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Carver, Kunstschnee, Klima: Skiverletzungen ändern sich

Lesedauer 3 Minuten
Quelle: dpa
14.03.2025

Knie, Schulter, Kopf: War früher der Beinbruch die typische Folge eines Skiunfalls, so müssen sich Ärzte heute meist um andere Verletzungen kümmern. 

Mehr als jede fünfte Verletzung durch Kollision

Die Auswertungsstelle für Ski-Unfälle bei der Arag Versicherung berichtet über immer mehr Knieverletzungen und Kollisionen. Die Statistik stützt sich auf Unfallmeldungen von Mitgliedern des Verbandes DSV aktiv. Mehr als jede fünfte Verletzung kam durch eine Kollision zustande, mehr denn je zuvor, sagte der Leiter der Auswertungsstelle, David Schulz.

Im Vergleich zur Ausgangssaison 1979/80 ging zwar die Zahl der verletzten Skisportler im Winter 2023/2024 um gut 52 Prozent zurück. Im Vergleich zur Vorsaison gab es eine Zunahme auf das Niveau vor der Pandemie. Mehrere Medien, darunter der Bayerische Rundfunk, hatten darüber berichtet. 

Viele Patienten auch aus dem Ausland landen nach Skiunfällen in der BG Unfallklinik Murnau im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen. «Die bei uns in der Klinik behandelten typischen Verletzungen nach Skiunfällen sind inzwischen - neben den Bandverletzungen des Kniegelenkes - die Tibiakopffraktur, also der Bruch im Bereich des Schienbeinkopfs, Schulterverletzungen und das Schädel-Hirn-Trauma», berichtet der Ärztliche Direktor Fabian Stuby. 

Schienbeinkopf statt Schienbein 

Warum kommt es heute zu anderen Verletzungen? Einer der Gründe ist laut Stuby die veränderte Ausrüstung. Wegen der modernen, höheren Skistiefel verlagern sich Kräfte nach oben Richtung Knie. Früher sei der Drehbruch des Schienbeins der Klassiker gewesen, heute die Verletzung am Schienbeinkopf. Und die sei häufig komplizierter und langwieriger in der Heilung, sagt Stuby.

Durch neue Bindungssysteme, Skihelme oder Rückenprotektoren sei das Skifahren zwar sicherer geworden, aber auch schneller, erläutert der Mediziner weiter. «Kollisionen sind daher eine ganz häufige Ursache für schwere Verletzungen, gerade im Kopfbereich. Der Helm schützt zwar, verhindert aber kein Schädel-Hirn-Trauma, wenn der Kopf auf der harten Piste aufschlägt.» 

Mehr Schulterverletzungen beim Carven 

Auch Kollisionen mit Bäumen oder Skilift-Stützen gebe es immer wieder, etwa wenn Fahrer die Kontrolle über ihre Skier verlieren. Auch Kinder sind betroffen. Man erinnere sich in der Klinik etwa an ein kleines Mädchen, das gegen eine Lifthütte prallte und unter anderem schwere innere Verletzungen erlitt.

Die steigende Zahl der Schulterverletzungen führt der Arzt auch auf die moderne Carving-Technik zurück. «Der Körper liegt in den Kurven nah an der Piste – und im Falle eines Sturzes findet der Erstkontakt mit dem Boden dann über die Schulter statt.» 

Kunstschnee wird schneller hart und eisig 

Kunstschnee wird durch den hohen Anteil an Wasser schneller zu Eis. Daher sind die Pisten härter und eisiger. Damit seien Skifahrer – gerade mit den Carving Skiern – schneller unterwegs, erläutert Stuby. Zudem sei häufig nur die Piste beschneit, während - auch wegen des zunehmenden Schneemangels durch den Klimawandel - direkt daneben Steine herausschauen. «Bei einem Sturz sind dann Kopf und Schulter, aber auch der Rücken stark gefährdet.»

Verbände raten zum Helm-Tragen

Das gelte auch für Langläufer. Die Loipen sind häufig eisiger als früher und das führt zu härteren Stürzen. Auch hier seien Kopf und Schulter stark gefährdet - und vor allem bei älteren Wintersportlern seien Hüftfrakturen keine Seltenheit. 

Rücksicht sowie an Können und Pistenverhältnisse angepasste Fahrweise gehören zu den Grundregeln zur Unfallvermeidung. Verbände, darunter der Deutsche Alpenverein, raten auch zum Tragen eines Helms.

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