Im vergangenen Jahr ist das Oberland beim Borkenkäfer vergleichsweise glimpflich davongekommen. Die Zahl der befallenen Bäume ist gesunken. Vor dem Start der neuen Saison hoffen deshalb viele, dass sich die Lage in den Wäldern entspannt hat. Wie ein Experte die Situation einschätzt, wie der Schädling durch den Winter gekommen ist und warum die kommenden Wochen für den Verlauf der Saison entscheidend sind, erfahrt ihr im Interview mit Korbinian Wolf. Er ist Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen und hat damit auch den Überblick über die Lage im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.
2025 hat es im Oberland weniger Schäden durch Borkenkäfer gegeben? Konnten sich die Baumbestände dadurch erholen?
Korbinian Wolf, Bereichsleiter Forsten am AELF:
„Auch wenn die Schäden durch den Borkenkäfer letztes Jahr überschaubar waren, heißt das nicht, dass sich die Bäume erholen konnten und jetzt resistenter gegen den Schädling sind. Ganz essenziell ist der weitere Witterungsverlauf. Haben wir ein kühles und feuchtes Frühjahr, sind die Bäume gut wasserversorgt, haben weniger Stress und der Borkenkäfer kann sie nicht so leicht befallen. Das ist das entscheidende Kriterium für die Bäume“.
Wie schätzen Sie den Borkenkäfer-Bestand ein und wie hoch ist die Gefahr in diesem Jahr?
Korbinian Wolf, Bereichsleiter Forsten am AELF:
„Wir schätzen die Gefahr durch den Borkenkäfer auch dieses Jahr als nicht ganz gering ein. Es gibt noch genügend Borkenkäfer, die in den Bäumen unter der Rinde oder im Boden überwintern konnten und je nach Witterungsverlauf eine große Gefahr für unsere Fichtenwälder in diesem Jahr darstellen. Dies hängt aber ganz wesentlich vom weiteren Witterungsverlauf ab“.
Der Winter war relativ kalt, im Januar gab es eine Kältewellt? Wie hat der Borkenkäfer die Witterung überstanden?
Korbinian Wolf, Bereichsleiter Forsten am AELF:
„Die Kältewelle im Januar und der relativ kalte Winter haben keine Auswirkungen auf die Entwicklung des Borkenkäfers gehabt. Der Käfer kommt sehr gut mit kalten und trockenen Wintern zurecht. Deutlich größere Probleme hätte er mit feuchten, milden Wintern, in denen er häufig von Pilzen befallen wird und abstirbt. Daher war dieser Winter aus Sicht des Borkenkäfers kein Problem“.
Welche Gebiete im Oberland sind besonders anfällig für Borkenkäfer und wo liegen die Problemregionen?
Korbinian Wolf, Bereichsleiter Forsten am AELF:
„Die Problemregionen in Bezug auf den Borkenkäfer im Oberland sind aus unserer Sicht vor allem die Fichtenreinbestände, in welchen keine Mischbaumarten wie Tanne und Buche vorkommen und welche auf flachgründigen, südseitigen Standorten wachsen. Dort besteht die große Gefahr, dass diese Böden sehr schnell austrocknen, die Fichte in Trockenstress gerät und daher leicht vom Borkenkäfer befallen werden kann. Darüber hinaus sind vor allem die Bereiche, die durch den Hagelsturm 2023 geschädigt worden sind, besonders gefährdet, vom Borkenkäfer befallen zu werden. Hier gilt es, in diesem Jahr einen Fokus darauf zu richten und diese Wälder intensiv zu überwachen und zu kontrollieren“.
Die Hauptflugzeigt der Borkenkäfer beginnt in den nächsten Wochen – was können Waldbesitzer aktuell tun?
Korbinian Wolf, Bereichsleiter Forsten am AELF:
„Entscheidend bis zur Hauptflugzeit des Borkenkäfers ist, dass die Waldbesitzer jetzt noch einmal intensiv ihre Wälder auf Borkenkäferbefall kontrollieren. Vor allem sollten sie Bereiche kontrollieren, wo in der Vergangenheit schon Borkenkäferbefall stattgefunden hat oder aufgerissene Waldränder sind. Borkenkäferbefall erkennt man momentan daran, dass entweder die Krone rot ist, die Nadeln runterfallen, im Wipfelbereich Spechteinschläge sind oder die Rinde sich ablöst. Hier gilt es, möglichst schnell die Bäume zu fällen, aufzuarbeiten und aus dem Wald zu entfernen“.
Welche Faktoren sind jetzt ausschlaggebend, für den Verlauf der Borkenkäfersaison?
Korbinian Wolf, Bereichsleiter Forsten am AELF:
„Für den Verlauf der heurigen Borkenkäfersaison ist ganz entscheidend der weitere Witterungsverlauf im Frühjahr und Frühsommer. Haben wir eine feuchte und kühle Witterung, so sind die Bäume vital und können sich gut gegen den Borkenkäfer durchsetzen. Ist die Witterung dagegen trocken, geraten die Fichten in Stress und können leicht vom Borkenkäfer befallen werden. Daher ist der weitere Witterungsverlauf ganz entscheidend dafür, wie sich die Borkenkäfersaison in diesem Jahr entwickelt“.
Hier gibt es weitere Infos zum Bayerischen Borkenkäfer-Monitoring.