Das Winterhalbjahr im Oberland war deutlich zu trocken. Vor allem im Dezember und Januar fehlte Niederschlag. Für die Grundwassersituation und mit Blick auf den Sommer ist das laut Experten keine gute Entwicklung. Ob das Wasserdefizit noch ausgeglichen werden kann, wie stabil die Trinkwasserversorgung ist und wie wir langfristig Wasser sparen können, erfahrt ihr im Gespräch mit Leonore Meder, Leiterin des Fachbereichs Wasserversorgung und Grundwasserschutz am Wasserwirtschaftsamt Weilheim.
Der Winter war bei uns an vielen Orten zu trocken. Wie bewerten Sie den Winter aus hydrologischer Sicht?
Leonore Meder vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim:
„Vor allem im Dezember und im Januar lagen die Niederschläge zum Teil deutlich unter den langjährigen Mittelwerten. Der Februar lag dafür über dem Durchschnitt und hat das Manko wieder etwas abgeschwächt. Dabei sind aber regionale Unterschiede festzustellen. An und in den Bergen ist das Defizit aktuell meist größer als im Alpenvorland. Hier wurde zum Beispiel in Mittenwald an der Messstation Buckelwiesen nur etwas mehr als die Hälfte des langjährigen Mittels gemessen. Und in Wielenbach zum Beispiel lag das Defizit nur bei ca. 10%“.
Kann ein nasser Frühling das Wasserdefizit noch ausgleichen?
Leonore Meder vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim:
„Das hängt immer auch von den lokalen Verhältnissen, also auch im Untergrund, und der Entwicklung der Vegetation ab. Je weiter die Vegetation in ihrer jahreszeitlichen Entwicklung ist, desto mehr Wasser wird auch benötigt. Grundsätzlich ist es für das obere Grundwasserstockwerk schon möglich, dass das Wasserdefizit noch ausgeglichen wird. Das hat man zum Beispiel auch 2023 sehen können. Da hat der nasse Frühling bzw. Frühsommer noch geholfen“.
Welche Folgen könnte die Trockenheit im Sommer für Landwirtschaft, Wälder und Natur haben?
Leonore Meder vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim:
„Das wird auch von der Wetterentwicklung abhängen. Wird es ein sonniges, warmes Frühjahr, entwickelt sich die Vegetation schneller und die Wasservorräte im Boden werden schneller ausgeschöpft. Folgt dann noch ein heißer Sommer, könnte es zu Stressbedingungen für alle Pflanzen kommen. Das bleibt aber erst einmal noch abzuwarten“.
Besteht die Gefahr, dass es zu einer Wasserknappheit kommen kann?
Leonore Meder vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim:
„Sollte es im Frühjahr tatsächlich nicht zu ausgiebigen und nachhaltigen Regenereignissen kommen, kann das zum Sinken der Grundwasserstände und zu Defiziten an einigen Brunnen, ob jetzt zur Brauch- oder Trinkwassernutzung, führen. Fehlt zum Beispiel bei der Trinkwasserversorgung die Redundanz, kann eine längere Trockenperiode einen Wasserversorger durchaus an die Grenzen bringen, wie wir es auch teilweise in bestimmten Trockenjahren schon an einigen wenigen Wasserfassungen auch bei uns gesehen haben. Da bei uns aber viele Wasserversorger bereits redundant aufgestellt sind, also eine zweite Wasserversorgungsmöglichkeit haben, können Zeiträume mit Wasserknappheit bei einer Wasserfassung bisher auch immer überbrückt werden“.
Wie können wir alle dazu beitragen, Wasser zu sparen und den Wasserhaushalt zu entlasten?
Leonore Meder vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim:
„Es ist entsprechend immer gut, dass jeder in seinem Bereich sorgsam und sparsam mit dem Wasser umgeht. Bürgerinnen und Bürger können im Haushalt Wasser sparen, zum Beispiel Zisternen bauen zur Verwendung von Regenwasser für die Gartenbewässerung. Auch wichtig für Kommunen oder auch im Privaten sind Entsiegelungen beziehungsweise weniger Versiegelungen, sodass Niederschlagswasser möglichst dort versickert, wo es entsteht“.
Hier findet ihr Informationen zu den aktuellen Grundwasserständen.
https://www.nid.bayern.de/grundwasser