Grim Lamp | © Unsplash / Spencer James Lucas

«Codename Kräutergarten» - Filmprojekt zu kaum bekanntem Ort in Dachau

Lesedauer 2 Minuten
Quelle: dpa/lby
16.05.2024

«Kräutergarten» nannten die Nazis beschönigend ihren landwirtschaftlichen Betrieb beim Konzentrationslager Dachau. Häftlinge wurden dort in Zwangsarbeit teils bis zum Tode geschunden. Der bayerische Regisseur Walter Steffen («Endstation Seeshaupt») will nun über den berüchtigten, aber kaum bekannten Ort am KZ Dachau aufklären. 

Sein Streifen soll bei der Berlinale 2025 Premiere feiern und zum 80. Jahrestag der Befreiung in die Kinos kommen, sagte Steffen. Unter dem Titel «Codename: Kräutergarten» folgt der Film dem Schicksal des katholischen Priesters Korbinian Aigner, der wegen seines Widerstandes gegen die Nazis 1941 ins KZ Dachau kam und wie Tausende dort auf der «Plantage» zur Arbeit gezwungen wurde. Unter unmenschlichen Bedingungen mussten die Gefangenen nach biodynamischen Methoden Kräuter und Gewürze anbauen: zur «Gesundung des deutschen Volkskörpers». Gleichzeitig sei das Ziel gewesen, die Inhaftierten durch Arbeit zu vernichten, wie die Macher des Films erläuterten. 

Steffen lässt auch Menschen zu Wort kommen, die sich heute um eine Erinnerungs- und Friedensarbeit kümmern: deutsche und israelische Jugendliche, die Zeitzeugen Abba Naor und Nick Hope, die sich als Ex-Häftlinge des KZ Dachau der Versöhnung verschrieben haben und den evangelischen Pfarrer Björn Mensing, der in der Versöhnungskirche in Dachau wirkt. 

Einen Part hat der österreichische Jazzmusiker Harri Stojka, der sich für die Kultur der Sinti und Roma einsetzt und dessen Großvater als Angehöriger der Roma im «Kräutergarten» geschunden und später von den Nazis ermordet wurde. Vor dem Bild seines Großvaters gab Stojka am Ammersee ein Konzert unter dem Titel «Tribute For My Family»; der Mitschnitt soll Teil des Films werden. Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, sagte, die Erinnerung wachzuhalten sei ein wichtiges Element im Kampf gegen den zunehmenden Rassismus. 

Nach dem Krieg verfielen die Anbauanlagen des Kräutergartens über Jahrzehnte. Etwa neun Zehntel des im Besitz der Stadt Dachau befindlichen Geländes wurden nach und nach als Industriegebiet verkauft. Nun laufen Bemühungen, das Gelände zugänglich zu machen. 

Vergangene Woche gings los mit den Dreharbeiten unter anderem auch in Bernried und Stegen. 

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