Zeckenalarm im winter | © Pfizer | www.zecken.de
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Schon im Winter? Die Zecken sind los.

Borreliose oder FSME: Zecken können gefährliche Krankheiten übertragen und bei milden Temperaturen sind sie bereits jetzt im Oberland unterwegs.

Lesedauer 7 Minuten
Quelle: ro/Marion Jetter
21.02.2023

Was für ein Winter! Letzten Samstag (18.Februar) verzeichnete Garmisch mit 20,1 Grad einen neuen Temperaturrekord. Noch nie war es zwischen dem 11. und 20. Februar derart warm in der Marktgemeinde. (Übrigens: 2005 wurde der Rekord auf der anderen Seite der Skala gebrochen: am 1.März wurden minus 21,2 Grad (!) gemessen, verrät das Institut KIT für Meteorologie und Klimaforschung in Garmisch).

Milder Winter im Oberland

Dass solche Klimaveränderungen an der Tierwelt nicht spurlos vorbeigehen, zeigt auch die Tatsache, dass Zecken (Holzbock) hierzulande bereits wieder unterwegs sind. Denn ab Temperaturen um die sieben Grad sind Zecken aktiv. Liegt die Temperatur über einen längeren Zeitraum darüber, können Zecken auch jetzt schon zustechen und Menschen mit Krankheiten wie Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) infizieren. Der Begriff Frühsommer beruht lediglich darauf, dass die Krankheit in diesem Zeitraum (also gewöhnlich ab April) beschrieben wurde. Die milden Winter im Oberland haben aber nicht nur Auswirkungen auf die Dauer der Zecken-Saison, Experten vermuten, dass das Nymphenstadium des Holzbocks die „frostigen“ Monate besser überlebt und damit im Frühjahr in weitaus größerer Zahl auftritt als in den Jahren zuvor.

Zecken lauern auf Gräsern und Büschen

Um ihre Opfer besser erreichen zu können, klettern Zecken auf Gräser und Büsche – meist in Knie- oder Hüfthöhe. Dort begibt sie sich in „Jagdposition“, wie der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland erklärt. Sie verfügen über eine sogenannte Zeckennase (Hallersches Organ) mit dem sie bestimmte Duftstoffe im Schweiß (Buttersäure, Ammoniak) oder Co2, das beim Ausatmen vorbeilaufender Menschen oder Tiere entsteht, riechen können.

Überlebenskünstler: 10 Jahre ohne Nahrung

Es ist eigentlich kaum vorstellbar, doch eine Zecke kann sehr, sehr lange auf eine greifbare Nahrungsquelle, wie Tier oder Mensch, warten. Denn sie ist in der Lage, von einer einzigen Blutmahlzeit zwischen fünf und 10 Jahre zu zehren. Eigentlich kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die erwachsenen Zeckenweibchen ihr Körpergewicht dabei um das 100- bis 200-fache erhöhen. Der Nabu bringt ein spannendes Beispiel: „Wollte das ein Mensch schaffen, müsste er so lange Pizza essen, bis er etwa so viel wie ein Lastwagen wiegt.“

Warum wir einen Zeckenbiss nicht gleich bemerken

Damit der Wirt den Stich nicht sofort bemerkt, gibt die Zecke mit dem Speichel ein Betäubungsmittel ab, wenn sie zusticht. Und das, obwohl ihr Stachel viel dicker und gröber ist, als der einer Stechmücke. Um zu verhindern, dass sie von den „Blutspendern“ im Anschluss einfach weggekratzt wird, hat die Zecke noch einen anderen Trick auf Lager: „Sie produziert 5-30 Minuten nach dem Stich eine Art Klebstoff, durch den sie sich mit dem Wirt fest verklebt.“ so der Nabu.

Rechtzeitiges Entfernen ist wichtig

Haben Sie eine Zecke bemerkt, muss diese sofort entfernt werden. Denn im Gegensatz zur Lyme-Borreliose erfolgt die Übertragung des FSME-Virus nicht erst nach längerem Saugen der Zecke, sondern sofort mit dem Stich. Weil FSME nicht mit Antibiotika behandelt werden kann, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen, in einem Risikogebiet lebenden Personen, eine  vorbeugende und sehr gut verträgliche Impfung gegen FSME. Dass das Oberland zum Risikogebiet zählt, verrät die jährlich veröffentlichte Karte der Haupt-Endemiegebiete des Robert-Koch-Instituts.

Zecken richtig entfernen

Klebstoff oder Öl keinesfalls verwenden. Die Zecke erstickt dadurch und kann im Todeskampf Viren (FSME) und Bakterien (Borreliose) ins Blut abgeben. Besser: Packen Sie die Zecke möglichst dicht an der Haut mit einer spitzen Pinzette und ziehen Sie sie vorsichtig heraus. Vermeiden den Hinterleib der Zecke zu quetschen.

So geht´s:

1. Pinzette, Zeckenzange oder Zeckenkarte verwenden 

2. Zecke möglichst nah am Kopf greifen

3. Tier langsam und gerade herausziehen 

4. Stich desinfizieren

Zecken überleben auch in der Waschmaschine

Vorsicht ist auch bei Jacken oder Hosen geboten. Werden Sie am nächsten Tag wieder angezogen, kann eine darin befindliche Zecke später zustechen. Und auch mit dem Waschen in der Waschmaschine wird man sie nur bedingt los. Denn mit Feuchtigkeit haben Zecken generell kein Problem. Lebensbedrohlich wird es für Zecken erst, wenn besonders heiß gewaschen wird oder sie im Trockner landen.

Die Stichstelle merken und einige Wochen beobachten

Zecken können gefährliche Krankheiten übertragen. Die häufigste ist dabei die Lyme-Borreliose, die - früh erkannt - in der Regel gut mit Antibiotika behandelt werden kann. Gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (kurz: FSME) gibt es keine Behandlung, aber Schutzimpfungen, die je nach Alter alle drei bis fünf Jahre aufgefrischt werden sollten. Beobachten Sie die Einstichstelle mehrere Wochen. Eine ringförmige Hautrötung kann auf eine Borreliose hinweisen. Bei grippeähnlichen Symptomen auch an FSME denken. 

Richtig vor Zecken schützen 

Lange Kleidung ist nach wie vor der beste Schutz, vor allem aus glattem Material. Hier fällt es den Zecken schwerer sich festzuhalten. Zu Hause angekommen, macht es Sinn, sich und auch alle Familienmitglieder sowie Hunde nach Zecken abzusuchen. Einige Mückenmittel schützen nachweislich gegen Zecken. Sie enthalten die Wirkstoffe Icaradin, EPAAB und DEET. 

Neue Zeckenart – die Hyalomma-Zecke

Veränderte Wetterbedingungen und Klimawandel können dazu führen, dass auch bei uns neue Zeckenarten einwandern und heimisch werden. So wie die tropische Hyalomma-Zecke. Sie wird dreimal so groß wie normale Zecken, hat gestreifte Beine und gilt als Überträger des Virus des Krim-Kongo-Fiebers. Die Jagdzecke bewegt sie sich spinnenähnlich schnell und greift bewusst an, statt wie der Holzbock auf einen vorbeikommenden Wirt zu warten. „Sie können bis zu zehn Meter weit sehen und verfolgen ihr Opfer mehrere hundert Meter. Sie befallen besonders gern Pferde“, so Informationen der Zeckenforscher an der Universität Hohenheim. 

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