Eine neue Bienenmilbe aus Südostasien bereitet Imkerinnen und Imkern im Oberland Sorgen: Tropilaelaps vermehrt sich schnell, befällt die Bienenbrut und kann ganze Völker schwächen. Noch ist der Parasit nicht in Deutschland angekommen, wurde aber bereits in Teilen Europas nachgewiesen. Im Interview erklärt Matthias Meidel vom Landesverband Bayerische Imker, wie groß die Gefahr ist, welche Schutzmaßnahmen möglich sind und was Verbraucherinnen und Verbraucher für die heimische Imkerei tun können.
Unsere Honig-Biene muss mit vielen Parasiten kämpfen. Was macht die neue Bienen-Milbe (Tropilaelaps) so gefährlich?
Matthias Meidel vom Landesverband Bayerische Imker:
„Tropilaelaps vermehrt sich rasend schnell, noch schneller, als wir das von der bereits eingeschleppten Varroa-Milbe kennen. Bei einem starken Befall stirbt ein großer Teil der Bienenbrut ab und die Völker können zusammenbrechen. Dadurch kann es zu vermehrten Völkerverlusten kommen“.
Wie real ist die Gefahr, dass sich diese Milbe bei uns ausbreitet?
Matthias Meidel vom Landesverband Bayerische Imker:
„Die Milbe stammt ursprünglich aus Südostasien und hat es bereits bis nach Europa geschafft. So wurde sie in Georgien und in Russland an der Grenze zur Ukraine nachgewiesen. Früher oder später wird sie die EU und schließlich Deutschland erreichen“.
Gibt es Möglichkeiten, diese Milbenart zu bekämpfen?
Matthias Meidel vom Landesverband Bayerische Imker:
„Ja, die gibt es. Aber wir müssen erst einmal sehen, wie diese Maßnahmen unter den hiesigen Bedingungen funktionieren. Die meisten Daten kommen aus tropischen und subtropischen Regionen, die sind nicht 1:1 übertragbar. Wichtig wäre, dass wir endlich verstehen, wie diese Milbe es schafft, einen brutfreien Zeitraum in den Völkern zu überbrücken. Denn bisher geht man davon aus, dass sie sich nur von der Bienenbrut ernähren kann. Trotzdem hat sich die Milbe auch in Regionen mit gemäßigtem Klima etabliert, in denen die Bienen eine Brutpause im Winter einlegen“.
Was können unsere heimischen Imker jetzt schon aktiv unternehmen und wie schützen sie sich am besten?
Matthias Meidel vom Landesverband Bayerische Imker:
„Die Imkerinnen und Imker sollten sich über die neue Gefahr informieren. Vor allem sollten sie keine Bienenköniginnen aus anderen Ländern importieren. Der Deutsche Imkerbund hat die Bundesregierung und die EU-Kommission bereits vor einiger Zeit auf die Gefahr aufmerksam gemacht und dazu aufgefordert, sicherzustellen, dass alle Mitgliedstaaten Überwachungs- und Bekämpfungspläne eingerichtet haben. Das europäische Referenzlabor ist nun dabei, hierzu entsprechende Richtlinien zu erstellen. Außerdem hat der Imkerbund ein Importverbot von Bienenköniginnen und imkerlichen Nebenprodukten in die EU aus Drittstaaten gefordert, in denen momentan das Vorkommen von Tropilaelaps wahrscheinlich ist, aber eine ausreichende Übersicht fehlt“.
Können auch wir Verbraucherinnen und Verbraucher einen Beitrag leisten, damit sich der Parasit nicht weiter ausbreitet?
Matthias Meidel vom Landesverband Bayerische Imker:
„Nein, leider nicht. Aber die Verbraucherinnen und Verbraucher sind natürlich gerne eingeladen, die Imkerei durch den Kauf heimischen Honigs zu unterstützen. Und wer die Möglichkeit hat, kann gerne bestäuberfreundliche Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon aussäen oder pflanzen“.