Die Fußball-WM bringt den Sport wieder stärker in den Fokus – auch im Oberland. Gleichzeitig boomt der Vereinssport in der Region insgesamt: Rund 247.000 Menschen sind hier laut Bayerischem Landes-Sportverband in mehr als 560 Vereinen aktiv. Im Interview spricht BLSV-Präsident Jörg Ammon über steigende Mitgliederzahlen, gefragte Sportarten, fehlende Hallen und Trainer – und die Chancen einer möglichen Olympia-Bewerbung Münchens.
Die Fußball-WM ist in vollem Gange, Fußball ist gerade überall präsent. Aber wenn wir auf die Sportvereine in der Region schauen: Wie gut geht es dem Vereinssport insgesamt?
Jörg Ammon, BLSV-Präsident:
„Also, wir erleben ja derzeit einen regelrechten Sportboom. Die Menschen suchen den Vereinssport, sie suchen die Gemeinschaft, die Bewegung und die Gesundheit – und das findet man eben alles im Sportverein. Deshalb geht es dem Vereinssport mitgliedermäßig aktuell so gut wie schon lange nicht mehr“.
Viele Vereine berichten von steigenden Mitgliederzahlen. Wie sieht das konkret in unserer Region aus?
Jörg Ammon, BLSV-Präsident:
„Die Entwicklung, auch in der Region, ist insgesamt sehr positiv. Allein in den vom Radio Oberland abgedeckten Landkreisen engagieren sich rund 247.000 Menschen mit steigender Tendenz in den mehr als 560 Sportvereinen. Das zeigt, dass auch hier der Vereinssport attraktiv ist“.
Welche Sportarten boomen aktuell besonders neben Fußball?
Jörg Ammon, BLSV-Präsident:
„Turnen sowieso, gerade bei Kleinkindern, und Sportarten wie Tennis beispielsweise oder Klettern – das wird jetzt bei Tennis mit Sicherheit auch nach dem Erfolg von Alexander Zverev bei den French Open nochmals einen zusätzlichen Schub auslösen“.
Gibt es bestimmte Altersgruppen, die in Vereinen häufiger vertreten sind?
Jörg Ammon, BLSV-Präsident:
„Na ja, ganz klassisch sind die Sportvereine im Kinder- und Jugendbereich. Aber was wir schon auch feststellen, ist, dass die Menschen mittleren Alters, die Familien, aber dann auch immer mehr ältere Menschen im Sportverein mit dabei sind. Wir haben ja sehr fitte Senioren, und die freuen sich, wenn sie da engagiert sein können“.
Wo stoßen Vereine durch den Boom aktuell an ihre Grenzen und was sind die größten Herausforderungen: Trainer, Ehrenamtliche oder Sportstätten?
Jörg Ammon, BLSV-Präsident:
„Wir stoßen mit den Hallenkapazitäten, mit den Sportstätten, aber auch mit den Trainerinnen und Trainern und mit den Vereinsverantwortlichen – also Vorstand, Stellvertreter, Schatzmeister – eher an die Grenzen. Also, wenn man so will, kann eigentlich jede und jeder im Verein etwas machen und sollte das auch tun“.
Wenn jemand durch die Fußball-WM Lust auf Sport bekommt: Warum lohnt es sich gerade jetzt, in den örtlichen Sportvereinen vorbeizuschauen?
Jörg Ammon, BLSV-Präsident:
„Weil Sport und Bewegung sich immer lohnen. Das ist ja eine eigene Präventionsmaßnahme für die Gesundheit, das ist immer besonders gut. Die Vereine bieten auch ganz viele Schnupperangebote an. Da kann man einfach mal zum Testen vorbeikommen und dann findet man da ja nicht nur den Sport, sondern man findet ja Freunde, Bekannte“.
München will sich um Olympische Spiele bewerben: Was könnte eine Bewerbung für den Vereinssport auslösen?
Jörg Ammon, BLSV-Präsident:
„Kinder und Jugendliche bekommen Vorbilder zum Greifen, das hat man damals 1972 bei den Spielen auch erlebt. Da steigt natürlich dann auch die Begeisterung für Bewegung und Sport. Das löst aber dann auch bei dem einen oder anderen in der Politik den notwendigen Schub aus, Investitionen freizugeben und anzuschieben“.