Ein kurzer reißerischer Post, ein mit KI manipuliertes Bild, gefälschte Videos. Fake News lassen sich gerade in den Sozialen Medien kaum noch erkennen. Ein neues Internetportal der Staatsregierung will nun gegen Desinformation sensibilisieren. Wie wir im Alltag falsche Nachrichten erkennen können, warum jeder von uns darauf hereinfallen kann und warum Fake News vor der Kommunalwahl im Oberland eine große Gefahr sind, erfahrt ihr im Interview mit Dr. Alicia von Schenk, Professorin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.
Warum kann jeder von uns auf Fake-News hereinfallen?
Dr. Alicia von Schenk, Professorin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg:
„Weil wir Informationen nicht perfekt rational verarbeiten. Wir wollen eher das glauben, was in unser Weltbild passt oder was wir mehrfach sehen, selbst wenn es falsch ist. Gleichzeitig sind Nachrichtenströme heute dichter und personalisierte Feeds verstärken Eindrücke oft unbewusst. Das hat überhaupt nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun, sondern mit psychologischen Mechanismen, die uns alle betreffen. Und genau da setzt auch das Infoportal "Gelogen? Lass dich nicht manipulieren!" an, auf dem unsere aktuelle Studie durchgeführt wird“.
Wie können wir im Alltag Desinformationen erkennen?
Dr. Alicia von Schenk, Professorin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg:
„Im Alltag hilft ein kurzer Check: Ist die Quelle bekannt, wird stark emotionalisiert oder gibt es andere Berichte dazu? In personalisierten Feeds verschwimmen diese Grenzen oft schnell. Und das heißt, auf dem Infoportal zeigen wir konkret, wie man sich leicht täuschen lässt – mit spielerischen interaktiven Elementen, zum Beispiel zu einer erfundenen Katzenverschwörung oder zu der angeblichen Invasion spanischer Nacktschnecken. Natürlich wirken diese Beispiele humorvoll, machen aber auch klar, dass unser Gehirn schnell auf scheinbar plausible Muster anspringt“.
Welche Gefahren sehen Sie bei der Verbreitung von Fake-News hinsichtlich der Kommunalwahl 2026?
Dr. Alicia von Schenk, Professorin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg:
„Falschinformationen können Wahrnehmungen verzerren, Polarisierung verstärken und Vertrauen in lokale Institutionen schwächen. Und Kommunalpolitik lebt von Nähe. Deshalb wirken und verbreiten sich Gerüchte dort besonders schnell. Mit unserem Forschungsprojekt, das wir von der Uni Würzburg gemeinsam mit dem Bayerischen Innenministerium durchführen, möchten wir genau verstehen, wie Menschen Informationen im Alltag verarbeiten. Das Infoportal soll Bürgerinnen und Bürger frühzeitig sensibilisieren, bevor sich falsche Eindrücke verfestigen“.
Das neue Portal soll bei der Prävention helfen – wo setzt die Studie an?
Dr. Alicia von Schenk, Professorin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg:
„Unsere Studie setzt nicht erst bei der einzelnen Falschmeldung an, sondern tatsächlich schon früher, also bei den kognitiven Mechanismen, die uns als Menschen überhaupt erst anfällig dafür machen. Das heißt, wir untersuchen, wie Menschen Informationen verarbeiten und wie Aufklärung wirkt, bevor sich Fehlannahmen verfestigen. Das ist ein verhaltensökonomischer Ansatz. Wir wollen echtes Verhalten messen, nicht nur hypothetische Antworten“.
Wie kann jeder von uns an der Studie teilnehmen?
Dr. Alicia von Schenk, Professorin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg:
Die Teilnahme an unserer Studie ist ganz leicht. Auf dem Portal erscheint ein Banner. Ein Klick darauf genügt und dann kann man anonym teilnehmen. Es kann sein, dass man sich zuvor ein oder zwei kurze interaktive Elemente auf dem Infoportal anschauen muss, zum Beispiel das Feed zur Katzen-Verschwörung oder diese Geschichte um spanische Nacktschnecken. Dann beantwortet man in der Studie kurze Aufgaben und Fragen, die uns helfen zu verstehen, wie Menschen Informationen aufnehmen. Natürlich gibt es dafür auch eine kleine Aufwandsentschädigung. Und wichtig: Jede Teilnahme liefert echte Evidenz, also wissenschaftliche Erkenntnisse, die helfen, Aufklärung wirksamer und letztlich Menschen widerstandsfähiger gegen Desinformation zu machen“.
Der Link für weitere Infos:
Infoportal Gelogen?!