Frühes Frühlingserwachen

Das warme Wetter im Oberland verwirrt die heimische Tier- und Pflanzenwelt.

Lesedauer 2 Minuten
Quelle: ro/Marion Jetter
11.01.2023

Wer genau hinhört, kann vielerorts im Oberland Amseln und Kohlmeisen wie im Frühling zwitschern hören. Und auch Wild- und Honigbienen drängen sich bei frühlingshaften Temperaturen um das spärliche Blütenangebot in Gärten und Parks. 
Die milde Witterung ohne Frost und Schnee bringt den Rhythmus der Natur vollkommen durcheinander. „Heimische, überwinternde Vogelarten wie Blaumeisen, Sumpfmeisen und sind ein wichtiger Anzeiger für den Klimawandel in Bayern.“ weiß Ornithologin Dr. Angelika Nelson vom bayerischen Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV). „Bei anhaltend warmen Temperaturen balzen und brüten sie früher im Jahr. Zur Fütterung ihrer Jungen finden sie dann oft nicht ausreichend Nahrung wie zum Beispiel Raupen“.
 

Fehlender Frost weckt Tiere aus dem Winterschlaf


Auch Igel, Fledermaus und Siebenschläfer werden durch die milde Witterung aus dem Winterschlaf geweckt. Dieser wird über eine „innere Uhr“ gesteuert, so dass die Tiere nicht ständig bei kurzen Phasen milder Witterung aufwachen. „Problematisch wird es, wenn länger anhaltende milde Wetterperioden sich zu häufig mit Kälteeinbrüchen abwechseln. Dann verbrauchen die Säugetiere für jedes Aufwachen aus dem Winterschlaf wichtige Energiereserven. Unter Umständen reichen die angelegten Fettreserven dann nicht mehr aus, um die restliche kalte Jahreszeit gut zu überstehen“, so Angelika Nelson. 
Und wie sieht es mit Fröschen und Kröten aus? „Für sie ist das richtige Verhältnis von Tageslänge, Temperatur und Luftfeuchtigkeit das Startsignal für Frühjahrswanderungen zum Laichen. Bleibt es konstant warm, ist ab Ende Januar mit den ersten paarungsbereiten Springfröschen zu rechnen“, sagt die LBV-Biologin. Sind sie einmal losgelaufen, stellen plötzliche Kälteeinbrüche eine massive Gefahr dar. 
 

Pflanzen- und Insekten im Frühjahrsmodus


Den einen oder anderen von uns mag es vielleicht freuen, wenn Winterlinge und Krokusse bereits jetzt erste bunten Frühjahrsgrüße schicken. Das frühe Austreiben kann jedoch dafür sorgen, dass der Blühzeitpunkt von Pflanzen nicht mehr mit dem Flugzeitpunkt von Insekten übereinstimmt. Und so kann es passieren, dass sich bereits jetzt im Januar Wild- und Honigbienen, manche Hummel- und Schmetterlingsarten um das spärliche Blütenangebot tummeln. Um den Insekten „unter die Flügel zu greifen“ rät Nelson viele verschiedene heimische Pflanzen, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen, im Garten anzubauen. So blühen Winterschnellball oder Winterjsamin üblicherweise im Januar, gefolgt von Hasel oder Weide im Februar.

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