Schöne Aufnahmen von Bergen, Seen und Natur – immer öfter kommt dafür im Oberland auch die Drohne zum Einsatz. Für Wildtiere kann das zum Problem werden: Sie nehmen die Fluggeräte als Bedrohung wahr und reagieren mit Stress oder Flucht. Gleichzeitig wissen viele Hobbyflieger offenbar nicht genau, wo Drohnen überhaupt erlaubt sind. Wie groß das Problem mit Drohnenflügen ist, welche Regeln in Schutzgebieten gelten und welche Strafen bei Verstößen drohen, erfahrt ihr im Interview mit Franziska Back vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz.
Wie groß ist das Problem mit Drohnen in Natur- und Schutzgebieten inzwischen – und nimmt die Zahl der Störungen tatsächlich zu?
Franziska Back vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz:
„Wir nehmen hier tatsächlich ein immer größer werdendes Problem wahr. Drohnen sind mittlerweile einfach nicht mehr so teuer, und viele Leute kaufen sich eine, um ganz einfach schöne Aufnahmen zu machen, ohne vielleicht zu wissen, wo das überhaupt erlaubt ist und welche Konsequenzen das auch für Wildtiere haben kann“.
Wie reagieren Wildtiere auf Drohnen und welche Folgen kann so ein Flug für Tiere wie Steinadler, Gämsen oder Murmeltiere haben?
Franziska Back vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz:
„Die Tiere wissen ja nicht, was eine Drohne ist. Das heißt, ihr Instinkt sagt einfach: Gefahr! Und das kann je nach Art ganz verschiedene Reaktionen auslösen. Die Tiere sind gestresst, haben vielleicht den Instinkt zu fliehen, oder es kommt sogar zu Angriffen – so wie kürzlich im Landkreis Berchtesgadener Land, als ein Steinadler eine Drohne attackiert hat. Dabei kann es natürlich theoretisch auch zu Verletzungen der Tiere kommen.
Welche Regeln gelten für Drohnenflüge in Naturschutzgebieten, Nationalparks und anderen geschützten Bereichen – und was droht bei Verstößen?
Franziska Back vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz:
„Drohnenflüge sind in Nationalparks und Naturschutzgebieten grundsätzlich streng verboten, außer man hat eine spezielle Ausnahmegenehmigung. Die gibt es normalerweise nur für offizielle oder wissenschaftliche Zwecke. Bei Verstößen drohen im Normalfall echt saftige Geldstrafen. Laut Bußgeldkatalog können die sogar bei bis zu 50.000 Euro liegen“.
Wo sehen Sie das größte Problem: Wissen viele Drohnenpiloten schlicht nicht, was erlaubt ist, oder werden die Regeln bewusst ignoriert?
Franziska Back vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz:
„Das lässt sich nicht so pauschal beantworten. Wahrscheinlich ist es eine Kombination. Es gibt sicherlich Hobbyflieger, die sich vorher schlecht informiert haben, und durchaus auch Fälle, in denen schlicht und einfach der Respekt vor der Natur und den Wildtieren fehlt“.
Was sollten Drohnenpiloten beachten, wenn sie in den Bergen schöne Aufnahmen machen wollen, ohne Tiere und Natur zu stören?
Franziska Back vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz:
„Grundsätzlich sollte man sich natürlich erst einmal gut informieren: Was ist das für ein Gebiet, in dem ich meine Drohne fliegen lassen möchte, und welche Regeln gelten dort entsprechend? Aber man sollte sich auch einmal ganz grundsätzlich die Frage stellen: Brauche ich diese Drohnenaufnahmen wirklich? Gerade in den Bergen sind viele Tiere mehr denn je auf störungsarme Rückzugsräume angewiesen. Deshalb ist es oft einfach die beste Entscheidung, die Drohne am Boden zu lassen.“