Man hand showing STOP violence and abusing against women. | © Unsplash / Saif71.com

Gewaltbetroffene Frauen häufig von Tätern digital verfolgt

Lesedauer 2 Minuten
Quelle: dpa
24.01.2024

Magdeburg (dpa/sa) - Viele Mädchen und Frauen, die vor der Gewalt ihrer Partner, Ex-Partner oder Familien flüchten, werden auch digital verfolgt. Das Hilfesystem für gewaltbetroffene Frauen in Sachsen-Anhalt richtet sich nun stärker auf das Thema Cyberstalking ein. Sachsen-Anhalt ist als erstes und bislang einziges Bundesland Modellstandort für entsprechend flächendeckende Weiterbildungen für die Mitarbeiterinnen. «Wir brauchen dringend ein Hilfesystem», sagte Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) am Mittwoch in Magdeburg.

Das Projekt «Ein Team gegen digitale Gewalt» werde getragen vom Berliner Institut für Technik und Journalismus in Zusammenarbeit mit dem Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt. Hintergrund ist, dass die Gewalttäter über Smartphones private Informationen wie Standort, Messenger-Nachrichten, Fotos und Kalendereinträge auslesen können. Das gefährdet laut dem Sozialministerium Einzelpersonen, insbesondere aber auch Schutzorte wie Frauenhäuser ganz unmittelbar.

Projektgründerin Inga Pöting erklärte: «Eigentlich bräuchte jede Einrichtung zusätzliches, ausgebildetes Fachpersonal für die technische Sicherheit.» Aktuell seien zehn Einrichtungen in Sachsen-Anhalt im Projekt dabei. IT-Expertinnen und die Sozialarbeiterinnen aus den Einrichtungen kämen so zusammen.

Eine Mitarbeiterin eines Frauenhauses sagte, das Auflauern, Diffamieren, Beschimpfen, Bedrohen, Erpressen und zur Rückkehr Bewegen werde von der realen Welt ins Digitale übertragen. Die Frage nach Cyberstalking sei früher der Ausnahmefall gewesen, heute aber die Regel. Die Frauen würden geortet und überwacht. Die Sozialarbeiterin berichtete von einem Fall, in dem eine Frau direkt nach der Beratung von ihrem Ex-Partner abgepasst wurde.

Die Frauen hätten teils Mobiltelefone, die sie nicht selbst eingerichtet hätten und deren Zugangsdaten sie nicht kennen. Das betreffe auch ihre Kinder. Teils hätten Täter Frauen so über mehrere Schutzeinrichtungen verfolgen können, bevor klar war, dass sie geortet wurden. Für die Frauen bedeute das Kontrollverlust, Hilflosigkeit, die Machtverhältnisse müssten wieder umgekehrt werden, so die Frauenhaus-Mitarbeiterin. Die Frauen müssten wieder die Kontrolle gewinnen.

Projektgründerin Inga Pöting sagte, Ziel sei es, mit möglichst wenig Aufwand größtmögliche Sicherheit für die Frauen herzustellen. Dabei sei das Handy der Dreh- und Angelpunkt. Wenn keine Beweise zu sichern seien, helfe oft nur ein komplettes Zurücksetzen des Telefons, nachdem die wichtigsten Fotos und Daten gesichert sind. Ein neues Thema seien aber kleine Tracker, mit denen Täter die Frauen abseits des Handys verfolgen können. Dort seien Erkennungsprogramme nötig, mit denen klargestellt werden kann, ob ein solches mitunter sehr kleines Gerät im Raum ist.

Themen
Teilen

WEITERE ARTIKEL

16.10.2023
Kürbissaison
Fakten über unser liebstes Herbstgemüse
21.02.2023
Schon im Winter? Die Zecken sind los.
Borreliose oder FSME: Zecken können gefährliche Krankheiten übertragen und bei milden Temperaturen sind sie bereits jetzt im Oberland unterwegs.
17.12.2025
Blackout: Apotheken protestieren gegen
Mit einer bundesweiten Protestaktion weisen Deutschlands Apothekenteams am Mittwoch, 17. Dezember, auf die chronische Unterfinanzierung der Apotheken hin. Unter dem Motto "Versorgungsblackout" schalten die Apotheken zeitweise die Lichter aus - nur eine Notbeleuchtung bleibt an. Grund für die Aktion ist die wirtschaftliche Schieflage der Apotheken.
20.06.2025
Bayerns Badeseen weitgehend mit Top-Wasserqualität
Die Sommerhitze lockt an Seen und Weiher: Der Sprung ins kühle Nass ist überwiegend ein Sprung in Wasser mit ausgezeichneter Qualität.
10.05.2023
Die köstlichen Eis-Trends 2023
Vegane Sorten und neue Geschmackserlebnisse liegen dieses Jahr weit vorne
09.02.2026
Tourismusrekord in Bayern trotz Wirtschaftsflaute
Am Urlaub wird zuletzt gespart: Obwohl die europäische Wirtschaft seit Jahren in der Flaute steckt, kommen mehr Gäste nach Bayern als je zuvor. Sie bleiben im Schnitt nur jedoch nur kurz.