Mushrooms under brown foliage | © Unsplash / Myriam Zilles

Vorsicht bei Wildpilzen

Tschernobyl hinterlässt immer noch Spuren

Lesedauer 3 Minuten
Quelle: ro / Caro Neumeyer
16.08.2023

Die Welt der Pilzküche lockt mit vielfältigen und verlockenden Köstlichkeiten, von herzhaften Pilzragouts bis hin zu aromatischen Jägersoßen. Doch trotz ihrer kulinarischen Vielfalt und Natürlichkeit können Pilze aus den bayerischen Wäldern im schlimmsten Fall eine unerwünschte Begleiterscheinung aufweisen – radioaktive Strahlung. Eine Schattenseite, die auf die verheerende Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zurückzuführen ist, auch wenn diese bereits 37 Jahre zurückliegt.

Radioaktive Spuren aus der Vergangenheit

Die radioaktive Belastung von Pilzen ist ein komplexes Thema und hängt von der Pilzsorte und ihrem Standort ab. Besonders in den Gebieten, die von den radioaktiven Niederschlägen nach der Tschernobyl-Katastrophe betroffen waren, weisen Wildpilze und andere Waldfrüchte immer noch erhöhte Werte an künstlicher Radioaktivität auf. Dies macht sich auch in einigen Regionen Bayerns bemerkbar, darunter auch das Oberland.

Warum ausgerechnet Pilze in Bayern so stark belastet sind

Die Hintergründe sind komplex: Die radioaktive Belastung von Pilzen nach der Tschernobyl-Katastrophe ist auch heute noch spürbar. Experten erklären, dass bestimmte Pilzsorten im Wald aufgrund des weit verflochtenen Myzels die radioaktiven Stoffe länger speichern und aufnehmen. Während auf landwirtschaftlichen Flächen das Cäsium-137 bereits tiefer in den Boden gelangt ist, bleibt es im Wald länger präsent. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat beispielsweise bei einigen Waldpilzsorten bis zu 4000 Becquerel pro Kilogramm Frischmasse gemessen, während der erlaubte Grenzwert im Handel bei 600 Becquerel pro Kilo liegt.

Die Messungen des Umweltinstituts zeigen, dass einige Pilzsorten besonders radioaktiv belastet sind. Maronenröhrlinge und Semmel-Stoppelpilze gehören dazu, während Steinpilze und Pfifferlinge geringere Radioaktivität aufweisen. Hauke Doerk, Referent für Radioaktivität am Umweltinstitut, erklärt, dass die zusätzliche Strahlenbelastung durch den Verzehr von Waldpilzen in moderaten Mengen wahrscheinlich innerhalb der natürlichen Strahlenbelastung liegt. Dennoch empfiehlt er aus Vorsicht, zusätzliche Strahlenbelastungen zu minimieren. Besonders gefährdete Personen, Schwangere und stillende Mütter sollten auf gezüchtete Pilze zurückgreifen, um sich und ihre Gesundheit zu schützen.

Wo die Pilze auf Radioaktivität getestet werden können

Wer möchte, kann für eine Messung 150 bis 250 Gramm sortenrein sortierte Pilze, Beeren oder auch Wildfleisch beim Umweltinstitut in München abgeben. Die Messergebnisse der letzten Jahre sind auf der Homepage zu finden. Radioaktive Strahlung kann langfristig das Krebsrisiko erhöhen.

Bevor Sie Ihre Pilze auf den Teller bringen, schenken Sie ihnen einen kurzen Abstecher zum Umweltinstitut München. So können Sie sicherstellen, dass Ihre Waldschätze nicht nur lecker, sondern auch frei von unsichtbarer Gefahr sind. Die Messergebnisse des Umweltinstituts können Sie hier einsehen.

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