© Unsplash / Jonas Augustin

Polizeikugeln trafen schon vier Mal tödlich

Lesedauer 3 Minuten
Quelle: dpa/lby
06.11.2024

Die tödlichen Polizeischüsse von Nürnberg am Wochenende haben neue Fragen über den Schusswaffeneinsatz von Polizisten aber auch zu deren Sicherheit im Einsatz aufgeworfen. Polizisten in Bayern haben in diesem Jahr bereits vier Menschen erschossen. 

Im vergangenen Jahr war es nur ein Toter durch Polizeischüsse, im Jahr davor starben zwei Menschen durch Kugeln aus Polizeiwaffen im Freistaat. Vier Tote durch Polizeischüsse hatte es nach einer inoffiziellen Statistik des Magazins «Bürgerrechte und Polizei» (CILIP) in Bayern zuletzt 1997 gegeben. Gleichzeitig ist aber auch die Gewalt gegen Polizisten deutlich gestiegen. 

Die Fälle

Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums wurden durch Beamte der bayerischen Polizei in diesem Jahr drei Menschen getötet. Zwei Fälle ereigneten sich in München. Zuletzt erregte ein Fall in Nürnberg Aufmerksamkeit, als am Wochenende eine Polizeistreife einen 51-Jährigen erschoss, während er seine Ehefrau mit einem Messer bedrohte. 

Am vierten Fall waren keine bayerischen Polizisten, sondern Beamte der Bundespolizei beteiligt. In Lauf bei Nürnberg schossen sie im Juli einen Mann nieder, der die Einsatzkräfte nach Polizeiangaben mit einem Messer direkt angegriffen hatte. 

Beim Landeskriminalamt, das üblicherweise in solchen Fällen ermittelt, sind derzeit sechs Ermittlungsverfahren wegen Schusswaffengebrauchs von bayerischen Polizeibeamten anhängig, wie die Behörde auf Anfrage mitteilte. Das Innenministerium hat in diesem Jahr neben den drei durch bayerische Polizisten getöteten Menschen vier weitere Fälle gezählt, in denen Personen durch Schusswaffeneinsätze von Polizisten verletzt wurden. 

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Florian Siekmann hat eine Anfrage an die Landesregierung gestellt, um die Häufung der Schüsse zu erklären. Er wolle auch in Erfahrung bringen, ob im Einzelfall die Anwendung milderer Mittel möglich wäre. 

Das Töten von Angreifern - auch wenn es sich um Kriminelle handelt - wird allgemein als letztes Mittel angesehen, das es möglichst zu vermeiden gilt. Aus seiner Sicht spielen die Angriffe mit Messern eine immer größere Rolle - nach der tödlichen Attacke auf einen Polizisten in Mannheim auch psychologisch. 

Gewalt gegen Polizisten nimmt zu

Das bayerische Innenministerium verweist auf eine in den vergangenen Jahren deutlich gestiegene Gewaltbereitschaft bei Straftätern. «Die Bereitschaft, Polizistinnen und Polizisten gezielt zu verletzen und sogar deren Tod zumindest in Kauf zu nehmen, hat in den letzten Jahren zugenommen», heißt es in einer schriftlichen Antwort auf eine entsprechende Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. 

Die Zahl der Fälle von körperlicher Gewalt gegen Polizisten seien in der Zeit seit 2010 um 35,3 Prozent gestiegen. Die Zahl von verletzten Einsatzkräften sei sogar um 86,2 Prozent auf 3.050 Verletzte im vergangenen Jahr gestiegen.

Die polizeiliche Ausbildung sei darauf abgestimmt worden. So sei etwa 2023 ein neues Ausbildungsmodul eingeführt worden, in dem eigens der Umgang mit Messerangreifern trainiert werde. Grundprinzip bleibe die Deeskalation.

Themen
Teilen

WEITERE ARTIKEL

14.11.2024
Schnee im Alpenvorland – Kurzes Winter-Intermezzo in Bayern
In Teilen Bayerns hat sich in der Nacht eine dünne Schneedecke ausgebreitet. Doch laut Deutschem Wetterdienst war dies nur ein flüchtiger Gruß des Winters.
17.01.2024
Helfer vor Ort: professionelle ehrenamtliche Ersthelfer
Vor Ort, bevor die Rettungskräfte es sind – Die ehrenamtlichen „Helfer vor Ort“ (oder auch „First Responder“) kommen zum Einsatz, wenn sie einen Notfall schneller erreichen können als der Rettungsdienst.
22.10.2024
Deutsche Wildtier Stiftung warnt: Anfang November steigt die Zahl der Wildunfälle
Wildtiere kennen keine Zeitumstellung! Die Tiere überqueren besonders oft in Waldabschnitten und an Feldrändern die Straßen. Daher heißt es , vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung: Fuß vom Gas, vorausschauend fahren und immer bremsbereit sein.
22.02.2024
Anders widerständig - Erich Kästner zum 125. Geburtstag viel zitiert
Er war ein Mann, der Kinder verstand. Erich Kästners Bücher sind berühmt und bis heute beliebt, nicht nur bei Kindern. Im Jahr seines 125. Geburtstages ist er mit ganz anderen Gedanken präsent.
11.02.2025
Handel erwartet 210 Millionen Euro Umsatz zum Valentinstag
Der Tag der Liebenden lässt in einigen Branchen die Kasse klingeln. Immer häufiger werden auch Männer beschenkt.
05.05.2023
Das Oberland bei "Jugend forscht"
Zwei Geschwister aus Schondorf belegen den 2. Platz im Bundesfinale