Die Fußball-WM läuft – und für die Gastronomie im Oberland ist sie Chance und Risiko zugleich. Wegen der Zeitverschiebung beginnen viele Spiele erst spät am Abend oder in der Nacht. Mehr als die Hälfte der Partien wird sogar erst nach Mitternacht angepfiffen. Dazu kommt: Einige Städte und Kommunen verzichten auf große Public-Viewing-Angebote. Dadurch verlagert sich das gemeinsame Fußballschauen stärker in Bars, Kneipen und Wirtshäuser.
Für die Betriebe bedeutet das vor allem mehr Planung. Viele müssten genau abwägen, ob sich längere Öffnungszeiten lohnen, sagt Christian Bär vom Gastronomieverband Dehoga Oberbayern:
„Wir haben ja durch die späten Anstoßzeiten, vor allem ab 22 Uhr, doch Überlegungen, ob Kneipen, ob Wirtshäuser so lange dann geöffnet haben wollen – von 22 bis 24 Uhr. Das muss man sich schon genau überlegen, was da Sinn macht.“
Chancen sieht Bär vor allem für kleinere Betriebe. Viele Fans wollten Fußball nicht allein schauen, sondern gemeinsam mit anderen erleben:
„Die Menschen suchen bei Fußballspielen immer ein Kollektiv, ein Miteinander, wollen gemeinsam erleben. Und das wiederum hat natürlich Chancen für kleine Wirtshäuser, kleinere Kneipen, kleinere Bars, wo man das Spiel gemeinsam erleben kann.“
Schwieriger ist die Lage für Biergärten, weil späte Spiele nicht zum klassischen Biergartenbetrieb passen. Trotzdem müsse die WM kein Nachteil sein, so Bär. Es gebe deutlich mehr Spiele und damit auch mehr Möglichkeiten, Fußball zu zeigen. Denkbar sei etwa, dass Gäste erst den Abend im Biergarten verbringen und später gemeinsam ein Spiel anschauen.
Nach den ersten Spielen zeigt sich: Längere Öffnungszeiten können zusätzliche Gäste bringen, sind aber kein Selbstläufer. Bär geht davon aus, dass die Wirte genau kalkulieren und flexibel reagieren – etwa bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft. Klar ist für ihn: Je weiter Deutschland im Turnier kommt, desto größer dürften die Chancen auf zusätzliche Umsätze für die Gastronomie sein.