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Funktioniert eine Wärmepumpe bei einem Mehrfamilienhaus?

Technische Hürden und innovative Wege

Lesedauer 4 Minuten
Quelle: ro/ Caro Neumeyer & Wechner Wärmepumpen
17.08.2023

Die vielseitige Anwendung von Wärmepumpen reicht weit über den privaten Haushalt hinaus und findet sich in verschiedenen Bereichen wie der Industrie, Haushaltsgeräten und sogar Elektromobilität. Besonders im Gebäudesektor sind Wärmepumpen längst etabliert, vor allem in Ein- und Zweifamilienhäusern. Doch die Potenziale dieser nachhaltigen Heiztechnologie reichen weiter, auch in Mehrfamilienhäusern. Hierbei ergeben sich allerdings spezifische Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, um die Energiewende auch in diesem Bereich voranzutreiben.

Die Herausforderungen  

Die Breite des Einsatzes von Wärmepumpen zeigt sich in ihrer Präsenz in der Industrie, in Haushaltsgeräten und sogar im Bereich der Elektromobilität. Im Gebäudesektor haben Wärmepumpen sich vor allem in Ein- und Zweifamilienhäusern bewährt. Doch auch in Mehrfamilienhäusern liegt großes Potential für diese nachhaltige Heiztechnologie. Aktuell werden rund 82% der Wohngebäude in Deutschland durch Ein- und Zweifamilienhäuser abgedeckt. Überraschenderweise machen diese jedoch weniger als 60% der gesamten Wohnfläche aus. Die restlichen 41% entfallen auf Mehrfamilienhäuser, wovon Dreiviertel Gebäude mit drei bis zwölf Wohneinheiten sind. Diese Zahlen verdeutlichen die Notwendigkeit, Wärmepumpen verstärkt in Mehrfamilienhäusern einzusetzen, sowohl in Neubauten als auch in Bestandsgebäuden.

Die Integration von Wärmepumpensystemen in Mehrfamilienhäusern ist zwar erfolgreich möglich, dennoch sind die damit einhergehenden Herausforderungen vielschichtig. Diese erstrecken sich sowohl auf administrative als auch auf technische Aspekte. Ein Beispiel hierfür sind die unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse von Mehrfamilienhäusern, die von lokalen Gemeinden, Wohnungsbauunternehmen, verschiedenen Eigentümern oder Investoren gehalten werden können. Die vielfältigen Interessen dieser Eigentümer können zu Entscheidungen führen, die nicht unbedingt im Einklang mit den Zielen des Klimaschutzes stehen. Hinzu kommen logistische Schwierigkeiten aufgrund der Vielzahl von Wohneinheiten, wenn Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden sollen.

Auch technologisch betrachtet, stellen Mehrfamilienhäuser eine größere Herausforderung für den Einsatz von Wärmepumpen dar. Aufgrund von Verteilungsverlusten sind in Mehrfamilienhäusern im Vergleich zu Ein- und Zweifamilienhäusern höhere Heizkreistemperaturen notwendig (zumindest bei zentralen Lösungen). Dies gilt ebenfalls für die Warmwasserbereitung. Die Trinkwasserverordnung nach DIN 1988-200 erfordert zum Beispiel eine Mindesttemperatur von 60 °C am Wasseraustritt des Trinkwassererwärmers aus hygienischen Gründen. In zirkulierenden Trinkwasser-Installationen darf ein Temperaturabfall von 5 K nicht überschritten werden. Aufgrund des höheren Wärmebedarfs müssen die Wärmequellen ausreichend dimensioniert sein, was möglicherweise einen größeren Platzbedarf mit sich bringt.

Mögliche Lösungen

Trotz dieser Herausforderungen gibt es bereits technologische Antworten auf diese Probleme. Die Wahl der richtigen Lösung kann jedoch komplex sein. Ein Beispiel hierfür ist die Bewältigung hoher Trinkwassertemperaturen durch dezentrale Warmwasserbereitung, Frischwasserstationen oder Ultrafiltration.

Eine grundsätzliche Klassifizierung von Lösungswegen kann bei der Entscheidungsfindung hilfreich sein. Das nachfolgende Schaubild stammt aus internationaler Forschungsarbeit zum Thema „Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern“. Diese stark vereinfachte Darstellung zeigt fünf verschiedene Lösungsansätze für den Einsatz von Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern.

 

 

Das Schaubild illustriert die fünf möglichen Gruppierungen von einer zentralen Warmwasser-Aufbereitung für das gesamte Gebäude bis hin zu individuellen Lösungen pro Raum. 

Zusammengefasst lautet die Antwort auf die Frage, ob Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus funktionieren können, grundsätzlich: Ja, auch ohne Fußbodenheizung. Während die Beheizung des Gebäudes in der Regel technisch weniger anspruchsvoll ist, liegt die Herausforderung oft in der effizienten Warmwasseraufbereitung. Hierbei geht es nicht nur um die technische Machbarkeit, sondern auch darum, die unterschiedlichen Interessen der Eigentümer in Einklang zu bringen.

 

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