Zu viele Aufkleber - Zugspitz-Gipfelkreuz braucht neues Gold

Lesedauer 4 Minuten
Quelle: dpa
11.11.2025

Das berühmte goldene Gipfelkreuz an der Zugspitze strahlt nicht mehr in vollem Glanz. Es ist mit Hunderten Stickern beklebt, mit denen sich Besucher auf Deutschlands höchstem Berg verewigt haben. Nun muss es restauriert werden. 

Die Demontage und der Transport des 4,88 Meter hohen und 300 Kilogramm schweren Kreuzes ins Tal ist aufwendig. Ein Helikopter holt es am Gipfel in 2.962 Metern Höhe ab. Im Tal wird es auf einem Lastwagen in die Werkstatt der Kunstschmiedin Andrea Würzinger nach Eschenlohe gebracht. Allein die Restaurierung soll nach Angaben der Bayerischen Zugspitzbahn einen niedrigen fünfstelligen Eurobetrag kosten.

Am 28. November zum Start der Skisaison – so hoffen die Zugspitzbahn und die Kunstschmiedin – sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und das Kreuz an seinen Platz zurückgebracht werden.

Sticker statt Glanz 

Würzinger wird die dicke Schicht Aufkleber vorsichtig entfernen, den Untergrund schleifen und anschließend Lack und neues Blattgold aufbringen.

Sie habe 500 Blatt hauchdünnes Blattgold in der Größe von acht mal acht Zentimeter bestellt, sagt Würzinger. Kosten: rund 1.500 Euro. Der Goldpreis ist hoch. «Wir wollen versuchen, nur da zu vergolden, wo kein Gold mehr ist.» 

Die Sticker-Wut der Besucher ist in den vergangenen Jahren eskaliert. Als das Kreuz, 1993 von ihrem Vater Franz Würzinger gebaut, nach etwa 15 Jahren erstmals nachvergoldet wurde, hätten darauf drei Sticker geklebt, berichtet die Tochter. Bei der Neuvergoldung zum Start der neuen Zugspitzseilbahn 2017 waren es rund 70 – und nun kleben Hunderte Sticker in drei Lagen auf dem Kreuz.

Selfie-Rausch und Absturzgefahr 

Immer weiter mussten die Gäste sich auf dem engen Gipfel nah des Abgrunds mit akrobatischen Übungen zuletzt nach oben recken oder gar hochklettern, um ihre Aufkleber anzubringen – unter großer Absturzgefahr.

Auch der Weg von der Bergstation hinüber zum echten Kreuz ist - wenngleich kurz - nicht ohne Gefahren. Oft liegt an der kurzen Kletterstelle Schnee, der Fels ist von vielen Besuchern glatt geschabt und zuweilen rutschig. Und mancher trägt gar Turnschuhe oder noch ungeeigneteres Schuhwerk.

An schönen Tagen herrscht regelrecht Gedränge auf dem engen Gipfel: Auch Selfies vor der spektakulären Kulisse sind begehrt.

Zweites Kreuz

Um Gästen eine sichere und für alle zugängliche Möglichkeit zu geben, Aufkleber anzubringen, hat die Bayerische Zugspitzbahn inzwischen an der Bergstation ein zweites, kleineres Kreuz nach dem Abbild des Originals aufgestellt, das nach Lust und Laune beklebt werden darf.

 «Wir hoffen, dass die Gäste das zweite Kreuz und damit die gefahrlose Variante nutzen», sagt die Sprecherin der Zugspitzbahn, Laura Schaper. Bisher sei zwar nichts passiert. Viele Besucher seien für den Weg zum Kreuz aber nicht gut gerüstet. 

Kreuz mit Geschichte 

Würzinger wird sich auch die vier Strahlen des Kreuzes genau ansehen. Schon zwei Mal ist in der Vergangenheit einer davon abgebrochen. Die Kunstschmiedin vermutet, dass Besucher im Winter, wenn der Schnee hoch genug liegt, sich fürs Foto an die Strahlen hängen. Dabei könnten kleine Risse entstehen, sodass später ein kräftiger Sturm reicht, um einen Zacken abzureißen – zumal in der Höhe neben dem Wind auch extreme Temperaturschwankungen auf das Material wirken.

Die Würzingers sind seit Jahrzehnten die Zugspitz-Gipfelkreuz-Spezialisten. Vater Franz war in den 1990er Jahren mit dem Bau des neuen Kreuzes beauftragt worden, da das originale Kreuz aus dem Jahr 1851 nicht mehr zu reparieren war. Das Original ist im Museum Werdenfels zu sehen. Es weist Einschusslöcher auf. Am 28. April 1945 hatten sich laut dem ehemaligen Museumsleiter Josef Kümmerle amerikanische Soldaten auf den Gipfel fahren lassen und das Kreuz beschossen.

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