teil, der langfristig wirkt“.

Habt ihr seitdem mehr Zulauf? Mehr Anmeldungen für die Grundausbildung, die Mitte September startet?

Nicolas Reis, Freiwillige Feuerwehr Gilching:

„Da will ich ehrlich sein: Belastbare Zahlen habe ich hier nicht. Es haben sich seitdem einige Interessierte bei uns gemeldet, und einzelne haben uns im Gespräch gesagt, dass das Video für sie der Anstoß war. Das sind aber Leute von hier, die sich vermutlich vorher schon mal Gedanken über die Feuerwehr gemacht haben. Wir haben das Video auch nicht als Rekrutierungsaktion geplant. Wenn es dabei hilft, freut es uns natürlich. Was wir sicher sagen können: Das Thema Feuerwehr ist bei uns im Ort präsenter geworden, und gerade bei den Jugendlichen merken wir, dass es überhaupt erst mal als mögliches Hobby auf dem Schirm ist“.

Ist es durch Social Media einfacher geworden, neue Mitglieder zu gewinnen?

Nicolas Reis, Freiwillige Feuerwehr Gilching:

„Reichweite zu bekommen ist einfacher geworden. Mitglieder zu gewinnen nicht. Niemand tritt wegen einem einzelnen Reel in die Feuerwehr ein, das haben wir auch nie erwartet. Der Weg läuft über viele Berührungspunkte: Wir landen im Feed, jemand sieht danach noch drei, vier andere Posts von uns, bekommt ein Bild davon, was wir eigentlich alles machen, und schaut irgendwann mal am Gerätehaus vorbei. Wenn es dann passt, wird ein Hobby daraus“.

Was ist euer Rat an andere Feuerwehren? Reicht ein cooles Video?

Nicolas Reis, Freiwillige Feuerwehr Gilching:

„Nein, so einfach ist es nicht. Unser Rat trotzdem: Traut euch und fangt einfach an. Die Vorbehalte kennen wir alle. Passt das überhaupt zur Feuerwehr? Ist unser Ehrenamt nicht zu ernst dafür? Interessiert das draußen überhaupt jemanden? Unsere Erfahrung ist eindeutig: Der Zuspruch ist um ein Vielfaches größer als die Kritik. Lasst ein paar junge Leute ran, die Lust darauf haben, und lasst sie ausprobieren. Wenn ein Video mal nicht zündet, hakt man es ab und macht weiter. Da kann kaum etwas schiefgehen. Social Media ist auch nicht der einzige Weg zum Nachwuchs. Aber aus einer Feuerwehr von heute ist es nicht mehr wegzudenken, weil die Menschen nun mal so kommunizieren, auch bei uns im Ort“.

Habt ihr weitere Video-Aktionen geplant?

Nicolas Reis, Freiwillige Feuerwehr Gilching:

„Wir posten auf jeden Fall weiter. Der konkrete Anlass gerade: Mitte September startet bei uns die nächste Grundausbildung. Wer in Gilching mitmachen will, meldet sich einfach über Instagram oder über unsere Website. Und noch ein Punkt, der uns wichtiger ist als unsere eigenen Zahlen: Fast jede Feuerwehr bietet gerade neue Ausbildungen an. Wer nicht in Gilching wohnt, soll bitte einfach bei der eigenen Wehr vorbeischauen, oder beim THW oder beim Rettungsdienst. Die gibt es in jedem Ort, und alle freuen sich über Zulauf. Man sieht ja gerade bei den Waldbränden, was ehrenamtliche Kräfte leisten, und das wird uns in den nächsten Jahren eher mehr beschäftigen als weniger. Nebenbei bekommt man ziemlich viel zurück: Kameradschaft, Ausbildung und das Gefühl, im eigenen Ort wirklich gebraucht zu werden“.

Bild © Instagram / feuerwehrgilching
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