"SOGesund" - Was ist eigentlich dieses MVZ Schongau?

Lesedauer 5 Minuten
Quelle: ro/Florian Kern
22.03.2024

Seit drei Wochen sieht die Gesundheitsversorgung im Landkreis Weilheim-Schongau anders aus als in den vergangenen Jahrzehnten. Das Krankenhaus Schongau ist Geschichte – an gleicher Stelle wartet jetzt das Medizinische Versorgungszentrum – kurz MVZ. Das firmiert seit dem ersten März auch unter dem Namen SOGesund. Doch was ist dieses MVZ und wie kann es mir überhaupt weiterhelfen? Das sind Fragen, die gerade rund um die Lechstadt eifrig diskutiert werden. Das hat die Krankenhaus GmbH zum Anlass genommen, im Rahmen eines Pressegesprächs über das neue „SOGesund“ aufzuklären. Eine der größten Veränderungen gibt es wohl in der Notfallversorgung. Statt einer „Notaufnahme“ gibt es in Schongau jetzt noch eine „Notfallambulanz“. Dazu der stellvertretende Geschäftsführer Claus Rauschmeier:

112 statt eigener Anfahrt zum MVZ Schongau

Eben diese Versorgungsqualität kann am Standort Schongau aktuell montags bis freitags zwischen 8 und 18 Uhr sichergestellt werden. Erst kürzlich gab es im Landkreis wieder ein sogenanntes „Autokind“ – also eine Geburt, die während der Fahrt in die nächste passende Klinik stattfand. Das kann inzwischen deutlich öfter vorkommen, denn: Weilheim hat bereits seit 2017 keine Geburtenstation mehr, Schongau musste letztes Jahr die Türen schließen. In einem solchen Fall, bittet Rauschmeier lieber den Notruf 112 zu alarmieren – als auf eigene Faust zum Beispiel in Richtung „SOGesund“ aufzubrechen. Gerade wenn es schon sehr bald so weit sein könnte. Gleiches gilt aber auch für andere Notfälle:

200 Mitarbeiter weniger – trotzdem Aufbruchstimmung im „SOGesund“

Nachdem entschieden wurde, dass aus dem Krankenhaus Schongau ein MVZ wird, stand auch zeitnah klar, dass sich die GmbH von einigen Mitarbeitern trennen muss. Standen zunächst fast 300 Personen im Raum, sind es letztendlich 200 Kündigungen geworden. Einige Mitarbeiter hatten sich nach Bekanntwerden selbst auf die Suche nach einem neuen Job gemacht – vor allem aus Unsicherheit mit Blick auf die Zukunft. Laut dem stellvertretenden Geschäftsleiter Claus Rauschmeier kommen davon teilweise auch wieder Menschen zurück an den Lech. Nichtsdestotrotz herrscht deutlich weniger Gewusel in der Schongauer Klinik – dass rund 200 Personen weniger zugange sind geht auch an Rauschmeier nicht spurlos vorbei:

MVZ Schongau – eine Veränderung mit Zukunft?

Natürlich ist die Gesundheitsversorgung im Landkreis seit dem ersten März nicht mehr dieselbe. Wie auch? Ein MVZ ist eben kein vollwertiges Krankenhaus. Lange wurde hitzig diskutiert und gestritten, um die Zukunft der Krankenhaus GmbH im Landkreis Weilheim-Schongau. Ein neues Zentralkrankenhaus stand lange im Raum, viele hätten sich auch einen großen Standort in Schongau gewünscht. Andere wiederum zwei gleichwertige Krankenhäuser – einmal im westlichen und einmal im östlichen Landkreis. Gerade letzteres ist aus Sicht von Claus Rauschmeier heutzutage im Prinzip unmöglich. Unteranderem immer weiterwachsende Qualitätsanforderungen und die aktuelle Finanzierung der Einrichtungen sind daran schuld. Demnach muss sich etwas ändern – müssen sich auch die Krankenhäuser an diese Entwicklung anpassen. Auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen stellt das Klinikum-Defizit den Kreistag vor große Herausforderungen. Der Kreis Weilheim-Schongau hat bereits einen Schritt in Richtung Veränderung und Anpassung unternommen – und Rauschmeier sieht das neue Konstrukt aus Krankenhaus und MVZ erstmal als ziemlich stabil an:

Trotzdem: die finanzielle Lage im Landkreis Weilheim-Schongau ist alles andere als rosig. Tendenziell wird 2024 die 100 Millionen Euro Marke auf der Schuldenuhr gerissen. Unteranderem auch durch die Krankenhaus GmbH. Allein hierhin sollten zeitweise 27 Millionen Euro fließen. Die Summe aus Investitions- und Transformationskosten, aber auch dem allgemeinen Zuschuss, um die Verluste auszugleichen. Trotz der Veränderung innerhalb der GmbH muss weiter mit bedacht hantiert werden, weiß auch Claus Rauschmeier:

In diesem Zusammenhang sieht der stellvertretende Geschäftsführer das MVZ Schongau vielleicht sogar als Modellprojekt. Nicht in Bezug auf die Entlassung von rund 200 Mitarbeitern, sondern laut eigener Aussage auf die Neuausrichtung und Anpassung eines Betriebs an die aktuellen Gegebenheiten. Ein Schritt, der laut Rauschmeier auch alternativlos ist.

Viel Platz für Neues im alten Krankenhaus Schongau

Durch das deutlich abgespeckte Angebot im neuen MVZ „SOGesund“ ist auch viel Platz – auch viel Leerstand. Klar, wir sprechen hier auch von einem großen Gebäude. Das soll aber nicht leer bleiben, sondern mit neuem Leben gefüllt werden. Erste Ideen bzw. Möglichkeiten werden dabei auch schon diskutiert.

Das Krankenhaus Schongau war einmal – das MVZ „SOGesund“ ist die Gegenwart. Es ist eine Einrichtung, die in der Bevölkerung noch für viele Fragezeichen, aber auch für Unzufriedenheit sorgt. Nicht ohne Grund hatten viele den Erhalt des bisherigen Krankenhauses gefordert. Claus Rauschmeier ist sich sicher, dass dieses neue Konstrukt und dieses neue Angebot sich erst etablieren muss – aber Anklang finden wird. Nichtsdestotrotz wird das Thema „defizitäre Gesundheitsversorgung“ wohl in den nächsten Jahren noch öfter auf den Tisch kommen – auch in anderen Regionen. Die Lösung dafür muss aber wohl sowohl regional als auch von weiter oben gefunden werden.

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